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Veronica Blasi und ihr Freund haben mit ihrem VW-Bus schon einige Kilometer zurückgelegt. Dass auch mal das eine oder andere Teil kaputtgeht, sei normal. (Fotos: ZVG)
Unterwegs
Region|25.09.2020 (Aktualisiert am 29.09.20 17:17)

Der VW-Bus ist schuld am Reisefieber

SCHAAN - Vor elf Jahren kauften sich Veronica Blasi und ihr Freund einen VW-Bus Lt und reisten nach Kroatien. Dieser war zu gross, also kauften sie einen VW T2a. Mit diesem ging es nach England. Doch er war zu klein. Alle guten Dinge sind drei und es wurde nochmals ein anderer. Der VW T3 Syncro. Somit waren sie gerüstet für die grosse weite Welt.

Veronica Blasi und ihr Freund haben mit ihrem VW-Bus schon einige Kilometer zurückgelegt. Dass auch mal das eine oder andere Teil kaputtgeht, sei normal. (Fotos: ZVG)

SCHAAN - Vor elf Jahren kauften sich Veronica Blasi und ihr Freund einen VW-Bus Lt und reisten nach Kroatien. Dieser war zu gross, also kauften sie einen VW T2a. Mit diesem ging es nach England. Doch er war zu klein. Alle guten Dinge sind drei und es wurde nochmals ein anderer. Der VW T3 Syncro. Somit waren sie gerüstet für die grosse weite Welt.

Nach einem Roadtrip durch Korsika wussten sie, dass es dieser VW-Bus sein soll. Sie starteten die Planung für eine längere Reise mit dem neuen fahrbaren Untersatz. «Wir verschifften unseren VW-Bus nach Südamerika. Dort bereisten wir Uruguay, Argentinien, Chile, Bolivien und einen klitzekleinen Teil von Brasilien. Wir legten 30 000 Kilometer in 14 Monaten zurück. Es war ein Traum! erzählt Blasi.

Weit und breit kein Mensch oder Lärm in Sicht.

Die Qual der Wahl

Die Pläne der beiden Reiseliebhaber waren zu Beginn andere: Sie wollten die Seidenstrasse abfahren. Dies ist eine alte Karawanenstrasse mit der Hauptroute durch den Mittelmeerraum, der Zentralasien mit Ostasien verbindet. «Da wir von Unruhen in diesen Gebieten hörten haben, wir uns dann für Südamerika entschieden. Doch egal wohin es gehen sollte: Hauptsache, sie konnten reisen, sagt Blasi: «Man ist frei, erlebt jeden Tag etwas Neues, lernt andere Kulturen, Menschen und Landschaften kennen, die wir so in Europa nicht haben.» Dabei sahen sie nicht nur vieles, sondern erlebten auch einiges. Vor allem die Gastfreundschaft sei in den südamerikanischen Ländern eine andere als hier. «Die Leute, die fast nichts hatten, haben trotzdem mit uns geteilt», erzählt Blasi. Doch nicht nur das: Es blieben viele Eindrücke. «Wir sahen Wale, Kaimane, Papageien, Wasserschweine und noch einiges mehr in freier Wildbahn.» Auf fast 5000 Metern über dem Meer waren sie unterwegs – über die Andenpässe von Chile nach Argentinien und umgekehrt. «Dort oben war die Luft dünn. Wo in Europa wäre es möglich, mit dem eigenen Fahrzeug auf dieser Höhe zu fahren?», fragt sich Blasi. Eine Reise kann sich in ein spannendes Abenteuer verwandeln, wenn das Unerwartete kommt. So ging es auch durch den riesigen Salzsee «Salar de Uyuni», wie Blasi erzählt: «Das war eine Herausforderung, da es keine Strassen gab und alles weiss war. Wir waren uns nicht sicher, ob wir wirklich geradeaus fahren. Dank dem GPS schafften wir es aber doch noch.» Ein weiteres Highlight waren die Vulkane, erzählt Blasi: «Wenn man auf einem Vulkan übernachtet, aus dessen Kegel feiner Rauch aufsteigt, färbt sich der Nachthimmel orange. Das ist sehr eindrücklich. » Bei so vielen Orten, Ländern und Erlebnissen, falle die Entscheidung schwer, einen Favoriten herauszupicken. Jedes Land habe seine Besonderheiten:«Uruguay, das Land der Seen und Flüsse. Argentinien, das Land der endlosen Weiten. Chile, das Land der Regenwälder und Wüsten. Bolivien, das Land der «Hinterländer » und dem Salzsee. Wie auch Brasilien, das Land mit der vielfältigen Tierwelt», schwärmt Blasi.

«Salar Uyuni».

Geschichten wie aus Hollywood

Dass der eine oder andere Weg auch mal über einen Bach oder Fluss führt, sei nichts Neues. So kamen die beiden an eine Verzweigung mit drei Strassen. Das Navi lotste Blasi und ihren Freund den Weg entlang, der über einen Fluss führte. «Voller Tatendrang fuhren wir auf die erste Sandbank. Dort sahen wir, dass auf der anderen Seite Reifenspuren sind. Doch hinüber kamen wir nicht, da der Fluss einen tiefen Graben hinterlassen hatte», erzählt Blasi. Nach einer längeren Suche fanden sie eine Überfahrt und es ging weiter. Doch das Glück schien nur von kurzer Dauer zu sein, erzählt Blasi: «Anfangs kamen wir gut voran. Doch dann spürten wir, dass unser Bus zu kämpfen hatte. Es wurde immer sandiger und feuchter.» Auch mit weniger Luft in den Reifen nützte es nichts und irgendwann sank der Bus ein, da die Oberfläche trocken war und das Wasser unterirdisch floss. «Durch das Gewicht brachen wir auf einer Seite ein und landeten im Wasser – dann ging es weder vorwärts noch rückwärts», erzählt Blasi. Somit hiess es: Aussteigen und anfangen zu buddeln. «Es war 13 Uhr, die Sonne brannte herunter und wir waren auf 4000 Metern über dem Meer. Normales Ausbuddeln ist schon anstrengend, aber bei diesen Bedingungen war es noch viel anspruchsvoller», sagt Blasi. Drei Stunden später waren die beiden gerade einmal zwei Meter weit gekommen und standen noch mehr im Wasser. «Irgendwann packten wir unsere Rucksäcke und marschierten los, um Hilfe zu holen. Dann kam uns aber ein Pickup mit einer ganzen Familie, Hund und Katze entgegen. Die Besitzer fragten uns, was wir vorhaben», erzählt Blasi. Als der Familie die missliche Lage bekannt war, versuchten sie mit dem Pickup den VW-Bus herauszuziehen – allerdings ohne Erfolg. Es musste eine andere Lösung her: «Der Familienvater rief einen Lkw-Chauffeur an und fragte ihn, ob er helfen könnte. Nach längerer Zeit hörten wir endlich, dass sich ein Lkw nähert, der unseren VW-Bus endlich aus dem Wasser ziehen kann. Und endlich war es dann so weit: Mit viel Anlauf und Vollgas wurde unser VW-Bus aus dem Wasser gezogen.»

Ein Blick auf «Salar Uyuni», den eindrück­lichen Salzsee in Bolivien.

Das Bauchgefühl Veronica Blasi und ihr Freund sahen schon einiges in der weiten Welt und haben auch ein paar Tipps für zukünftige Reisende: «Nehmt euch genügend Zeit für die Planung, plant aber nur das Nötigste und lasst euch treiben. Hört auf die Einheimischen, sie haben meist Geheimtipps. Achtet aber auch auf euer Bauchgefühl. Wenn euch irgendwo nicht wohl ist, fahrt weiter.»

(um)

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