Philipp Eigenmann in seiner Keramik Werkstatt in Nendeln. Das Hauptgeschäft liegt bei den Urnen.  (Fotos: Michael Zanghellini)
Vermischtes
Region|17.01.2020

Ein letzter Platz nach dem Tod

Früher wurden die meisten Menschen in einem Sarg beerdigt, heute wählen viele Menschen als letzte Ruhestätte die Urne aus. Philipp Eigenmann aus Nendeln ist einer von dreien, der für die Schweiz und Liechtenstein Urnen herstellt.

Philipp Eigenmann in seiner Keramik Werkstatt in Nendeln. Das Hauptgeschäft liegt bei den Urnen.  (Fotos: Michael Zanghellini)

Früher wurden die meisten Menschen in einem Sarg beerdigt, heute wählen viele Menschen als letzte Ruhestätte die Urne aus. Philipp Eigenmann aus Nendeln ist einer von dreien, der für die Schweiz und Liechtenstein Urnen herstellt.

Muss jemand eine Urne kaufen, so ist das keine alltägliche Angelegenheit. Philipp Eigenmann aus Nendeln stellt nicht nur unterschiedliche Urnen her, sondern berät die Menschen auch und führt mit ihnen Trauergespräche. «Es ist unterschiedlich, passiert ein Todesfall plötzlich, dann sind die Menschen sehr aufgewühlt. Können sich die Leute auf den Tod vorbereiten, weil ihre Liebsten schon lange krank sind, dann ist die Trauer ruhiger», erzählt Eigenmann. Und viel käme es auch vor, dass Eigenmann mit seinen Kunden lachen kann: «Um die richtige Urne zu finden will ich auch immer ein bisschen über die verstorbene Person erfahren, da kommt es dann auch mal dazu, dass man Anekdoten aus dessen Leben erfährt und vielleicht auch mal zusammen lacht», sagt Eigenmann.

Die Urne zu Hause

Da es heute auch üblich ist, dass viele die Urne mit der Asche ihrer Liebsten zu Hause haben, gibt es auch viele Varianten, die man kaufen kann. Ob eine Urne in Herzform mit Swarovski-Steinen, eine klassische Urne, die komplett bemalt ist oder eine moderne Kugel, Eigenmann verfügt über eine grosse Auswahl. Salopp gesagt ist das Urnengeschäft für Philipp Eigenmann gut, denn nebst ihm gibt es in der Schweiz nur zwei weitere Firmen, die Urnen herstellen. Zudem bekommt er immer wieder Grossbestellungen sowie aktuell eine Bestellung von 200 Urnen für das Krematorium Basel. Zudem kaufen auch immer mehr Menschen eine Urne für ihr verstorbenes Tier. Auch da hat Eigenmann eine grosse Auswahl: Eine Katze, ein kleines Herz oder kleinere klassische Urnen. «Stirbt beispielweise der Vater, werden oft auch sogenannte Souvenir-Urnen gekauft. Da gibt es zum Beispiel kleine Herz-Urnen, in die die Asche aufgeteilt wird und jedes Kind eine davon bekommt und den Rest der Asche begraben sie», erzählt Eigenmann.

Ton, Gold oder Platin

Den Arbeitsvorgang bis zum Endprodukt kann man gut mit dem eines Bäckers vergleichen. Zuerst mischen die Keramiker das Pulver zu einer Tonmasse, danach wird es in der Misch- und Knetmaschine verarbeitet und dann in Gipsformen abgefüllt und stehen gelassen. Im Anschluss können sie aus den Formen herausgenommen werden und bekommen den letzten Feinschliff, Kanten werden flachgestrichen und Löcher für das Verschliessen werden gebohrt. Dann kommen die Urnen in den Ofen, auch hier wird unterschiedlich gebrannt. Allein beim Ton gibt es viele Varianten, für die klassische Urne wird roter Ton verwendet, für Urnen die glasiert werden weisser Ton.

Der Ofen macht den Rest

Wird in der Keramik Werkstatt Schädler gebrannt, so müsse das gut geplant sein, spontan geht nicht, denn der Ofen braucht Zeit: «Wir verwenden Nachtstrom zum Brennen, denn der ist günstiger. Der Ofen heizt über Nacht auf und um circa fünf oder sechs Uhr morgens brennt er die Ware. Stücke, die eine Glasur bekommen, brauchen eine Hitze von über 1000 Grad. Danach braucht der Ofen einen Tag und eine Nacht um auszukühlen und erst dann kann das Zeug aus dem Ofen raus.» Gerade bei Grossbestellungen schaut Eigenmann, dass immer ein gewisser Vorrat da sei, falls gerade mal wieder 200 Urnen auf einmal bestellt werden.

Das Design kommt vom Grabserberg

Hergestellt werden alle Werke von Philipp Eigenmann und seinem Team in der Keramik Werkstatt Schädler in Nendeln, das Design gewisser Urnen ist aber nicht von ihm. «René Staub vom Grabserberg ist Künstler und war auch Lehrer hier an der Kunstschule Liechtenstein, direkt neben uns. Wir fragten ihn, ob er uns eine Urne gestaltet und er hat dies gemacht. Die Herz-Urne, die Kugel sowie der Wirbel sind seine Ideen und diese werden auch oft gekauft», erklärt Eigenmann.

Urne – klein und kompakt

«Viele Menschen wählen heutzutage sicherlich die Urne, weil sie auf dem Friedhof weniger Platz braucht. Und Sarggräber werden nach einigen Jahren ausgeräumt. Zudem ist der Umweltschutz sicherlich auch ein Gedanke», sagt Eigenmann. Preislich komme man aber nicht unbedingt günstiger, als mit einem Sarg. Einen Sarg brauche es sowieso, denn die toten Personen werden in einem Sarg kremiert. Doch die Preise bei Urnen seien unterschiedlich, eine einfache rot-tonfarbene Urne kostet um die 120 Franken, lässt man eine Urne bemalen oder speziell anfertigen, zahlt man schnell bis zu 800 Franken. Nebst Sarg und Urne gäbe es aber noch eine weitere Variante: In Graubünden gibt es die Firma «Mevisto», die aus der Asche Schmuckanhänger, sogenannte «Perlen mit Seele», anfertige, dies sei auch eine immer mehr gewählte Variante, bei diesem Prozess wird nicht die ganze Asche verwendet.

Je dicker, desto grösser die Urne – falsch

Menschen die voluminöser gebaut sind, brauchen nicht unbedingt eine grössere Urne, dies gehe nicht nach Gewicht: «Was viele nicht wissen, ein dicker Mensch hinterlässt nicht mehr Asche als ein dünner. Es kommt auf den Knochenbau an, das Fett wird verbrannt.» Man könne meist mit dem gleichen Mass rechnen, Erwachsene Personen brauchen etwa drei Liter Platz, bei Kindern reiche eine kleinere Urne. Obwohl das Herstellen von Geschirr wegen vielem weniger wird, ist Eigenmann überzeugt, dass sie auch weiterhin zu tun haben. Das Geschäft mit dem Tod werde immer bleiben, so wolle es der Lebenskreislauf.

(um)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Vermischtes
Region|23.03.2020 (Aktualisiert am 23.03.20 15:48)
Verbotene Partys und offene Geschäfte:  Kantonspolizei St. Gallen rückte rund 80 Mal aus

ST. GALLEN - Die Kantonspolizei St.Gallen hat über das Wochenende bis Sonntagabend rund 80 Einsätze im Zusammenhang mit dem Coronavirus geleistet. Derweil sind im Kanton St.Gallen sehr geringe Einbruchzahlen und die übliche Anzahl Einsätze im Zusammenleben von Menschen zu verzeichnen, wie die Kantonspolizei am Montag mitteilte.

Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2017, Alle Rechte vorbehalten.