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Mario Beck und Livia Amstutz unterwegs in Mosambik. (Fotos: ZVG)
Lifestyle
Region|18.12.2020

Mit dem Fahrrad quer über die Landkarte

Anstatt in den Flieger zu sitzen und ins Wunschland zu reisen, haben sich Livia Amstutz und Mario Beck nach ersten Reisen dazu entschieden, mit dem Fahrrad kreuz und quer durch die Welt zu reisen.

Mario Beck und Livia Amstutz unterwegs in Mosambik. (Fotos: ZVG)

Anstatt in den Flieger zu sitzen und ins Wunschland zu reisen, haben sich Livia Amstutz und Mario Beck nach ersten Reisen dazu entschieden, mit dem Fahrrad kreuz und quer durch die Welt zu reisen.

Vor zehn Jahren verreisten die beiden zum ersten Mal gemeinsam. Doch dass der Flieger für sie nicht die optimale Variante ist, merkten sie schnell, wie Mario Beck erzählt: «Die Art und Weise, also mit dem Flieger irgendwohin zu fliegen und dann mit dem Auto in der Gegend herumfahren, wollten wir ändern. Wir wollten mehr. Mehr erleben, mehr Nähe und mehr Abenteuer. Irgendwann kam Livia mit der Idee, mit den Fahrrädern zu verreisen. » Viel Überzeugungskraft, in Zukunft so zu reisen, brauchte Sie bei ihrem Mann nicht: «Wir waren bis dahin keine grossen Fahrradfreaks. Ich nutzte das Fahrrad für Alltagsfahren. Mario fuhr eigentlich nie. Das ist auch heute nicht anders.» Los geht es für die beiden immer von zu Hause aus. Es sei schön, wenn man sich dem Unbekannten langsam nähern könne und auch genügend Zeit für das akklimatisieren bleibt. Fliegen vermeiden die beiden so gut wir möglich. Auch auf der aktuellsten Reise, die 2021 weitergehen soll, haben sich die beiden zum Ziel gesetzt, wenn möglich nicht zu fliegen.

Begeg­nungen in Simbabwe mit wilden Tieren.

Der Profi kommt automatisch

Um mit dem Fahrrad auf Reisen zu gehen, müsse man weder Reisenoch Radprofi sein. Dieses Wissen könne man sich ganz einfach aneignen. Aber, je mehr man sich informiert, umso mehr ist man dazu bereit, in die Pedale zu treten. «Ein gutes, passendes Fahrrad ist natürlich wichtig. Ich habe viel Zeit investiert, um unsere Fahrräder auszusuchen», erzählt Mario Beck. In den Vorbereitungen haben die beiden nicht nur viel über das Fahrrad selbst gelernt, sondern auch über das Reisen mit dem «Drahtesel». Neben einem Besuch einer Reisemesse hätten sich die beiden auch online informiert. «Wer das Fahrrad gut kennt, kann auch vieles selber reparieren. Das ist sehr wichtig. Zudem gehören ein Zelt, Matten, Kocher, Schlafsäcke und noch einiges mehr zur Standardausrüstung. Wir wollen immer möglichst wenig und leichtes Gepäck haben. Wenn es bergauf geht, ist man um jedes Kilo weniger froh», sagt Mario Beck. Doch damit sei die Ausrüstung nicht komplett: Sobald es über Landesgrenzen geht, müssen auch gewisse Dokumente mit dabei sein. Manche davon muss das Paar schon zu Hause organisieren, sagt Livia Amstutz: «Es gibt organisatorische Dinge, die vor der Abreise erledigt werden müssen. Die Einreisebestimmungen – allenfalls Visa – besorgen, wichtige Reisedokumente zusammenstellen, Versicherungen abschliessen oder künden. Während unserer Abwesenheit soll so wenig Post wie möglich im Briefkasten landen. Und man braucht einen lieben Menschen zu Hause, der sich darum kümmert.» Bis die Reise losgeht, müsse man aber nicht trainieren oder Sport treiben. Die Ausdauer komme von selbst. Bis man richtig fit ist, solle man die Tageskilometer und Routen je nach Bedürfnis anpassen.

Wege, Landschaften und Menschen kennenlernen

Jede Reise habe seinen Reiz. Natürlich ergebe sich im Flieger die Möglichkeit, den Sitznachbarn kennenzulernen. Vergleichbar mit Einwohnern einer betreffenden Destination sei das nicht. Genau das aber auch vieles mehr sei der Reiz für das Ehepaar Beck, mit dem Fahrrad zu reisen. «Ich finde es speziell, dass wir als Fahrradreisende auf das Wohlwollen völlig fremder Menschen angewiesen sind. Sei es beispielsweise bei der Schlafplatzsuche oder wenn wir Wasser nachfüllen wollen», erzählt Livia Amstutz. Unbekannte um Hilfe zu bitten, brauche manchmal Überwindung, generiere aber oft auch schöne Begegnungen und wecke Vertrauen in das Gute im Menschen. Zudem sei das Gefühl von Freiheit auf Reisen einmalig. Anhalten und Fahren wie man will. Staunen und stoppen, wann man gerade Lust dazu habe. «Die Reisegeschwindigkeit mit dem Fahrrad ist ideal. Wir sind langsam genug, um vieles wahrzunehmen und trotzdem schnell genug, um Strecken zurückzulegen. Zudem reizt es mich, 24 Stunden am Tag draussen zu sein. Aus eigener Kraft vorwärtszukommen und allem direkt ausgesetzt zu sein – dem Guten wie dem Schlechten – macht für mich den Reiz aus», erzählt Mario Beck. Bevor es losgeht, sollte sich jeder Gedanken zu Versorgungsmöglichkeiten, Wasserquellen, Beschaffenheit der Wege und Strassen oder auch zur Sicherheitslage im betreffenden Land machen. Wer diese Fragen klärt, könne fast überall mit dem Fahrrad hin. Zudem seien auch Klima und Jahreszeit wichtige Faktoren, die zu berücksichtigen seien. «Wir würden beispielsweise nicht mehr im Juli durch die Sahara radeln. Das war schon sehr heiss», erinnert sich Mario Beck.

In sogenan­nten Shelten kann man in ganz Skandinavien übernachten.

Erlebnisse und Begegnungen in 21 Ländern

Die beiden Fahrradbegeisterten waren bereits in 21 Ländern in Europa und Afrika. Neben Liechtenstein und dessen Nachbarländer seien die beiden auch in Deutschland, Tschechien, Polen, Schweden, Dänemark, Italien, Frankreich, Monaco, Spanien, Marokko, Mauretanien, Senegal, Mosambik, Malawi, Sambia, Simbabwe, Botswana, Namibia und Südafrika unterwegs gewesen. Dabei erlebten sie so einiges, wie sich Mario Beck erinnert: «Es sind Erlebnisse, wie überraschende Begegnungen mit Rentieren im Wald oder Elefanten, die plötzlich neben einem im Busch auftauchen.» Zudem hätten die beiden einen gehörigen Adrenalinkick erlebt, als sie an einem Löwenrudel vorbeiradeln mussten. «Die Nordlichter zu sehen, war für mich ein langersehnter Wunsch, der in Erfüllung ging», erzählt Mario Beck. Auch Livia Amstutz erinnert sich gerne zurück: «Als wir in Marokko waren, haben wir unser Zelt bei Mohammed inmitten der marokkanischen Sahara aufgeschlagen. Wir waren im Nirgendwo. Mohammed war weit weg von seiner Familie, denn er war dort stationiert, um mit seinem Radlader den Sand von den Strassen zu räumen. Mit Händen und Füssen verständigten wir uns, tranken Tee und teilten unser Abendessen.»

Nach so vielen Ländern hat sich der eine oder andere Ort mehr in die Erinnerungen eingebrannt als der andere. «Schwedisch Lappland war wegen der Ruhe und der Einsamkeit mein Favorit. Aber auch den Senegal fand ich toll. Dies, wegen der Lebendigkeit, den Farben und der Musik. Das war das pure Gegenteil von Lappland», erinnert sich Mario Beck. Auch Livia Amstutz erinnert sich gerne an diese zwei Länder zurück, dennoch sei sie bis heute von er Sahara in Marokko beeindruckt.

Schwedisch Lappland hat es den beiden besonders angetan.

Der Alltag mit dem Fahrrad

Unterwegs sind die beiden im Schnitt pro Fahrtag 70 Kilometer, was gut vier Stunden entspreche. Das möge nicht nach wahnsinnig viel klingen, aber der restliche Tag fülle sich schnell mit alltäglichen Sachen wie Zelt abbrechen, Velos bepacken, Route planen, Einkaufen, Material warten oder nach neuen Schlafplätzen suchen. Zudem legten sie immer wieder Stopps ein, um Fotos und Filme zu machen. Die beiden wollen nämlich nicht nur das Land durchqueren, sondern dieses auch sehen und erleben. «Dann sind da oft auch noch unvorhergesehene Dinge wie ein platter Reifen oder gesperrte Brücken. Die Tage vergehen wie im Flug. Langweilig wird einem nie», erzählt Mario Beck. Immer mit dabei sei das Zelt. Darin schlafen die beiden fast jede Nacht, erzählt Livia Amstutz: «Es ist unser Zuhause und eine der wenigen Konstanten, die wir auf einer Radreise haben. Wo wir es jeweils aufstellen, ist ganz unterschiedlich: beispielsweise auf Campingplätzen, wenn wir mal wieder eine Dusche brauchen. Ansonsten suchen wir uns gerne einen Platz zum Wildcampen.» Auch in Dörfern oder bei Wohnhäusern durften sie schon ihr Zelt aufschlagen. Dies klappte bisher immer gut, wie die beiden erzählen – gleich, ob in der Schweiz oder irgendwo im afrikanischen Busch. «In Dänemark und Schweden haben wir auch in Sheltern übernachtet. Das sind Schutzhütten mit drei Wänden, die im Wald und an Wanderwegen zur freien Verfügung stehen. Diese gibt es in ganz Skandinavien», erzählt Mario Beck. Zwischendurch nehmen sich die beiden auch mal ein Zimmer in einem Hotel oder Backpacker. Selten nutzen sie auch Plattformen wie «Airbnb» oder «Warmshowers».

In die Zukunft mit dem Fahrrad

«Sofern es Corona zulässt, steht als nächstes Osteuropa auf dem Plan. Speziell die Balkanländer interessieren uns wegen ihrer Geschichte. Aber auch, weil es trotz der Nähe wohl ein ganz anderes Europa ist», sagt Livia Amstutz. Weiter soll es dann noch nach Georgien ins Kaukasusgebirge gehen und weiter nach Zentralasien. Auch Städte wie Taschkent und Smarakand reizen die beiden. Ausserdem möchten sie das Alai- und Pamirgebrige erkunden. Auch Island und Südamerika stehe auf der Wunschliste, und Afrika hätten die beiden auch noch nicht fertig erkundet. Pläne haben die beiden zu Genüge.

(um)

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