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Tritt das Verbot in Kraft, werden neben schwarzen nur noch rote und gelbe Tattoos gestochen. (Foto: SSI)
Vermischtes
Liechtenstein|13.03.2020

Tätowierer besorgt: Droht bald das Aus für bunte Tattoos?

In den Schlagzeilen ist schon seit einiger Zeit von «Blue 15» und «Green 7» zu lesen. Deren mögliches EUweites Verbot bereitet auch der Liechtensteiner Tattoobranche Sorgen. Doch was steckt dahinter?

Tritt das Verbot in Kraft, werden neben schwarzen nur noch rote und gelbe Tattoos gestochen. (Foto: SSI)

In den Schlagzeilen ist schon seit einiger Zeit von «Blue 15» und «Green 7» zu lesen. Deren mögliches EUweites Verbot bereitet auch der Liechtensteiner Tattoobranche Sorgen. Doch was steckt dahinter?

Es handelt sich dabei um zwei Farbpigmente, nämlich Blau und Grün, die die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) in der ganzen EU verbieten möchte. Diese Pigmente würden unter Verdacht stehen, krebserregend, erbgutverändernd, hautreizend und augenschädigend zu sein. Auch in Haarfarben oder Permanent-Makeup seien diese Pigmente bereits verboten. Was nicht auf die Haut darf, sollte auch nicht unter die Haut dürfen, argumentiert die ECHA. Die Tattoobranche warnt: Durch das Verbot würden zwei Drittel der Farbpalette vom Markt verschwinden, da «Blue 15» und «Green 7» vor allem auch als Mischtöne dienen. Die ECHA schlägt eine Übergangsfrist von zwei Jahren vor, in denen man nach Alternativen forschen könne.

Erneut im Hinterzimmer gelandet

Alternativen, die den Berufstätowierern hierzulande noch nicht bekannt sind. Auch diese zeigen sich verärgert. «Wie können sich Farben, die jahrelang im Labor getestet und geprüft wurden, als gesundheitsschädigend erweisen?», meint Szilárd Kis von «Onyx» in Vaduz. Auch andere Studios äussern sich besorgt: «Wir wären in unserer eigenen Branche sehr eingeschränkt, würde das Verbot wirklich in Kraft treten», so Marco Andreoli von «Silverback» in Balzers. Er und Tamas Barbas von «Chiara INK» in Triesen sind der Meinung, dass sich die Geschäfte erneut ins «Hinterzimmer» oder ins Ausland verlagern könnten. «Das Risiko, dass unsere Branche wieder in den nicht zu kontrollierenden Untergrund gedrängt wird, ist sehr gross», so Barbas.

Im schlimmsten Fall würden Tätowierer sogar beginnen, die Farben selbst zu mischen, meint Andreoli. Farbige Tattoos seien nämlich immer beliebter bei den Kunden. Doch die Farbpalette wird durch das Verbot eben sehr stark beeinträchtigt. Rund 66 Prozent der Farben würden verschwinden. Was noch übrig bleibe, seien die Farben Rot und Gelb, so Stefanos Moutaftsidis vom «INK Room» in Nendeln. Doch egal ob farbig oder nicht – es ist laut den Berufstätowierern wichtig, dass Stoffe und Materialien benutzt werden, die eine Kommission als sauber betrachtet. «Aber ein Verbot nur aus Vermutungen auszusprechen, macht in meinen Augen keinen Sinn», kritisiert Moutaftsidis. Ausserdem können Gesundheitsprobleme laut Kis durch fachgerechtes Arbeiten vermieden werden. «Entzündungen wegen falscher Nachbehandlung der Kunden können von uns leider nicht verantwortet werden», so Kis. Auch Andreoli meint: «Jeder Einzelne, der sich tätowieren lässt, kennt die möglichen Gefahren und entschliesst sich, diese auf sich zu nehmen.» Doch Valentin Flatz von der Stabsstelle EWR beruhigt: «Noch wurde kein endgültiger EU-Rechtsakt verabschiedet.» Das Verbot werde in den kommenden Wochen von den EU-Mitgliedsstaaten diskutiert. Erst nach der Verabschiedung des Verbots müsse entschieden werden, ob dieses auch in Liechtenstein in Kraft tritt. Bis der Rechtsakt aber gültig ist und in das EWR-Abkommen übernommen werden kann, braucht es Zeit, erklärt Flatz. Auch Werner Brunhart vom Amt für Lebensmittelkontrolle bestätigt, dass diese Entscheidung noch in ferner Zukunft liegt. Für Tätowierer heisst es vorerst also: aufatmen.

(am)

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