Dr. Daniel Wyler ist Facharzt und Leiter der Rechtsmedizin in Chur. Sein Team deckt den Bereich Graubünden ab. (Foto: Michael Zanghellini)
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Region|17.01.2020

Ein etwas anderer Mediziner

Ein grosser Raum. Er ähnelt einem Operationssaal. Mit Ablagefläche, Wasserhahn, Obduktionstisch, einem Fotoapparat und vielen Utensilien für die Untersuchung. Dies ist neben dem Büro der Arbeitsplatz von Daniel Wyler, dem Chefarzt und Leiter der Rechtsmedizin im Kantonsspital Chur. 

Dr. Daniel Wyler ist Facharzt und Leiter der Rechtsmedizin in Chur. Sein Team deckt den Bereich Graubünden ab. (Foto: Michael Zanghellini)

Ein grosser Raum. Er ähnelt einem Operationssaal. Mit Ablagefläche, Wasserhahn, Obduktionstisch, einem Fotoapparat und vielen Utensilien für die Untersuchung. Dies ist neben dem Büro der Arbeitsplatz von Daniel Wyler, dem Chefarzt und Leiter der Rechtsmedizin im Kantonsspital Chur. 

Ein Unfall mit Todesfolgen oder Suizid. Um mehr zum Hergang des Geschehens zu erfahren, werden tote Menschen obduziert. Und dafür braucht es Menschen, die diesen Beruf ausüben. Daniel Wyler ist einer davon. Seit fast 40 Jahren untersucht er tote sowie auch lebende Personen in verschiedenen Fällen: «Ich habe es keine Sekunde bereut, diesen Beruf gewählt zu haben. Durch Zufall kam ich daran und ich glaube, ich würde mich wieder der Situation entsprechend entscheiden. Bei mir muss es so vielseitig wie möglich sein und darum habe ich Medizin studiert.» Für Wyler ist die Rechtsmedizin klar die vielseitigste Fachart in der Medizin.

Nach dem Staatsexamen kam der Zufall

Im Jahr 1983 absolvierte Wyler die letzte Prüfung und dann flatterte auch schon die Ärztezeitschrift ins Haus. Darin war eine Stelle bei einer Gerichtsmedizin ausgeschrieben und Wyler meldete sich. Aus dieser Stelle wurde zwar nichts, doch wie es der Zufall wollte, wurde er vom Strassenverkehrsamt kontaktiert: «Der Verkehrsmediziner vom Strassenverkehrsamt meinte, bei ihm sei jemand ausgefallen, ob ich die Stelle übernehmen könnte. Ich wollte Bedenkzeit, doch der Herr am Telefon sagte, er müsse es jetzt wissen. Dann sagte ich zu.» Zwar sei es für einen frisch Diplomierten nicht gleich der Wunsch bei einem Strassenverkehrsamt die ersten Arbeitserfahrungen zu sammeln, doch Wyler fühlte sich wohl. Die Verkehrsmedizin ist heute ein Teil der Rechtsmedizin. Heutzutage untersuchen Rechtsmediziner doppelt so viele lebende Personen wie verstorbene. Also zum Beispiel gravierende Körperverletzungen, Sittlichkeitsdelikte, Abstammungsfragen, Fahren unter Medikamente- oder Betäubungsmitteleinfluss. Auch Untersuchungen an lebenden Menschen, wie zum Beispiel, wenn eine Vaterschaft geklärt werden muss, gehören dazu. «Meine Arbeit hat ein grosses Spektrum und das fasziniert mich. Physik und Chemie zusammen mit der Pathologie, Juristen, Polizisten, der Kriminaltechnik, ist einfach eine spannende und umfassende Tätigkeit.» Im Fernsehen sehen wir meist Rechtsmediziner die nach einem Mord oder Suizid versuchen herauszufinden, was geschehen ist. Zwar sei das nicht falsch, doch würden da die Erwartungen der Zuschauer abgedeckt. Wyler müsse das zum Glück nicht tun. Ob Verkehrsunfall, Sittlichkeitsdelikt, Kindesmisshandlung oder Betäubungskonsum: viele Arten von Fällen führen zu Wyler. Dabei müsse die Person nicht wie im Fernsehen immer tot sein. Die Arbeit beginne für die Rechtsmedizin meist durch die Staatsanwaltschaft, Polizei oder das Strassenverkehrsamt, die eine medizinische Frage haben: «Wenn es einen Sachverständigen braucht, kommen wir ins Spiel. Wir sind die Vertrauensärzte dieser Institutionen.»

Lernen, damit umzugehen

Ob verstorbene oder lebende Personen, in diesem Beruf müsse man eine emotionale Distanz haben. Auch er musste lernen, damit umzugehen und hat sich auch Grenzen gesetzt: Menschen, die er kenne, untersuche er nicht. Aber nach vielen Jahren der Erfahrung im Beruf ist die Arbeit für ihn einfach seine Arbeit. Es gäbe aber durchaus Leute, die damit nicht klarkommen und den Beruf wechseln. Nicht nur Rechtsmediziner, sondern in allen medizinischen Bereichen braucht es die emotionale Distanz: «Ein Notfallsanitäter muss auch Abstand zum Fall halten und da können schlimmere Szenarien entstehen.»

Die Obduktion

Obduziert Wyler einen Menschen, geht er immer gleich vor: «Unsere Arbeit läuft nach klaren Richtlinien ab. Das ist seit 150 Jahren festgelegt. Wer Krimis im Fernsehen schaut, sieht das nicht genau, doch das ganze Vorgehen ist eigentlich ziemlich unspektakulär.» Bei einer Obduktion werden immer alle drei Körperhöhlen geöffnet: Die Schädel-, Brust- und Bauchhöhle. Dann werden alle Organe untersucht und auch das machen fast weltweit alle Rechtsmediziner gleich. «Was vielleicht vielen nicht klar ist, die Autopsie führt nicht zu einer Klärung des Falls. Es ist ein technisches Vorgehen, um an Untersuchungsbefunde heranzukommen, die von aussen nicht erkennbar sind. Dann hat man viele Untersuchungsbefunde. Diese ergeben zusammen eine Diagnose und diese führt zu einer Interpretation.» Die Befundsammlung sei technisch und dann komme eine intellektuelle Leistung dazu, das sei die Aufgabe.

Rechtsmedizinische Obduktionen werden von der Staatsanwaltschaft angeordnet. Da unterscheide man zwischen natürlichem Tod, nicht natürlichem Tod und dem unklaren Tod. Bei Suizid, Unfall, Tötungsdelikt oder Behandlungsfehler spricht man von einem «nicht natürlichen Tod». In Folge von Krankheit, ohne Einwirkung von Gegenständen, Fahrzeugen oder vielleicht Gift spricht man hingegen von einem «natürlichen Tod».

(um)

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