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Im Dschungel kann man nebst dem Tiger auch auf Elefantenfamilien stossen. Der kleine Elefant versteckt sich zwischen Mutter und Tante, doch der Tiger ist an anderem interessiert. (Fotos: Luc Lippuner)
Unterwegs
Region|20.12.2019 (Aktualisiert am 07.01.20 16:48)

Wie nachhaltiger Tourismus den Tiger vor dem Aussterben bewahren kann

Der Tiger ist die grösste Raubkatze der Erde und ein Symbol für Kraft, Mut und Schönheit. In seinem ganzen Verbreitungsgebiet wird er von indigenen Völkern als Gottheit verehrt – und selbst die moderne Zivilisation kann sich seiner Faszination nicht entziehen.

Im Dschungel kann man nebst dem Tiger auch auf Elefantenfamilien stossen. Der kleine Elefant versteckt sich zwischen Mutter und Tante, doch der Tiger ist an anderem interessiert. (Fotos: Luc Lippuner)

Der Tiger ist die grösste Raubkatze der Erde und ein Symbol für Kraft, Mut und Schönheit. In seinem ganzen Verbreitungsgebiet wird er von indigenen Völkern als Gottheit verehrt – und selbst die moderne Zivilisation kann sich seiner Faszination nicht entziehen.

So wurde er kurzerhand zum Markenzeichen und Namensgeber zahlreicher Produkte und Sportclubs. Doch hinter den schillernden Kulissen dieser medialen Omnipräsenz ging eines komplett unter: in der Wildnis könnte der Tiger schon bald für immer verschwinden. Noch gibt es allerdings ein Fünkchen Hoffnung – dank rigorosem Schutz und Öko-Tourismus in Indien.

Die Land­schaft des Ramganga-Flus­ses im Corbett-Nationalpark.

Hat der Tiger in der Wildnis eine Überlebenschance?

Wie konnte es so weit kommen, dass eines der symbolträchtigsten, schönsten und beliebtesten Tiere unseres Planeten kurz vor der Ausrottung steht? Die Antwort auf diese Frage ist vielschichtig: koloniale Grosswildjäger hatten bereits ab der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Bestände von Kleinasien über Indien und China bis hin nach Sibirien im Norden und Indonesien im Süden massiv dezimiert – rücksichtsloses Abholzen der Wälder, explosionsartiges Bevölkerungswachstum und skrupellose Wilderei haben den meisten Populationen in den letzten Jahrzehnten den Todesstoss versetzt.

Von den geschätzten 100 000 Tigern, die 1900 noch durch die Wälder Asiens streiften, existieren heute noch deren 3900 – das ist weniger als 5 %. Tigerknochen, -penisse und weitere Körperteile werden in der chinesischen Medizin als Wundermittel für alle möglichen Gebrechen gehandelt – und der Schwarzmarkt boomt. Ein toter Tiger bringt den Wilderern ein Vielfaches eines üblichen Jahreslohns ein, sodass diese immer höhere Risiken eingehen und bis in die letzten Winkel der unzugänglichsten Wälder vordringen. Gerade eben musste sich Laos eingestehen, dass es seine letzten wilden Tiger an die Wilderei verloren hat.

Damit folgt Laos den Nachbarländern Kambodscha und Vietnam in den zweifelhaften Kreis der Tigerstaaten ohne Tiger. Auch Malaysia, Sumatra, Myanmar und Thailand haben nur noch eine Handvoll Tiger vorzuweisen und werden die Ausrottung ihrer Populationen nur noch mithilfe enormer Aufstockung der Schutzmassnahmen verhindern können. Einziger Lichtblick ist der indische Subkontinent und zu einem gewissen Grad Russland (500), wo sich der Bestand des Bengal- respektive Sibirischen Tigers langsam erholt. In der Tat leben von den geschätzten 3900 noch freilebenden Tigern mehr als zwei Drittel in Indien.

Hier hat man die Chance, dem König des Dschungels zu begegnen.

Tiger-Safaris in Indien als Chance für den Tiger

Und gerade hier liegt die grösste Hoffnung für das langfristige Überleben des Tigers: Indien hat das Management seiner Nationalparks derart perfektioniert, dass sich die Bestände vielerorts erholen konnten und die Raubkatzen häufig gesichtet werden. Die Aussicht, einen wilden Tiger zu beobachten, lockt mittlerweile Tierliebhaber aus aller Welt in Indiens atemberaubende Nationalparks. Das führt zu steigenden Einnahmen aus dem Tourismus und das wiederum kommt dem Schutz des Tigers und seines Habitats zugute. Safaris in Afrika sind Mainstream geworden – doch wer kann von sich behaupten, schon einmal einem wilden Tiger, der grössten und wohl schönsten Raubkatze der Erde, in die Augen geblickt zu haben? Die vergleichsweise offene Landschaft und dichten Tiger-Bestände in den Nationalparks Zentralindiens machen die Erfüllung dieses Traums möglich. Und vielleicht ist es gerade der Tiger-Tourismus, der den König des Dschungels am Ende vor dem Aussterben bewahrt. Ein regulierter und nachhaltiger Tourismus bringt Geld und Beschäftigung in strukturschwache Randgebiete. Ein essenzieller Faktor im Bemühen, die lokale Bevölkerung für den Artenschutz zu gewinnen und potenziell gefährliche Tiere in der Nachbarschaft zu dulden.

Die Herausforderungen ­bleiben riesig

Viele der rund 50 Tigerreservate Indiens sind heute von Agrarflächen und Dörfern umzingelte Wald-Inseln. Die wachsenden Tiger-Bestände werden nun zur Herausforderung, da überzählige Tiere auf der Suche nach neuen Territorien unausweichlich auf den Menschen treffen. Solche Begegnungen enden oft tragisch für Mensch oder Tier – meist allerdings für den Tiger, der in den baumlosen Agrarflächen keine Wildtiere mehr findet und auf Nutztiere umsteigt. Und obwohl Bauern, die Kühe und andere Nutztiere an Tiger und Leoparden verlieren, von der Forstbehörde eine Entschädigung erhalten, wird das Raubtier aus Rache oft vergiftet, überfahren oder von einem aufgebrachten Mob zu Tode geprügelt.

Indien bemüht sich, diese Insel-Reservate durch Aufforstung und Umsiedlung von Dörfern mit Waldkorridoren zu verbinden, damit Tiger und andere Wildtiere ungestört in andere Territorien wechseln können. Eine Mammutaufgabe in einem Land mit mehr als einer Milliarde Einwohner, von denen die meisten noch immer mit Brennholz kochen und ohne Toilette auskommen müssen. Trotzdem ist Indien die grösste Hoffnung für das Überleben der gestreiften Grosskatze. Und nur hier gibt es heute noch eine realistische Chance, ihr in der Wildnis zu begegnen – gut möglich, dass wir die letzte Generation sind, der diese Chance offensteht.

Stelldichein mit dem Tiger unterstützt seinen Schutz

Wenn Sie sich also fragen, wann und wo Sie Ihre nächste Naturreise verbringen, dann begeben Sie sich auf eine Tiger-Safari in eines oder mehrere der rund 50 Tiger-Reservate ud erleben Sie ein ganz anderes Indien als jenes, das man sich gemeinhin vorstellt – ein Land der landschaftlichen Schönheit, frischen Luft und Ruhe, die nur von den Stimmen des Dschungels unterbrochen wird. Besonders gute Sichtungen ergeben sich in den zentralindischen Nationalparks Tadoba, Pench, Bandhavgarh und Kanha oder dem malerischen Corbett an den grünen Südhängen des Himalayas. Während der Hochsaison von Februar bis Mai stehen die Chancen sehr gut, dem majestätischen Königstiger in die Augen zu schauen – eine elektrisierende Erfahrung, die nur schwer in Worte zu fassen ist und sich für immer in der Erinnerung eingraviert. Mit einer Reise ins wilde Indien unterstützen Sie die Bemühungen der Naturschutzorganisationen und der Regierung, den langfristigen Schutz des Tigers und seines Habitats zu sichern. Ein nachhaltiger Tourismus ist für die betroffenen Randregionen oft die einzige Einkommensquelle. In den bezaubernd schönen Oasen des wilden Indiens wartet nicht nur der Bengalische Königstiger auf Sie, sondern auch all die anderen Geschöpfe des Dschungelbuchs: Balu, der tollpatschige, aber liebenswürdige Lippenbär, Hathi der freundlich kumpelhafte Elefant und Bagheera der schlaue Leopard. Auch asiatische Löwen, Schneeleoparden, Panzernashörner und viele weitere Tiere sind auf dem Subkontinent beheimatet und können gut beobachtet werden. Indiens unglaubliches Naturerbe braucht den Vergleich mit Afrika nicht zu scheuen.

Luc Lippuner, Tiger-Experte und Inhaber von «Big Cats of India»:

«Das Gefühl, einem Tiger in der Wildnis zu begegnen ist schlicht atemberaubend – niemand kann sich der Faszination und der magischen Energie, die seine Präsenz ausstrahlen, entziehen. Als ich meinen ersten wilden Tiger sah, war ich wie elektrisiert: ich fühlte mich lebendig wie niemals zuvor, hatte Gänsehaut am ganzen Körper und konnte aus lauter Aufregung die Kamera nicht stillhalten, sodass ich lauter unscharfe Fotos schoss. Seither möchte ich diesen Moment wieder und wieder erleben. Ich kann vom Tiger nicht genug bekommen.» Luc Lippuner ist Tiger-Experte und Gründer von Big Cats of India – der Schweizer Spezialist für nachhaltige Tiger-Safaris und andere Big Cat Touren in Indien und Nepal. Big Cats of India kennt alle Nationalparks und Schutzgebiete des Subkontinents und bietet neben Standard- und Gruppenreisen auch individuell zusammengestellte Rundreisen an. 5 % des Reisepreises spendet Big Cats of India einer wohltätigen Organisation vor Ort. 

(ll)

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