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Region|14.02.2020

Das Schaltjahr und seine speziellen Geburtstagskinder

Nur alle vier Jahre hat der Februar 29 Tage. Dann können aber auch die «Schaltjahrkinder» ihren richtigen Geburtstag ­feiern. Doch warum genau ist das denn so geregelt?

(Foto: Ursina Marti)

Nur alle vier Jahre hat der Februar 29 Tage. Dann können aber auch die «Schaltjahrkinder» ihren richtigen Geburtstag ­feiern. Doch warum genau ist das denn so geregelt?

Jedes Schaltjahr, also alle vier Jahre, hat das Jahr 366 anstatt 365 Tage. Dies ist aber kein Zufall, sondern notwendig, wie Peter Kaiser vom Astronomischen Arbeitskreis Liechtenstein erklärt: «Wenn wir jemanden fragen, wie viele Tage das Jahr hat, bekommen wir die schnelle Antwort 365 Tage. In Wirklichkeit sind es aber 365 ¼ oder ganz genau 365,2425 Tage. Das sind knapp sechs Stunden mehr als nur 365 Tage. Auch 6 Stunden ist kein exakter Wert. 4 Jahre mal 6 Stunden ergeben 24 Stunden beziehungsweise einen ganzen Tag. Also es steht ein Tag mehr auf dem Konto. Der Kalender ist demzufolge nach vier Jahren ein Tag zu früh dran.» Damit wir aber immer zur richtigen Zeit die richtige Jahreszeit haben, muss dies auskorrigiert werden, wie Kaiser weiter sagt: «In 120 Jahren wäre das dann so, dass der Kalender 30 Tage zu früh dran wäre. Wir hätten dann zum Beispiel am 1. Januar schon den 31. Januar auf dem Kalender. In 720 Jahren hätten wir Neujahr im Sommer.» Um das zu verhindern, wird alle vier Jahre ein Tag hinzugefügt und das ist der 29. Februar. Und alle Jahre, die durch vier teilbar sind, sind Schaltjahre.

Peter Kaiser vom Astronomischen Arbeits­kreis Liechten­stein weiss warum es das Schaltjahr gibt und braucht. (Foto: Michael Zanghel­lini)

Warum der 29. Februar?

Die Wahl dieses Tages gehe auf den römischen Kalender von ­Julius Caesar zurück: «Da war der Februar der letzte Monat im Jahr und so war es naheliegend, dass man diesen Tag, sozusagen am Jahresende, einfach an diesem Monat anhängte.

Der Name

Doch was hat es mit dem Namen auf sich? Warum heisst das Schaltjahr überhaupt Schaltjahr? Auch hier kennt Peter Kaiser die Antwort: «Eigentlich ist das Schaltjahr ein Korrekturtag auf dem Kalender. Leider musste ich mich im Internet schlau machen, um die Herkunft des Schaltjahres zu definieren. Da habe ich Folgendes gefunden: Das Wort Schaltjahr kommt angeblich vom Althochdeutschen «scaltjär», dem Jahr mit eingestossenem oder geschaltenem Tag. Im Englischen heisst das Schaltjahr ‹leap year› (Sprungjahr).»

Tatjana Bacchini, die am 29. Februar Geburtstag hat, mit ihrer Tochter Stella. (Foto: ZVG)

Am 29. Februar 1991 wurde Tatjana Bacchini geboren und ist somit ein «Schaltjahrkind». Natürlich feiert sie trotzdem jedes Jahr ihren Geburtstag, einfach nicht immer an dem Datum als sie geboren wurde. Heute sei der spezielle Geburtstag für die 28-Jährige nichts Besonderes mehr und werde auch nicht mehr speziell gefeiert. «Meinen Geburtstag feiern wir am 28. Februar. Dies hat meine Mutter, als ich noch ein Kind war, so eingeführt. Nur dieses Jahr natürlich feiere ich am 29. Februar», erzählt Bacchini. Trotz der Tatsache, dass alle vier Jahre der Geburtstag einen Tag später ist, kann sie ihren Tag geniessen. Für Bacchini spielt es keine grosse Rolle, wann nun gefeiert wird. Bacchini ist 28 Jahre alt. Würde man aber nur ihre «richtigen» Geburtstage zählen, wäre sie jetzt siebenjährig. Bis vor Kurzem kannte Bacchini niemand anderen, der auch am 29. Februar Geburtstag hat: «Ich habe wirklich erst kürzlich per Zufall beim Zahnarzt jemanden getroffen, der auch am 29. Februar Geburtstag hat. Sonst kenne ich niemanden.» Schon als Kind bekam Bacchini gerne mal Sprüche wegen ihres Geburtstags zu hören. Diese seien auch heute nicht weniger geworden. Inzwischen stört es sie einfach nicht mehr.

Lisbeth Willi aus Oberschan wurde auch am 29. Februar geboren. (Foto: ZVG)

Am 29. Februar wird in Oberschan gefeiert, denn auch Lisbeth Willi ist ein «Schaltjahrkind». Für sie selbst ist es keine Sache, an diesem Tag Geburtstag zu haben: «Alle vier Jahre vergisst niemand, dass man Geburtstag hat und am 28. Februar haben alle Erbarmen, weil er einmal mehr nicht stattfindet.» Seit Willi klein ist, feiert sie jeweils am 28. Februar ihren Geburtstag, denn für sie sei der Februar ihr Geburtsmonat. Geboren wurde Lisbeth Willi im Spital Grabs und die damalige Hebamme hatte grossen Mitleid mit ihr: «Sie schlug meiner Mutter vor, das Datum etwas zu manipulieren. Zum Glück liess meine Mutter es nicht zu, sie meinte, ich hätte es mir so ausgesucht, weil der Termin eigentlich drei Tage früher war.» Ab und an bekommt Willi Witzchen über ihren Geburtstag zu hören, dennoch sei dies nicht weiter schlimm: «Ich arbeite als Musiklehrerin und bin deshalb in ein paar Schulhäusern bekannt. Die Lehrerinnen dort nehmen mich darum zum Beispiel, wenn sie den Schülern den Kalender erklären. So werde ich erst jetzt zum Spass gehänselt: «Wie alt bist du jetzt?» oder «Ich habe dich schon eingeholt.» In diesem Jahr feiert Willi mit ihrem Patenkind, denn wenn man richtig rechnet, werden beide 16 Jahre alt.

Martina Rinderer-Kunz aus Weite feiert ihren Geburtstag ebenfalls am 29. Februar. (Foto: ZVG)

Die Wartauerin Martina Rinderer-Kunz ist eine weitere Person, die am 29. Februar geboren wurde. Sie hat Freude an diesem speziellen Tag: «Ich finde es schön, am 29. Februar Geburtstag zu haben und feiere ihn auch gerne.» Es sei ein spezielles Datum, eben weil es nur alle vier Jahre erscheint und sie dann auch ihren «richtigen» Geburtstag feiern kann. «Bald werde ich meinen ‹13. Geburtstag› feiern», sagt Rinderer-Kunz, denn wenn man nur die Geburtstage vom 29. Februar zählt, würde sie an diesem Geburtstag erst 13 Jahre alt werden. Alleine in ihrem Jahrgang gibt es mindestens fünf weitere Schaltjahrkinder: «Meine Mutter erzählte mir, dass am 29. Februar 1968, als ich zur Welt kam, sechs Mädchen im Fontanaspital in Chur geboren wurden.» Gleich sechs Schaltjahrkinder auf einmal. Sie durfte ihren Geburtstag immer am letzten Tag des Februars feiern und kann sich auch an einige Ereignisse erinnern: «Ich weiss noch, als ich meinen Ausweis zeigte und wegen meines speziellen Geburtsdatums einen Früchtekorb vom Warenhaus Manor geschenkt bekommen habe. Und ich konnte einmal das Fernsehstudio in Zürich besichtigen, denn es gab immer spezielle Anlässe für Schaltjahrkinder.»

Samantha Schlegel aus Mels feiert ihren Geburtstag immer an der Fasnacht. (Foto: ZVG)

«Ein Schaltjahrkind zu sein ist meiner Meinung nach etwas sehr Spezielles und unglaublich Spannendes», sagt die Melserin Samantha Schlegel. Sie hat ebenfalls am 29. Februar Geburtstag. Dieser Tag sei spannend, weil er neben dem 1. April und 24. Dezember am meisten zu reden gebe. Die meisten Schaltjahrkinder feiern am 28. Februar, Schlegel aber am 1. März. Dies habe sich so ergeben, weil ihr fünf Jahre älterer Bruder am 1. März zur Welt kam und sie auch denselben Patenonkel haben. So war bis zur Teenagerzeit der 1. März das Datum für ein Familienfest, an dem jeweils gefeiert wurde. «Heute spielt es für mich keine Rolle, ob ich nun am 28. Februar oder am 1. März feiere. Auch die häufigen Diskussionen, wie ‹zu früh feiern bringt Unglück› oder ‹du bist im Februar geboren, also musst du doch im Februar feiern›, sind für mich nicht mehr wichtig.» Schlegel feiert in diesem Jahr ihren 28. Geburtstag. Beim «richtigen» Zählen wäre sie erst sieben Jahre alt. Schlegel feiert meist vom 27. Februar bis zum 2. März ihren Geburtstag, denn sie ist eine leidenschaftliche Fasnanächtlerin und Mitglied der Nidbärgschrinzer Mels. So habe sie auch immer ihre Liebsten um sich, um auf ihren Tag anzustossen. (um)

(um)

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