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Ostsee. (Foto: Lisa Burth)
Lifestyle
Region|28.08.2020

«Weil der Verzicht auf Überfluss die Lösung vieler Probleme ist»

Beim Tippen dieser Zeilen sitze ich verschwitzt, ein wenig genervt von mir selbst und erschöpft vor dem Rechner, viel zu müde, aber trotzdem in der Stimmung, das jetzt genau so festzuhalten.

Ostsee. (Foto: Lisa Burth)

Beim Tippen dieser Zeilen sitze ich verschwitzt, ein wenig genervt von mir selbst und erschöpft vor dem Rechner, viel zu müde, aber trotzdem in der Stimmung, das jetzt genau so festzuhalten.

Während des Lockdown wurde mir, wie vielen anderen auch, freie Zeit geschenkt. Ich habe diese genutzt, um meine Räume und damit auch mein Leben ein bisschen aufzuräumen. Viel aussortiert, verschenkt, entsorgt, geputzt und wieder neu geordnet. Mein Hab und Gut, aber auch meine Gedanken und Visionen haben neuen Raum bekommen. Jetzt ein paar Monate später sitze ich hier, gefrustet und enttäuscht von mir selbst. Ich bin gerade dabei, meine neue Wohnung zu beziehen. Bis anhin durfte ich in einer schnuckeligen anderthalb Zimmerwohnung zu Hause sein. Die neue Bleibe bietet wesentlich mehr Platz, aber ausser einem Sofa brauche ich mir eigentlich nichts Neues anzuschaffen. Anfangs beim Packen der Umzugskartons war ich noch guter Dinge, natürlich habe ich mich unheimlich gefreut und tue das immer noch. Als ich dann die ersten Schachteln in den dritten Stock hochgeschleppt, ausgepackt und ein bisschen eingeräumt hatte, kam die ernüchternde Wahrheit. Obwohl ich auf so kleinem Raum gewohnt habe, besitze ich unglaublich viele Dinge. Das beklemmende Gefühl der Überforderung überkam mich, das ich auch immer nach längeren Reisen verspürt habe. Für was um Himmels willen brauche ich so viel Zeug? So viele schwarze T-Shirts? So viele unterschiedliche Gewürze? So viele Taschen und Rucksäcke? Das klingt jetzt, als besässe ich unglaublich viele Dinge. Für mich fühlt sich das so an, obwohl meine ganzen Schuhe inklusive den sperrigen Rollschuhen sehr gut in zwei Umzugskartons gepasst haben, was für unsere Verhältnisse wahrscheinlich nicht unbedingt übertrieben ist. Neben der Abmachung mit einer Freundin, dass wir uns bis Ende Jahr keine Kleidung und nur die nötigsten materiellen Besitztümer anschaffen, bin ich gerade dabei, mein Hab und Gut noch mal zu minimieren. Schon öfters durfte ich die Erfahrung machen, dass dann auch wieder mehr Platz für Kreativität, Zeit mit Herzmenschen, neue Visionen und ganz viel Fokus entstehen kann. Zweieinhalb Monate sind seit unserem Konsumstopp schon vergangen und es fühlt sich echt befreiend an. Keine Sekunde daran zu verschwenden, was man vermeintlich noch brauchen könnte, durch die Läden zu schlendern oder sich von Aktionen verführen zu lassen, spart enorm viel Zeit und katapultiert einen vielmehr in den jetzigen Moment. Und der ist alles, was wir haben.

(as)

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