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Unterwegs
International|17.12.2018

Wochenende in Kopenhagen

Warum man die dänische Hauptstadt ganz einfach liebt? Nun, sie macht glücklich. Familien, Velofahrer, Feinschmecker – und all die anderen Dänen.

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Warum man die dänische Hauptstadt ganz einfach liebt? Nun, sie macht glücklich. Familien, Velofahrer, Feinschmecker – und all die anderen Dänen.

Zugegeben, Velofahren ist auch an anderen Orten schön. Wer es aber in Kopenhagen tut, versteht, warum es glücklich macht. Zum Beispiel dort, wo man auf zwei Rädern übers Wasser schwebt. «Cykelslangen», Veloschlange, heisst die Brücke, die sich sanft zwischen Glas- und Stahlpalästen übers Meer windet. Sie erfüllt alle Ansprüche an gutes Design, steht für Verspieltheit am Wasser und für eine Metropole mit hoher Lebensqualität. Wasser zieht sich wie ein Band durch die Stadt, verbindet durch die historischen Kanäle Alt und Neu.

Da sind die bunten 300-jährigen Postkartenhäuser im Nyhavn und gegenüber, im Stadtteil Christianshavn, Packhäuser aus der Zeit, als Dänemark noch eine Weltmacht in der Schifffahrt war. Das Hafenareal wandelte sich von einer Industriebrache zum gefragten Wohn- und Geschäftsviertel. Hier liegen zwei beliebte Hafenbadis und die Promenade von Islands Brygge. Am Wasser liegen aber auch moderne Zeugen einer Architektur- und Design-Hochburg: der «Schwarze Diamant», der kantige, glänzende Anbau der Königlichen Bibliothek, und das neue Schauspielhaus mit seiner leichten Glasfassade. Nicht zuletzt findet man am Wasser auch einige der schönsten grünen Lungen der Stadt, bei den ehemaligen Befestigungsanlagen hinter der kleinen Meerjungfrau. Und natürlich den Strand – vom Stadtzentrum sind es 20 Minuten Velofahrt auf die Insel Amager.

Schnell, gratis und vergnüglich

Die 220 Meter lange Schlangenbrücke ist Verbindungsstück einer Route vom In-Viertel Vesterbro mit seinen vielen Bars und Klamottenläden Richtung Uni-Quartier und Strand. Zwei neue Velobrücken entstehen gerade – teure Konstrukte, doch in Kopenhagen geniesst das Velo Priorität. 45 Prozent aller Fahrten zur Arbeit werden in der topfebenen Stadt mit dem Velo zurückgelegt, weil es schnell, gratis und ein reines Frischluftvergnügen ist. Mehrfach wurde Kopenhagen zur weltbesten Velostadt gekürt, vor Amsterdam und Utrecht. Dies auch dank Tricks, die das Leben auf zwei Rädern versüssen: die grüne Welle, die auf das Tempo der Velofahrer abgestimmte Ampelschaltung. Und die «Plauder-Streifen»: so breit, dass mehrere Velos nebeneinander Platz haben.

Design und Gastronomie

Wohlstand prägt Kopenhagen, das als Wirtschaftszentrum gut Gebildete anzieht. Nicht zuletzt dank ihnen blühen die Brückenquartiere Vesterbro, Nörre­bro und Österbro, die das Stadtzentrum in einem Halbkreis umfassen. Sie sind in zehn Minuten Velofahrt vom Zentrum erreichbar. Man setzt in diesen aufgefrischten Altbauwohnquartieren auf hochstehende Produkte. Hier findet man viele Designerläden und eine hochwertige Gastro-Szene. Es gibt bei Weitem nicht nur «Noma», das in den letzten fünf Jahren viermal zum besten Restaurant der Welt gekürt wurde.

Originelles und Biologisches gibt es auch verhältnismässig günstig und als Take-away, wie «Cofoco» oder «Meyers Deli» beweisen. Oder die Torvehallerne, eine Markthalle-Gastronomie nach dem Prinzip «lokal und gut». Smörrebröd mit Hering an Apfelsauce, Dill und Zwiebeln – und das Roggenbrot zerschmilzt förmlich im Mund. Doch die Stadt is(s)t nicht nur edel. Das Vielkulturenquartier Nörrebro bietet Kebabs an jeder Ecke, schummrige Bars, simple Cafés. Man erreicht das Quartier – wie sonst – übers Wasser, über die Dronning-Louise-Brücke, der beste Treffpunkt für ein Bier, einen Schwatz, einen Flirt – zumindest im Sommer. Das junge Publikum sitzt einfach auf dem Trottoir in der Sonne.

Tummelplatz für Verliebte

Der zentrale Kongens Have, der Königsgarten, ist eine Mischung aus Schlosspark – bemützte Wachsoldaten inklusive – und Tummelplatz für Studierende, Verliebte und Büromenschen, die über Mittag picknicken. Für all dies steht auch der urdänische Begriff der Hygge, der sich mit «Gemütlichkeit» nur annähernd übersetzen lässt. Hygge beschreibt eine nette Zeit mit Familie, Freunden, Nachbarn oder Wildfremden, schwatzen, trinken, sozial sein. Es ist ein glücklicher Idealzustand, den die Dänen, das ist vielleicht ihr Geheimnis, rasch erreichen: Ihr Rezept besteht auch aus Leichtigkeit, Humor, einer Prise Selbstironie und einem Schuss Pragmatismus. Kopenhagen ist auch eine laute, nicht besonders saubere Stadt. Doch für ihre Bewohner darf es auch ein wenig unperfekt sein.

Dass ab und zu etwas aus dem Rahmen fällt und man über die Stränge schlägt, schadet nichts. An wenigen anderen Orten wäre die Freistadt Christiania denkbar, einst Heimat von Hippies, die im Militärgelände eine halbautonome Kommune aufbauten: heute ein Ort für alternative Kultur und geduldeten Cannabiskonsum. Oder der Assistens-Friedhof, der altehrwürdigste der Stadt: Schriftsteller Hans Christian Andersen, Philosoph Sören Kierkegaard, Physik-Nobelpreisträger Niels Bohr und andere Grössen fanden hier ihre letzte Ruhe. Doch zwischen den Gräbern tollen Kinder herum, man sonnt sich, picknickt. Und natürlich führt ein Veloweg mittendurch.

(pb)

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