Volksblatt Werbung
(Foto: SSI)
Multimedia
Region|22.11.2019

Klimawandel: Ist Streamingscham der neue Flugscham?

Zug statt Flug und weniger Plastik, viele sind bemüht den eigenen CO2 Fussabdruck zu reduzieren. Weniger auf dem Radar ist, dass unsere digitale Nutzung in Sachen CO2, die Luftfahrtindustrie mittlerweile überholt hat.

(Foto: SSI)

Zug statt Flug und weniger Plastik, viele sind bemüht den eigenen CO2 Fussabdruck zu reduzieren. Weniger auf dem Radar ist, dass unsere digitale Nutzung in Sachen CO2, die Luftfahrtindustrie mittlerweile überholt hat.

Unser Alltag ist dominiert von digitalen Inhalten, egal ob Whats­App, E-Mails, Fotos oder am Abend gemütlich auf dem Fernseher mit Netflix und Co. Diese täglichen Begleiter benötigen vor allem eines und das ist Strom. Bei der Stromerzeugung wird immer noch überwiegend auf fossile Brennstoffe gesetzt und dadurch CO2 erzeugt. Das geht so weit, dass die Nutzung von digitalen Technologien sogar die Luftfahrtindustrie in Sachen CO2 überholt hat. Während man beim Anteil der globalen CO2-Emissionen von circa 2,5 Prozent ausgeht, gehen circa 4 Prozent auf das Konto des weltweiten Datentransfers sowie der Infrastruktur geschuldet. Diese Zahlen gehen aus einer Studie des französischen ThinkTanks «The Shift Project» hervor. Die Non-Profit – Organisation erforscht Wege zu einer Wirtschaft, die mit erneuerbarer Energie funktioniert. Gemäss der Studie soll eine halbe Stunde Netflix demnach so schlecht sein, wie eine sechs Kilometer lange Autofahrt. Auf die Produktion von digitalem Content entfallen dabei 45 Prozent, auf die Verbraucher 55 Prozent. Den grössten Anteil verbucht bei Letzteren das Videostreaming – 80 Prozent des globalen Datenverkehrs. 60 Prozent gehen auf das Konto von Netflix und Co., ein Viertel davon sind Pornos. Über 300 Megatonnen CO2 generierte das Schauen von Online-Video im Jahr 2018 – so viel wie ganz ­Spanien.

Analog ist Grüner

Besser sei es der Studie demnach auf jeden Fall, eine Sendung über das analoge Fernsehen anzusehen, statt im Livestream oder in der Mediathek, sagt Efoui-Hess als Umwelt-Ingenieur, der die Studie massgeblich erfasst hat. Zwar verbrauche auch die Analogausstrahlung Strom, doch hier würden die Daten nur national übertragen, statt, wie oft bei Internet-Videos der Fall, durch die halbe Welt. Die wirklich grossen Probleme bleiben grosse Konzerne wie Google, Amazon, Microsoft die zwar gerne auf ihr grünes Engagement verweisen und ihren Strom aus erneuerbarer Energie beziehen. Aber auch sie arbeiten gleichzeitig den fossilen Industrien zu. Die Non-Profit-Organisation empfiehlt als Fazit die digitale Enthaltsamkeit. Der Trend bewegt sich aber in eine andere Richtung, laut einer Hochrechnung des IT-Riesen Cisco werden im Jahr 2022 schon 60 Prozent der Weltbevölkerung das Internet nutzen. Und der weltweite Datentransfer wächst: um mehr als 25 Prozent pro Jahr, prognostiziert Cisco. Daher müsse man sich laut Efoui-Hess dringend Gedanken über die Zukunft der Internetnutzung machen. «Wir haben nur begrenzte Energie-Ressourcen. Selbst wenn wir jetzt auf erneuerbare Energien umstellen, können wir nicht davon ausgehen, dass die sich in den kommenden zehn Jahren überall durchgesetzt haben», gibt der Umwelt-Ingenieur zu bedenken. Das Internet funktioniere ja durch weltweite Vernetzung. Für einen «rein grünen» Datentransfer müsste jeder Staat dieser Erde nur noch erneuerbare Energien einsetzen. Das sei aber nicht ­absehbar. «Deswegen darf der weltweite Datentransfer nicht so rasant weiterwachsen wie bisher.»

(red)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Multimedia
Region|08.11.2019
Schluss mit Sex-Emojis
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2017, Alle Rechte vorbehalten.
Volksblatt Werbung