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Ein Schnappschuss der Landschaft in Yukon, Kanada. (Fotos: Elias Vetter)
Unterwegs
International|14.02.2020

Eine lange Reise begleitet von einer Fotokamera

Gute Fotos brauchen Zeit. Eine Menge Zeit dafür hat sich der Grabser Elias ­Vetter genommen. Der 30-Jährige packte seine ­Sachen und reist seit ­Januar 2019 umher. Sein Abenteuer ist noch nicht fertig, doch zu berichten gibt es schon zur Genüge.

Ein Schnappschuss der Landschaft in Yukon, Kanada. (Fotos: Elias Vetter)

Gute Fotos brauchen Zeit. Eine Menge Zeit dafür hat sich der Grabser Elias ­Vetter genommen. Der 30-Jährige packte seine ­Sachen und reist seit ­Januar 2019 umher. Sein Abenteuer ist noch nicht fertig, doch zu berichten gibt es schon zur Genüge.

Elias Vetter sagt von sich selber, dass er Landschaftsfotograf mit Leidenschaft sei und dies erkennt man auch an seinen Fotos. Seine Reise startete vor mehr als einem Jahr in Island: «Dort habe ich zwei Monate auf einem Hof gelebt und lernte Kühe zu melken. Seither ist viel passiert. Ich bin mit dem Frachtschiff Atlantic Sky von Hamburg nach New York gefahren, habe die Bürokratie in Ontario beim Autokauf kennengelernt und gesehen, wie ein Milchbetrieb in Kanada mit 600 Kühen aussieht.» Danach ging es für Vetter einmal quer durch Kanada hoch bis nach Alaska. In dieser Zeit seien ihm vor allem Bären über den Weg gelaufen: «Einer war sehr neugierig und hat sich an meinem Autorückspiegel festgehalten und ins Auto geschaut.» Vor lauter Abenteuer war schon bald Juni und Vetter war für drei Wochen mit zwei Freunden im Norden der Brooks Range unterwegs: «Wir haben 400 Kilometer zu Fuss und mit dem Schlauchboot durch die Wildnis zurückgelegt. Den ganzen Sommer habe ich Alaska mit neuen Freunden, Familienmitgliedern oder alleine erkundet.»

Wer sich in solchen Ländern ohne Stress und Zeitdruck aufhalten kann, hat auch Zeit, jeden Moment zu geniessen und wahrzunehmen. Einige Highlights hat Vetter noch klar vor Augen: «Einige der schönsten Momente waren sicher meine Wanderungen im Denali Nationalpark. Auf drei Touren habe ich zwei Wochen im Wildnis-Paradies verbracht.» Die Zeit vergeht fast wie im Flug, denn schon war Herbst und Vetter bereiste weitere Stationen der Wildnis. Zu dieser Zeit war er im Süden von Alaska am Kachemak Bay. Gelebt hat er eine Woche im Zelt und dann drei Wochen auf ­einer kleinen Insel. Mit der Zeit wurde es auch in Nordamerika kälter und Vetter nahm sich verschiedenen Voluntier-Aufgaben an. Gegen Kost und Logis hat er Pfade im Wald erstellt, Schweine und Lamas betreut, ein Haus gehütet und mit Schlittenhunden gearbeitet.

Elias Vetter aus Grabs reist seit einem Jahr mit seinem Camper durch Nordamerika. 

Klimawandel

Rund um den Globus ist der Klimawandel ein Thema. Auch Vetter beschäftigt sich damit. Dies sei zum einen auch ein Grund gewesen, warum er mit dem Schiff und nicht mit dem Flugzeug nach Amerika gereist ist. Auch jetzt ­lebe er in einem grossen Auto, das auch als Zuhause genutzt werde: «Das ist natürlich alles andere als klimafreundlich, doch es zeigt genau das grosse Problem auf. In ­einem System zu leben, das auf fossilen Energien beruht, macht es einem sehr schwierig, klimafreundlich zu leben.» Bei einer nächsten Reise würde sich Vetter das Auto bereits in Europa kaufen und verschiffen. Hier gebe es sparsamere Modelle als in Amerika. Bei einem Projekt zum Thema Klimaschutz und Biodiversität mitzuwirken, könne sich Vetter deshalb sehr gut vorstellen.

Kein Reiseplan

Ein Jahr ist vergangen. Elias Vetter will noch weiter. Wie lange das sein wird, weiss er aber nicht. Sein Ziel wäre auch noch, durch Südamerika bis ganz nach unten zu reisen. Dafür brauche es aber ­einerseits weiterhin Freude am Reisen und auch die finanziellen Mittel. Klar ist für ihn aber, dass er nicht vor dem nächsten Silvester nach Hause kommen wird.

Ein neugieriger Bär blickte bei einem Stopp verwundert ins Auto.

Alleine im Abenteuer

Obwohl Vetter immer wieder aufs Neue Menschen trifft und auch schon Besuch erhielt, ist er die meiste Zeit alleine. Sein Auto, die Kamera, die Natur und er. Manchmal störe es ihn, alleine zu sein, denn es sei schön, wenn ein Erlebnis gemeinsam geteilt werden könne. Doch das Alleinsein habe durchaus einen Vorteil: Denn er kann tun und lassen was er will und das wann und wo er will. Vielleicht bekomme er genau darum immer wieder Einladungen von Menschen, die er auf der Reise kennenlernt. «Ich habe Alberta kennengelernt. Sie war zuvor eine fremde Frau für mich und hat mich auf ihre Ranch eingeladen. Da konnte ich beim Calf Branding dabei sein. Ein Erlebnis, das man nicht planen oder buchen kann», erzählt Vetter. «Doch ich vermisse die Gespräche mit Freunden über Dinge, die mich beschäftigen. ­Obwohl ich immer wieder Leute treffe, ist die Gesprächstiefe nicht dieselbe.»

Orte auf der To-do-Liste

Jeden Tag neue Eindrücke, immer wieder neue Gegenden und Menschen. Es gebe noch einen Ort, den er gerne sehen würde: Die Antarktis. «Da gibt es eine unglaubliche Tierwelt und die riesigen Eismassen, die eine ganz andere Landschaftsart sind, als der Rest der Welt», sagt Vetter. Da würde wohl ein einziger Akku der Kamera nicht reichen, denn die Kamera fehlt bei Vetter nie. Auch einige Elemente ziehen ihn an. ­Einen aktiven Vulkan würde er gerne sehen oder die hohen ­Berge in den Anden: «Ich hoffe, ich kann dann auch den einen oder anderen Sechstausender besteigen, denn die Berge liegen mir sehr am Herzen. Das merke ich vor allem, wenn ich in sehr flachen Gegenden unterwegs bin.» Vom Eis in die Tropen: Ein Aufenthalt im Regenwald steht bei Vetter ebenfalls auf der Liste. Doch zuerst stünde die amerikanische Westküste mit all den bekannten Nationalparks und Küsten­städten an.

Das Zuhause von Elias Vetter parkiert beim Dalton Highway.

Reisen kostet Geld

Wie viel Geld man auf einer Reise schlussendlich ausgibt, zeigt sich meist nach dem Gusto, Elias ­Vetter hat aber bereits drei Jahre vor dem Start viel zusammengespart: «Mit einem klaren Ziel vor Augen ist es auch nicht schwierig. Ich gab für so viele Kleinigkeiten Geld aus. Wenn man sich zurückhält, kommt aber einiges zusammen.» Vetter kaufte sich zu Beginn der Reise ein Auto, Dachzelt und Campingausrüstung, danach blieben die grossen Ausgaben aus. Er führt ein einfaches Leben. «Ich koche fast ausschliesslich selber, suche mir Lagerplätze ausserhalb der kommerziellen Zeltplätze und reise langsam. Während der «Work­aways» gebe ich praktisch nichts aus und kann doch viel erleben und von der einheimischen Bevölkerung erfahren.» Dennoch treffe Vetter auch auf Menschen, die noch günstiger reisen, man könne also auch gut mit mehreren Tausend Franken einige Jahre reisen.

Hier geht`s zum Blog von Elias Vetter. 

(um)

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