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Kreuzbewegungen seien eine gute Übung, um das Hirn zu fordern. (Fotos: Michael Zanghellini)
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Liechtenstein|19.11.2021

Elke Nestler-Schreiber: «Wir müssen unser Hirn fordern, nicht schonen»

Vor allem im fortgeschrittenen Alter wird das Thema Gedächtnis relevant. Dieses Organ können wir aber schon ohne ein gewisses Alter trainieren. Elke Nestler-Schreiber erklärt, wie das geht. 

Kreuzbewegungen seien eine gute Übung, um das Hirn zu fordern. (Fotos: Michael Zanghellini)

Vor allem im fortgeschrittenen Alter wird das Thema Gedächtnis relevant. Dieses Organ können wir aber schon ohne ein gewisses Alter trainieren. Elke Nestler-Schreiber erklärt, wie das geht. 

Die Schaanerin Elke Nestler- Schreiber ist seit 2019 selbstständig. Sie gibt Indoor-Kurse und geht mit Teilnehmern auf einen Denkspaziergang. «Ich biete Fitness fürs Gehirn an. Dabei wenden wir eine Trainingsmethode an, die Bewegung mit einer Wahrnehmung oder kognitiven Aufgabe verbindet », erklärt Nestler-Schreiber. Die Kombination von Denken und Bewegen mache es aus. Die meisten Menschen haben eine tägliche Routine. Diese sei zwar für uns Menschen bequem, fordere das Hirn aber nicht. Und genau das sei wichtig: Wir müssten unser Hirn fordern und nicht schonen. Um unser Hirn täglich etwas herauszufordern, gäbe es einfache Übungen, die wir in den Alltag einbauen können: «Eine gute Übung ist die ‹Ich und Du›-Bewegung. Dabei zeigt der linke Daumen zur Brust und der rechte Zeigefinger nach vorne. Ziel ist es, jeweils die Bewegung zu ändern, dass abwechselnd Daumen zur Brust und Zeigefinger nach vorne zeigen. Dabei sollten nur Daumen und Zeigefinger ausgestreckt sein, alle andere Finger sind in der Faust versteckt.» Die Aufgabe sieht einfach aus, ist es aber nicht. Bereits ein Versuch bringt uns zum Schmunzeln. Wir wollen es weiterprobieren und haben Spass dabei.

Ebenfalls eine einfache Übung sei Bälle zu werfen, sagt Nestler- Schreiber: «Geeignet sind Bällchen, Socken oder auch Tempopäckchen. Sie sollten aber unterschiedliche Farben haben. Nun werfen wir die Bällchen gleichzeitig in die Luft, überkreuzen unsere Hände und fangen sie wieder. Die Bälle müssen immer auf ihrer Seite bleiben. Auch hier merken die meisten schnell, dass es einfacher aussieht, als es ist.» Vor allem Überkreuzbewegungen seien gut für das Hirn.

Wer während der Übung lächelt, verstärke den Übungseffekt, erklärt Nestler-Schreiber: «Wenn wir lachen, haben wir Spass und schütten das Glückshormon Dopamin aus. Dieses unterstützt den Bildungsprozess der Synapsen.» Synapsen seien ein wichtiger Bestandteil unseres Hirns. Sie müssten gepflegt werden, sagt sie: «Ein Mensch hat rund 100 Milliarden Nervenzellen, aber viele davon ‹liegen brach›.» Um sich dies bildlich vorzustellen, erklärt sie, dass wir sozusagen unsere eigenen Strassenbauer seien: «Erfahrungen und Übungen geben neue Reize im Hirn und die Strassen wachsen. Je mehr Verzweigungen die Nervenzellen haben, desto besser geht es uns.»

Elke Nestler-Schreiber gibt seit zwei Jahren Kurse für Gehirnfitness.

Tun statt Können steht im Vordergrund

Wer Gehirnfitness macht, muss weder eine gute Ausdauer noch genügend Muskeln haben – ins Schwitzen komme man dennoch: «Die Übungen sind nicht körperlich belastend, sondern moderat. Wir bewegen uns, aber anders. Wir kommen ins Schwitzen. Dies aber, weil wir visuell, koordinativ und kognitiv gefordert werden.» Zudem gebe es auch hier Steigerung. Kann jemand die Übung zu gut, werden die Übungen individuell angepasst. Ratschlag für die «Ich und Du»-Übung: Zusätzlich die Telefonnummer aufsagen oder bei der Bällchen-Übung Schritte einbauen. Wichtig sei für Nestler- Schreiber aber vor allem eines: «Bei mir gibt es keinen Leistungsdruck. Das ist schwierig, aus den Köpfen der Menschen zu bekommen. Es geht nicht darum, so gut wie möglich zu sein, sondern ums Tun. Jeder Versuch bringt unser Hirn zum Arbeiten. Wir müssen unser Hirn fordern und nicht schonen. » Es bestehe jederzeit die Möglichkeit, eine Schnupperstunde zu besuchen.

Jeder sei willkommen, gleich ob 20-jährig oder Seniorin. «Wir müssen unser Hirn in jedem Alter pflegen, nicht erst wenn wir alt werden », erklärt Nestler-Schreiber. Meistens trainierten Menschen nur ihre Körper. Bis zum Hals sind wir fit, doch wie viele gehen bis ganz nach oben und trainieren auch den Kopf? Dafür müsse man sich nicht unbedingt viel Zeit einplanen, sondern könne schon ganz einfach die Alltagsroutine verändern. «Beispielsweise morgens erst mit dem linken Fuss voran in die Hose schlüpfen anstatt mit dem rechten. Oder auch mit der anderen Hand Zähneputzen oder das Essen in der Pfanne umrühren », sagt Nestler-Schreiber. Allein solch kleine Veränderungen, würden das Hirn fordern.

Denken, Spazieren, Synapsen bilden

Frische Luft ist wichtig. Oftmals brauchen wir sie, wenn wir Durchatmen wollen. Beim Denkspaziergang mit Nestler-Schreiber werde aber nicht nur frische Luft geschnappt, sondern auch das Hirn gefordert. «Beim Denkspaziergang trainieren wir unter anderem unsere Sinne mit abwechslungsreichen Übungen. So müssen Teilnehmer beispielsweise etwas blind hinter dem Rücken ertasten oder mit geschlossenen Augen herausfinden, was sie im Mund schmecken», sagt Nestler-Schreiber.

Als ehemalige Account Managerin kommt sie ursprünglich aus einem ganz anderen beruflichen Umfeld. Über «Felix Neureuther im aktuellen Sportstudio» ist Nestler-Schreiber auf Life Kinetik ® aufmerksam geworden. Sie fand genau die Übung mit den Bällchen und die Ergebnisse derart überraschend, dass sie die Life Kinetik ® Trainerausbildung absolvierte. Sie wollte mehr über Gehirntraining, Synapsenbildung und deren Nutzen für den Alltag erfahren beziehungsweise erlernen. Zusätzlich absolvierte Nestler-Schreiber die Ausbildung zur Gehirnfitnesstrainerin von LINK MOVES ®. Seit 2019 ist die 51-jährige Schaanerin selbstständig mit Denkdünger: «Der Name sollte Sinn machen. «Denk» für das Hirn und «Dünger» für die Übungen.»

(um)

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