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Doris Giger mit einer ihrer ersten Patchwork-Arbeit. (Fotos: Ursina Marti)
Lifestyle
Region|22.11.2019

Mit der Nähmaschine Neues zaubern und kreieren

Die Faszination für Stoffe und Wolle kam bei der
Sevelerin Doris Giger sehr früh. Bereits im Kindesalter hat sie aus Stoffresten Neues gezaubert, auch wenn am Anfang nur die Barbie-Puppe davon profitierten konnte.

Doris Giger mit einer ihrer ersten Patchwork-Arbeit. (Fotos: Ursina Marti)

Die Faszination für Stoffe und Wolle kam bei der
Sevelerin Doris Giger sehr früh. Bereits im Kindesalter hat sie aus Stoffresten Neues gezaubert, auch wenn am Anfang nur die Barbie-Puppe davon profitierten konnte.

In der gemütlichen Stube in St.Ulrich am Sevelerberg sitzt Doris Giger am Tisch. Ein Blick durchs Zimmer zeigt es: hier Nähutensilien, da Stoffe – die Kreativität ist überall. Auf die Frage, wie sie zum Nähen kam, musste sie selbst zugeben, dass sie erst nachdenken musste und merkte, dass dies bereits als Kind kam. «Meine Mutter hat schon immer viel gestrickt und genäht und hatte deshalb immer Kisten voll mit Woll- und Stoffresten im Kasten. Das hat mich angezogen.» Sie durfte dann jeweils die Woll- und Stoffreste benutzen. Bei den Stoffresten, die etwas grösser waren, musste sie allerdings nochmals nachfragen, denn es konnte sein, dass diese noch gebraucht wurden. «Von da an merkte ich, dass mich diese Textilien faszinieren. Ich habe mir dann eine Barbie gewünscht, sodass ich für sie Kleider nähen konnte.» erzählt Giger. Ob aus Wolle gestrickt oder aus Stofffetzen genäht; die Barbie wurde immer wieder neu eingekleidet. Als Giger in der Primarschule war, bekam sie noch einen kleinen Bruder. Dieser wurde schnell zum Model für neue Kleider. Sie hat angefangen, kleine Pullover aus Stoffresten für ihn zu nähen. «Als ich in der Sekundarschule war, war ich immer ziemlich schnell und durfte dann noch andere Sachen nähen und zaubern. Da habe ich alte Jeans zerschnitten und daraus für meinen kleinen Bruder eine Weste genäht. Dann habe ich alten Schmuck genommen und damit die Weste aufgepeppt», erzählt sie. Nach und nach wurde ihr klar, dass dies genau ihr Ding ist und sie wusste, dass sie das zu ihrem Beruf machen möchte. Sie absolvierte dann eine Lehre als Damenschneiderin und war somit unter Gleichgesinnten. Die Kreativität kannte keine Grenzen. Weil wir es konnten, haben wir vieles selbst gemacht, erzählt Giger: «Wir sind jeweils ins Brockenhaus gegangen und haben Secondhandkleider gekauft. Die haben wir dann noch verändert und aufgehübscht.» In dieser Zeit war Giger bei den Kleidern hängengeblieben, doch als sie heiratete und auch zwei Töchter zur Welt brachte, weitete sich ihr Spektrum aus. «Das Eigenheim sollte ja ein bisschen dekoriert sein und da man dafür nicht viel Geld ausgab, habe ich es selbst gemacht. Ich habe dann auch viel für meine Kinder gestrickt und genäht.»


Das Ausgefal­lenste was Doris Giger bis jetzt genäht habe.

Das «Patchwork und Quilten» für sich entdeckt

Ein grosser Umbruch kam für die Sevelerin durch ihre Tante aus Bern, die mittlerweile nicht mehr lebt. Sie hat immer «Patchwork» gemacht: «Von ‹Patchwork› denkt man, es ist langweilig, altertümlich, bieder, brav, mit Blümchen und Rüschen – halt altmodisch im Landhausstil. Doch dann zeigte sie mir ein Hundertwasserbild, das sie genäht hat. Ein Bild des Künstlers. Ich war hin und weg», sagt Giger. Sie wurde dann nach Bern eingeladen, weil da eine grosse «Patchwork- und Quilt»-Ausstellung war und sie hat sich das angeschaut. Von da an war sie mit dem Virus infiziert und das Nähen wurde noch zum grösseren Hobby. Aus alten Sachen etwas Neues zu kreieren, das liebe sie und dabei sei auch immer ein bisschen Geschichte dabei. Es sei wie früher, als man fast nichts hatte. Da habe man aus den alten Sachen die besten Stücke herausgeschnitten, zusammengenäht und etwas Neues entstand. Darum auch der Name «Patchwork». Doris Giger strahlt über das ganze Gesicht und man merkt ihr an, die Freude daran ist gross, denn das fasziniere sie. Wenn sie etwas Altes im Haus sehe, werfe sie es nicht gleich weg, sondern wartet ab. Irgendwann hat sie eine Idee, was sie daraus gestalten könnte.

Das erste selbst gemachte Patchwork-Stück

Giger wagte sich an ihre erste «Patchwork»-Arbeit: «Als mein Schwiegervater starb, habe ich -alle seine Hemden bekommen und daraus eine «Patchwork»-Decke genäht. Sie sollte aber nicht dunkel und traurig sein, sondern fröhlich wie er es war.» Sie habe also die alten Hemden zerschnitten und diese mit neuen frischen Stoffen kombiniert. Das Ergebnis war eine Decke, die täglich benutzt wird. Alle hätten Freude daran. Die Arbeit habe sich also gelohnt. Patchwork sei eine Arbeit, bei der man Stoffe zusammensetzt und über alle Schichten näht, dann entstehe ein 3D-ähnliches Muster.

Alte Kleidungsstücke zu neuen Goldstücken verarbeitet

Wer liebt Kleider nicht? Viele Frauen kann man mit Glitzer, Leder, Jeans und vielen weiteren Kleidungsstücken verzaubern. Giger liebt es, Stoffe zu kaufen. Noch schöner sei es, wenn sie alte Teile einbauen kann. Die Kombination aus Alt und Neu sei das Schöne: «Wenn man etwas Altes – sei es eben ein Hemd – mit einnäht, gibt man dem Ganzen noch eine Seele, finde ich. Und es macht mir Freude, wenn es eine Geschichte hat.» Sie habe schon sehr viele Dinge genäht: Kissen aus alten Hemden für ihren Schwager, einen Adventskalender aus alten Taschen von Hemden und Jeans. Auch ihr Hochzeitskleid wurde verschnitten. Daraus nähte sie kleine Beutel, die habe sie an einen Holzstock gehängt. Auch das sei ein Adventskalender. Das Kleid hätte sie sowieso nicht verkaufen können. Ohnehin hätten die Kinder es bereits getragen, ¬also habe sie sich getraut es zu ¬zerschneiden, um daraus etwas Neues zu kre¬ieren. An Ideen scheitert es bei Giger nicht. Doch eine Idee sei erst etwas wert, wenn man sie auch umsetzte. Sie habe auch schon im Internet vieles gesehen und ausprobiert. Da kam ihr der Gedanke, an den Weihnachtsmarkt in Sevelen zu gehen und konnte sich das ganze Jahr ausleben und alles ausprobieren und nähen worauf sie gerade Lust hatte – am Weihnachtsmarkt ging alles weg. Sie konnte alles nähen und hatte nicht das Haus voller neuer Dinge. Nebst dem Stoff hat Giger noch eine andere kreative Leidenschaft für sich entdeckt: Bücherfalten. «Ich bin ebenso von Büchern fasziniert wie von Stoff und Wolle. Sie haben einen gewissen Charme und ich habe Mühe damit, sie wegzuwerfen, obwohl sie nur dastehen.» Darum hat sich die Sevelerin im Internet schlau gemacht und gesehen, dass man sie falten kann. Gleich ob Wörter, Namen oder auch Symbole. Und damit nicht genug: Jedes Buch werde mit Stoff eingefasst, so sei es eine runde Sache. In der Stube von Doris Giger stehen auf dem Tisch nicht nur zwei Kaffeetassen, sondern auch Stoff. Drei Stücke Stoff stechen einem ins Auge: Ein gelber mit vielen Bananen drauf, ein roter mit vielen Tomaten und ein grüner mit Rosenkohl. «Motto-Stoffe liebe ich sehr, ob Schriften, Noten, Musik oder eben Gemüse. Wenn ich das im Stoffladen sehe, kann ich nicht einfach daran vorbeilaufen, ich muss sie kaufen. Daraus werde ich wohl neue Tischsets nähen», meint Giger. Während des Gesprächs merkt man, dass sie immer eine Idee hat. Und wer wäre schon darauf gekommen, aus diesen Stoffen Tischsets zu nähen?

Die Calanda-Quilters

Seit vielen Jahren näht Giger nun schon und hat Ideen ohne Ende. Ihr wurde dann aber bewusst, dass sie das alles mit anderen teilen will, anstatt immer alleine zu Hause zu nähen. Also ging sie im Internet auf die Suche und merkte schnell, dass die Quilt-Szene in der Schweiz sehr klein ist. In Amerika sei es weit verbreitet. Jeder kenne es. Da könne man gar die Militäruniform einsenden und bekommt es als Quilt zurück. Die Stoffe werden in ein fantastisches Bild verarbeitet. Auch in Deutschland, Grossbritannien und Frankreich sei Quilten bekannt. Dennoch hat Giger die «Calanda-Quilter» gefunden. Ein Verein aus Landquart, in dem alle der Leidenschaft des Nähens nachgehen. Mit ihnen könne sie sich -austauschen, zusammen nähen und auch Kurse oder Ausstellungen besuchen.

«Beim Nähen vergesse ich die Zeit»

Neben Gigers Haus steht ein alter Stall. Darin hat sie im oberen Stock ihr kleines Nähatelier eingerichtet. Dort findet man viele Stoffe, Taschen und auch die Nähmaschine. «Manchmal möchte ich nur kurz ein bisschen aufräumen, beginne noch kurz was zu nähen und auf einmal ist es schon Mitternacht. Denn wenn ich etwas nähe, muss es perfekt sein. Doch irgendetwas finde ich immer, das mir nicht passt. Es ist fast schon eine Krankheit», erzählt Giger schmunzelnd. Ein Blick durch das Nähatelier zeigt, dass stets etwas da ist, was sie genäht hat. Und auch etwas sehr Ausgefallenes findet sich in diesem Raum. Giger lacht: «Ich habe eine Tasche mit BH und Slip für meine Tochter genäht. Ich bin heute noch der Meinung, dass es etwas Cooles ist, doch die Tasche hat das Nähzimmer nie verlassen. Es ist halt schon sehr ausgefallen.» Das Problem sei, dass wenn man immer in diesem Näh-Universum sei, ich nicht mehr merke, was noch normal ist und was bereits ausgefallen. «Ich hätte nie gedacht, dass das provokativ oder ausgefallen ist und habe nicht verstanden, warum man die nicht brauchen kann. Heute verstehe ich es.» Giger fährt fort: «Entweder man ist der Typ dafür oder eben nicht.» Abschliessend sagt sie: «Im Kopf jeder Quilterin steckt Folgendes: Jeden Stofffetzen der grösser als ¬eine Briefmarke ist, kann man noch verarbeiten.»

(um)

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