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(Foto: Fritz Zwahlen)
Crime
Region|20.12.2019 (Aktualisiert am 12.03.20 10:38)

Weihnachten im offenen Strafvollzug

Hans (Name geändert) verbrachte im letzten Jahr Weihnachten in der Strafvollzugsanstalt Saxerriet, wo er wegen eines Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz einsass. Heute erinnert er sich zurück.

(Foto: Fritz Zwahlen)

Hans (Name geändert) verbrachte im letzten Jahr Weihnachten in der Strafvollzugsanstalt Saxerriet, wo er wegen eines Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz einsass. Heute erinnert er sich zurück.

Seit vielen Jahren organisiert die offene Strafanstalt Saxerriet im St. Gallischen Salez einen Weihnachtsmarkt. Die Leitung dafür hat der Vizedirektor Fritz Zwahlen. Die Insassen aus mehreren anstaltsinternen Betrieben beginnen für dieses Rheintal-Spektakel bereits ab Herbst zusammenzuarbeiten, um der Region eine schöne Weihnachtszeit zu bescheren. Auch dieses Jahr verzauberte die Strafanstalt Saxerriet unter dem Motto «Besinnlich, Wald und Natur» viele Besucher mit ihrem Weihnachtsmarkt. Im Gärtnereiverkaufsladen wurde der breiten Öffentlichkeit ein liebevoll zu­sammengestelltes Angebot an Weihnachtsartikeln präsentiert. Ob handgefertigter Schmuck, durch Insassen angefertigte Dekorationsutensilien, bis hin zum Weihnachtsbaum vom eignen Feld, die Strafanstalt Saxerriet bietet der Umgebung einen Rundum-Service. Doch was geht in den Köpfen der Insassen vor, wenn sie das Fest der Liebe fern ihrer Liebsten im Strafvollzug verbringen müssen?

«Es ist schwierig, doch schlussendlich befindet man sich nicht zu Unrecht im Gefängnis und die Haft soll eine Strafe sein. Daher darf man sich nicht beschweren, man muss es ertragen», so Hans, der nicht das erste Mal einsitzt. Auf die Frage was seine Arbeit in Zusammenhang mit dem Weihnachtsmarkt im letzten Jahr war, antwortet Hans mit einem Lächeln. «Ich durfte für die Gärtnerei Weihnachtsdekoration anfertigen, die dann später von den Kunden gekauft wurde. Bei dieser speziellen Gefängnis-Arbeit habe ich mir mehr Mühe gegeben als sonst, da ich dahinter einen Sinn erkennen konnte, denn das was ich angefertigt habe, stand später irgendwo in einem Wohnzimmer, um einer Familie Freude zu bereiten. Dieser Gedanke trieb mich an, mein Bestes zu geben», so Hans mit einem gewissen Stolz. Gerade für Familienväter können die Festtage hinter Gittern besonders schwierig werden. Doch auch hierfür wird eine Lösung geboten. Eine Woche vor dem Weihnachtsfest dürfen die Insassen, welche nicht urlaubsberechtigt sind, für einige Stunden drei bis vier Angehörige einladen, um mit ihnen ­gemeinsam in der Kantine zu ­speisen.

Gerade für die Straftäter, welche bereits zuvor mehrere Jahre im geschlossenen Vollzug verbracht haben, ist Weihnachten im Saxerriet ein ganz besonderes Erlebnis. Ein Highlight, das für so manchen einem Weihnachtswunder gleichkommt. Auch Hans kam in den Genuss, nach Jahren endlich wieder Mal mit seinen Verwandten zusammen zu speisen. «Es war einfach grossartig. Für mich war es das beste Weihnachtsgeschenk, dass ich je bekommen habe. Nach Jahren wieder einmal mit meinen Liebsten zu speisen, war für mich wie ein funkelnder Stern in einer sonst dunklen Nacht.» Auf die Frage, ob Hans nicht langsam genug vom Gefängnisleben hätte, zuckte er mit den Schultern: «Rückblickend würde ich nie mehr tun, was ich getan habe. Das habe ich schon öfters gesagt und wieder einen Fehler begangen. Doch diesmal packe ich es endgültig.»

(smc)

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