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Anna Känzig und Tobey Lucas hatten andere Pläne für 2020. (Foto: ZVG)
Kultur
Region|20.11.2020

Tobey Lucas: «Momentan macht das Musikersein keinen Spass.»

Das Duo Tobey Lucas und Anna Känzig war Ende Oktober im Werdenberger Kleintheater Fabriggli zu Gast und spielte eines der letzten Konzerte im Coronajahr. Für den in Buchs aufgewachsenen Countrymusiker war es bereits das zweite Gastspiel 2020 im Ort seiner Kindheit.

Anna Känzig und Tobey Lucas hatten andere Pläne für 2020. (Foto: ZVG)

Das Duo Tobey Lucas und Anna Känzig war Ende Oktober im Werdenberger Kleintheater Fabriggli zu Gast und spielte eines der letzten Konzerte im Coronajahr. Für den in Buchs aufgewachsenen Countrymusiker war es bereits das zweite Gastspiel 2020 im Ort seiner Kindheit.

Bereits im Frühling war er Teil des Lockdownfestivals «Bliib dahai», welches im Mai aufgenommen wurde. Was sich seit diesem Zeitpunkt alles verändert hat und wie es weitergeht, lest ihr hier. Es hätte das grosse Jahr für Tobey Lucas und Anna Känzig werden können. Mit ihrem Album «Two of a Kind» stiegen sie Ende August auf Platz 15 in der Schweizer Albumhitparade ein und verweilten insgesamt solide fünf Wochen in der Top 100. Doch eine grosse Schweizer Tournee durften die beiden Hitparadenstürmer nicht spielen, auch wenn sie häufig nur akustisch zu zweit unterwegs sind. Im Fabriggli genoss Tobey Lucas sein Heimspiel deshalb umso mehr, denn Ende Oktober stiegen nicht nur die Neuansteckungen, sondern auch die Unsicherheit dramatisch an. Die Auflagen seien schlimmer geworden für Veranstalter, und er merke, jetzt hätten die Menschen Angst. «Man merkt, es zieht wieder an. Alle haben Angst. Bei uns wurden in dieser Woche gleich drei Konzerte abgesagt. Wir hatten eigentlich noch Glück. Damals im Frühling wurden die grossen Konzerte abgesagt, die kleinen konnten wir als Duo noch spielen. Aber jetzt werden auch diese langsam abgesagt.»

Nur die Musik zählt

Die Konzerte, welche sie noch spielen dürfen, finden vor einem Publikum statt, welches Masken trägt. Der Stimmung täte dies aber keinen Abbruch sagt der Gitarrist und Sänger. Dass ihr Album so hoch eingestiegen sei in der Hitparade, habe ihn zwar gefreut, aber er mache Musik aus Überzeugung und nicht wegen den Chartplatzierungen. «Ich sehe das extrem pragmatisch. Es ist cool, weil dann viele Veranstalter finden: «Ah, das ist jetzt cool.» Dann kannst du mehr Konzerte spielen, wirst eher im Radio gespielt und so weiter. Es ist wie so ein Rattenschwanz, alles hängt irgendwie zusammen.» Wegen der Pandemie ist es aber so, dass ein Künstler ganz oben in der Hitparade sein kann, mehr Konzerte spielt er deswegen nicht. Lucas findet für die aktuelle Situation klare Worte. «Momentan macht das Musikersein keinen Spass.» Doch der Musiker mit Buchser Wurzeln versucht die neu vorhandene Zeit sinnvoll zu überbrücken. «Momentan mache ich vor allem Sound für mich zu Hause. Ich habe mir eine neue Gitarre gekauft und tüftle wieder mehr an neuer Musik.»

Corona ist der Wirtschaftskiller

Lucas, welcher hauptberuflich als Psychologe und Personalvermittler arbeitet, veröffentlicht regelmässig Bewerbungstipps in Form von kurzen Videos online. In diesem Bereich habe er einen massiven Anstieg des Interessens bemerkt in der letzten Zeit. «Ich habe im Moment extrem viele Anfragen. Ich könnte wirklich auch nur noch das machen. Es ist echt krass. Corona ist ein echter Wirtschaftskiller, und extrem viele Leute sind aktuell auf Jobsuche. Das macht mir Sorgen, sogar noch mehr als der Virus. Die Leute, die nichts dafür können und im Moment ihre Jobs und somit auch ihre Existenzen verlieren, tun mir echt leid.» Diese hohe Zahl an armen Leuten bereite ihm viele Sorgen. Er sei heute noch geflasht vom «Bliib dahai»-Festival, welches im Frühjahr vom Fabriggli lanciert wurde. «Ich musste mir echt ein paar Mal die Augen reiben. Diese grosse Solidarität von allen Seiten hat mir echt mein musikalisches Jahr gerettet. Ich möchte mich nochmals von Herzen bei allen Mitwirkenden bedanken. Das war wirklich ganz, ganz grosses Kino, da ich vor allem meine Mitmusiker, die Tontechniker und meine Promoleute bezahlen konnte.» Es hänge alles zusammen auf dieser Welt. Es sei extrem wichtig, dass die Leute realisieren, dass es eben nicht nur eine Variable gebe, sondern alles miteinander verknüpft sei. Es wäre echt schön, wenn da ein Umdenken stattfinden würde. «Aber wie schon gesagt, ich mache Musik aus Leidenschaft und nicht, um reich zu werden. Wer heute mit Musik Geld verdienen will, der kauft sich am besten eine Aktie von Spotify», erklärt Lucas lächelnd. Sich den Humor zu bewahren in diesen ungewissen Zeiten, ist sicher keine schlechte Idee.

(red)

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