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Region|18.12.2020

2020 – Soll ich etwa dankbar sein?

Was für ein Jahr. Bald steht der Jahresrückblick an, aber alles, was einem da sofort in den Sinn schiesst, sind diverse Unwörter, die man eigentlich nur noch vergessen möchte.

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Was für ein Jahr. Bald steht der Jahresrückblick an, aber alles, was einem da sofort in den Sinn schiesst, sind diverse Unwörter, die man eigentlich nur noch vergessen möchte.

Das Jahr war lang und herausfordernd und ging doch vorbei wie im Flug. Was soll man da bitte schön in sein Dankbarkeitstagebuch schreiben? Wie soll man dankbar sein, wenn ein geliebter Mensch – und mit ihm Unmengen anderer – gerade mit einer schweren Krankheit kämpft, die durch das Virus zum russischen Roulette wird? Wie soll das gehen, wenn Existenzängste grüssen, weil es Absage um Absage hagelt? Nun, ich versuche es trotzdem und gerade deshalb. Du auch?

Beziehung und Familie

Gerade in Zeiten von Abstand halten fehlen einem die herzlichen Umarmungen, die Beziehung schaffen. Aber umso stärker kann das Familienband in den eigenen vier Wänden werden. Plötzlich schenkte der Lockdown Zeit mit den Allerliebsten, die durch den Alltagsstress zu kurz kam. Möglicherweise konntest du nur dadurch die ersten Schritte oder Worte deines Kindes miterleben, die du anderenfalls verpasst hättest, oder es entstand ein neues Familienritual. Vielleicht habt ihr beim gemeinsamen Kochen ein neues Lieblingsrezept entdeckt? Ich bin zutiefst dankbar für meinen wundervollen Lieblingsmenschen, der mich durch diese Zeit getragen und mich aufgefangen hat, wann immer ich nicht weiterwusste.

Neue und alte Kontakte

Ja, es galt, Kontakte auf die wichtigsten zu reduzieren. Bei virtuellen Begrüssungsküsschen zu bleiben, ist gerade für harmonieliebende Menschen nicht einfach. Bestimmt gab es dennoch Menschen, die immer an dich gedacht haben, dir Gutes getan und dich zum Lachen gebracht haben – auch aus der Entfernung. Womöglich hat dir das Jahr bewiesen, wer deine wahren Freunde sind, auf die du immer zählen kannst. Ruf sie an und sag Danke. 2020 schenkte mir neue Kontakte zu Menschen, die mir eine herzliche und flexible Stütze waren, als ich es am meisten brauchte. Das Vertrauen innerhalb meiner Freundschaften ist gewachsen – auch wenn das meiste über Sprachnachrichten laufen musste.

Zeit fürs Haustier

Auch Tiere brauchen Gesellschaft und Nähe. Oft ist das Tierchen den ganzen Tag allein zu Haus und langweilt sich. Vielleicht konntest du während des Lockdowns die Bindung zu deinem haarigen besten Freund stärken? Vielleicht hat dein gefiederter Schatz ein paar Worte gelernt? (Solang es nicht «Corona» ist …) Unser Kater genoss das tägliche Morgenkuscheln in vollen Zügen. Seither fordert er es Tag für Tag ein und sieht mich mit empörten hellblauen Augen an, wenn er es nicht bekommt. Da aber noch so viel Zuneigung meinerseits niemals den Kontakt zu einer anderen Katze ersetzt, bekam er im Sommer flauschige Gesellschaft von einem kleinen weissen Birmamädchen. Er blühte auf. Die zwei könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch sind sie unzertrennlich. Schnurr. Herzerwärmend.

Beruf

Beruflich war 2020 in vielerlei Hinsicht herausfordernd. Homeoffice, Schliessungen, Veranstaltungsverbote. Existenziell. Wäre doch dennoch möglich, dass sich für dich einige Türchen öffneten, die unter „normalen“ Umständen verschlossen geblieben wären? Trotz des Veranstaltungsverbots fügten sich für mich durch und trotz Coronatiming einige Dinge genau, wie sie es sollten. Ich durfte bereichernde Gruppendynamiken erleben, in denen man sich gegenseitig motivierte und stärkte und man nicht das Gefühl haben musste, irgendetwas beweisen zu müssen.

Neue Hobbys

Auch Hobbys kommen im Hamsterrad des Alltags immer wieder zu kurz. Vielleicht hast du Klavierspielen gelernt? Eventuell kam der Dichter in dir zum Vorschein, den du sonst nie kennengelernt hättest? Möglicherweise hast du deine Leidenschaft fürs Zeichnen entdeckt, oder du hast das Zeug zum/-r Kuchenbäcker/-in? Mein liebstes Accessoire ist meine kleine Ukulele geworden, die im März zu mir fand und mir nun jeden Tag Freude bereitet und mich wieder einmal lehrt, an etwas wirklich dranzubleiben. Schon lange war ich nicht mehr so motiviert. Weil ich es nur für mich tue.

Ich-Zeit

Zeit für sich stärkt Körper und Geist. Es kurbelt das Immunsystem an, schenkt Entspannung und lädt die Batterien wieder auf. Wann hattest du zuletzt die Gelegenheit, dich so richtig zu verwöhnen? Ein Buch zu lesen, zu meditieren, ein duftend heisses Bad zu nehmen, dich in Achtsamkeit zu üben? Ich durfte durch unzählige Spaziergänge die Nähe zur Natur noch viel intensiver wahrnehmen und entdecken, wie viel sie uns eigentlich gibt. Durch die Entschleunigung habe ich mich und meine Einstellungen und Denkweisen reflektiert, zu mir gefunden, und mir wurde klar, was ich für die Zukunft wirklich will und was nicht. Ja, 2020, ich bin dir für vieles dankbar. Nun wünschen wir uns ein phänomenales, liebevolles, bereicherndes und vor allem gesundes 2021.

(ml)

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