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Joëlle Roner und Noah Sprecher haben aus einem Lieferwagen einen Camper gezaubert. Damit wollen sie nicht nur die Schweiz, sondern auch Europa und die Welt entdecken. (Fotos: MIchael Zanghellini)
Unterwegs
Region|18.06.2021

Mit dem umgebauten Camper Natur und Landschaft neu entdecken

Das Geschäft mit den Campern boomt. Alle wollen einen haben, gleich ob fixfertig oder im umbaufähigen Zustand. Laut «AutoScout24 » haben seit 2018 die Suchanfragen nach Campern um 40 Prozent zugenommen.

Joëlle Roner und Noah Sprecher haben aus einem Lieferwagen einen Camper gezaubert. Damit wollen sie nicht nur die Schweiz, sondern auch Europa und die Welt entdecken. (Fotos: MIchael Zanghellini)

Das Geschäft mit den Campern boomt. Alle wollen einen haben, gleich ob fixfertig oder im umbaufähigen Zustand. Laut «AutoScout24 » haben seit 2018 die Suchanfragen nach Campern um 40 Prozent zugenommen.

Schweizer reisen also gern mit dem Zuhause auf vier Rädern. Dazu gehören auch der Buchser Noah Sprecher und seine Freundin Joëlle Roner. Sie haben ihr Schmuckstück innerhalb von sieben Monaten umgebaut. Mit einem einfachen Camper waren die beiden bereits unterwegs. Dabei entdeckte Sprecher erstmals die Leidenschaft für diese Art von Ferien. «Mein Vater hat einen VW T5. Hinten hat er ein Bett eingebaut. Mit diesem waren wir hin und wieder unterwegs», erzählt Sprecher. Immer häufiger sah er auch auf Social Media Fotos und Videos von Leuten, die einen Lieferwagen zu einem Camper umbauten. Zudem habe auch sein Nachbar einen, was ihn immer mehr ermutigte, selbst einen zu kaufen und zu bauen. «Als ich in der Rekrutenschule war, hatte ich viel Zeit, mich mit dem Thema Camper auseinanderzusetzen. Ich fand es eine coole Idee, seine eigene Wohnung auf Rädern zu haben. So kann man hinfahren, wo man will», sagt der Buchser.

Luxus ist beim Campen Nebensache, dennoch haben sie für flies­send Wasser und Strom gesorgt. Auch ein Gasherd ist mit an Bord.

Gesucht, gefunden und selbst umgebaut

Das ein geeignetes Auto nicht leicht zu finden ist, hat Sprecher schnell gemerkt. Er war nämlich nicht der Einzige mit dieser Idee. «Es gab schon einige Lieferwagen, doch sie überzeugten mich noch nicht ganz», erklärt er. Dank seines Grossvaters fand er aber bald den richtigen Lieferwagen: «Er hat einen Bekannten in Oberriet. Dieser hatte den perfekten Lieferwagen – sogar mit einem Seitenfenster, was mir auch wichtig war.» Bezahlt hat Sprecher dafür 15 000 Franken. Für den kompletten Umbau setzte er eine Obergrenze von 10 000 Franken. Zudem erstellte er eine Liste, was in den Camper rein muss. Dann ging es auch schon los: «Am ersten August konnten wir den Camper kaufen. Noch am selben Wochenende haben wir ihn herausgeputzt.» Einen ganzen Tag hätten sie gebraucht, um den alten Boden herauszureissen – zu dritt wohlbemerkt. Dann kam die erste grobe Planung: «Wir mussten uns überlegen, wie wir was einbauen. Immerhin mussten ein Bett, mehrere Schränke, ein Gasherd, ein Kühlschrank und ein Wassersystem Platz finden.»

Ausgangspunkt für den Camper.

Schlussendlich ging die Rechnung auf. Es sei von Vorteil gewesen, vorauszudenken. «Wichtig war, dass wir nicht einfach darauflosbauten, sondern jeder wusste, was es zu tun gibt. Das Bett haben wir selbst gebaut. Dabei mussten wir mehrere Dinge berücksichtigen: Wo kommt der 80 Liter Wassertank hin und wo die Gasflasche für die Küche? Und dann müssen auch die Stromleitungen noch irgendwo durchlaufen können», erklärt Sprecher. Dafür habe er sich Rat geholt, schaute einige Youtube-Videos und durchforstete das Internet. Gut neun Monate haben Sprecher und Roner am Camper gearbeitet. Ersterer praktisch an jedem Feierabend und Samstag. Seine Freundin kam vor allem beim Malen zum Einsatz, sagt die Sarganserländerin: «Am meisten Zeit brauchten wir, um alles anzumalen und den Innenausbau mit den Schränken fertigzustellen. » Eilig hatten sie es aber nicht. Sprecher war es nämlich wichtig, dass genau gearbeitet wird. Nun sei den beiden fast schon langweilig.

Neun Monate brauchten die beiden für den Umbau des Lieferwagens.

Erst die Schweiz erkundet

«Im Februar gingen wir mit dem Camper hoch auf den Buchserberg. Zu diesem Zeitpunkt war er aber noch nicht fertig. Wir wollten testen, was er taugt und ob wir allenfalls etwas Wichtiges vergessen hatten», erzählt Roner. Bei diesem Ausflug testeten sie auch die Standheizung – mit Erfolg: Trotz kalter Temperaturen sei es im Camper schön warm gewesen. Im April ging es dann für eine ganze Woche durch die Schweiz. Dabei legten die beiden gut 800 bis 900 Kilometer zurück. «Wir starteten zu Hause und fuhren erst zum Vierwaldstättersee, dann nach Luzern, Nidwalden und Obwalden bis Grindelwald. Dann machten wir in Lauterbrunnen Halt, wo es eindrückliche Wasserfälle gibt. Dann ging es weiter nach Gruyère am See», erzählt Roner. Diesen Ort kannte das Paar schon aus früheren Tagen. Das Reisefieber war geweckt. So auch der Wunsch, noch mehr von der Schweiz zu sehen, berichtet die 19-Jährige. Die Fahrt habe daher noch über Neuchâtel, Biel, Aargau und Winterthur (mit einem Abstecher ins Technorama) nach Hause geführt.

Unter dem Bett ist unter anderem der 80 Liter Wassertank gelagert.

Künftig wollen die beiden die Landesgrenze verlassen. «Ich wünsche mir, Frankreich und auch den Rest von Europa zu sehen», sagt Roner. Und auch Sprecher wisse, was er noch alles sehen will: «Ich will einerseits in den Süden an die Wärme und den Strand, andererseits auch in den Norden und die grünen Landschaften erkunden. » Diese entdecke man auch beim Wandern, was eine weitere Leidenschaft Sprechers sei. Auch wenn durch die aktuelle Lage vielleicht nochmals eine Schweizerreise angesagt ist, seien die Pläne da. «In der Schweiz darf man nicht wildcampen und muss auf Campingplätze. Das ist schon auch toll, aber da sind immer auch andere Menschen», sagt Roner. Die beiden wollen Ruhe. Diese holen sie sich im Wald, an Seen oder auch auf einer Wiese – Hauptsache direkt in der Natur. «Beim Wildcampen kann man seinen Wagen an den grandiosesten Orten abstellen und hat ein fantastisches Bild vor sich», sagt Sprecher.

Auf dem Gasherd zaubern die beiden Menüs und kochen Kaffee.

Das Paar brennt darauf, mit ihrem eigenen kleinen Häuschen unterwegs sein zu können. «Ich bin nicht der Typ, der in die Städte reist. Das ist mir zu viel Rummel», erklärt der 21-Jährige. Ihm und seiner Freundin ist klar, lieber Natur und Landschaften als das Stadtleben. Dennoch soll es durchaus Action geben. Auch Roner ist gerne von zu Hause weg und entdeckt gern Neues: «Ich hätte früher nie gedacht, dass mir diese Art von Reisen gefallen könnte. Jetzt liebe ich es. Wir sind irgendwo unterwegs, und abends kann man doch ins eigene Bett liegen. Zudem sind wir mit dem Camper flexibel und sehen Orte, die wir bei einer Flugzeugreise vielleicht nicht sehen würden.»

(um)

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