Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Die Flaggala-Holzer Räfis-Burgerau holzen jeweils an vier Samstagen, damit am Sonntag nach Aschermittwoch der Winter vertrieben wird. (Fotos: ZVG)
Vermischtes
Region|14.02.2020

Mit der Flaggala sagt man dem Winter «Adieu»

Sie tragen das Holz zusammen, machen einen grossen Haufen und verbrennen darauf den «Bög». Das ist eine alte Tradition in der Region, um den Winter zu vertreiben. Je schneller der «Bög» explodiert, desto schneller kommt der Sommer, so heisst es.

Die Flaggala-Holzer Räfis-Burgerau holzen jeweils an vier Samstagen, damit am Sonntag nach Aschermittwoch der Winter vertrieben wird. (Fotos: ZVG)

Sie tragen das Holz zusammen, machen einen grossen Haufen und verbrennen darauf den «Bög». Das ist eine alte Tradition in der Region, um den Winter zu vertreiben. Je schneller der «Bög» explodiert, desto schneller kommt der Sommer, so heisst es.

In Räfis-Burgerau wurde schon immer auf dem Flaggalaplatz am Binnenkanal geholzt. Am 6. Dezember 2009 haben die damaligen Holzer beschlossen, den Verein Flaggala-Holzer Räfis-Burgerau zu gründen, um die Zukunft des alten Brauches zu sichern. Heinz Müntener wurde zum ersten Präsidenten gewählt, Andreas Rothenberger wurde «Hoppma» (Obmann). Jeweils an fünf Samstagen wird von Hand der riesige Holzhaufen vorbereitet. Auch «Bürdeli» oder Christbäume werden gestapelt. Am Schluss steht ein circa sechs Metern breiter und sechs Meter hoher Holzhaufen. Die Christbäume sammeln die Holzer alle Jahre gemeinsam mit den Schülern ein.

Das Holz für den Haufen

«Das Holz bekommen wir heute auch von der VFA Kehrichtverbrennung in Mulden geliefert. Dabei handelt es sich um Schlagabraum, der durch das Schneiden von Bäumen durch Forst- und Gartenbaubetriebe anfällt», erklärt Remo Büchel, Präsident der Flaggala-Holzer. Zudem können auch Privatpersoen ihre Holzreste beim Flaggalaplatz deponieren. Dies aber nur mit Absprache mit den Holzern, denn die Flaggala verwende kein Abfall- und Abbruchholz.

Die Übersicht hat der «Bög»

Am «Flaggala-Sunntig» treffen sich morgens alle Holzer und dann wird zum Schluss der «Bög» zuoberst an einem Bäumchen angebunden bis er verbrannt wird. «Der ‹Bög› ist eine Puppe in Lebensgrösse, präpariert mit Knallpetarden und symbolisiert dabei den Winter, der mit der Wärme des Feuers der Garaus gemacht wird», erklärt Büchel.

Mit Teamwork wird der Haufen von Samstag zu Samstag grös­ser. Gezündet wird er dann am Sonntag, den 1. März um 19 Uhr. 

An Silvester sind sie auch im Einsatz

Die Flaggala-Holzer sorgen aber nicht nur für ein riesiges Feuer, sondern kommen auch immer an Silvester zum Einsatz. Dann montieren sie zum «Altjohrusschella» die grossen Kuhglocken auf den Schultern und marschieren mit der Bevölkerung durch Räfis, um das vergangene Jahr zu verabschieden. Durch den Verein wird somit jedes Jahr das alte Jahr verabschiedet und sie sorgen dafür, dass der Winter rechtzeitig Feierabend macht. «Ob wir Erfolg haben mit dem Wintervertreiben? Bis jetzt ist der Sommer noch immer gekommen. Mal früher mal später», sagt Büchel. Die Flaggala findet immer am Sonntag nach Aschermittwoch statt und bezweckt, dass der Winter vertrieben wird. Dieser Brauch werde wohl schon lange praktiziert und könne aus dem alemannischen Brauchtum stammen. Ob man jedoch damals schon mit dem Feuer dem Winter den Kampf ansagte, oder ob es sich dabei um ein Frühlingsfeuer handelte, sei nicht ganz sicher.

Der Flag­galahaufen in Vollbrand, meist brennt er bis am nächsten Tag und wird dann wieder fach­gerecht auf­geräumt.

Woher kommt die Tradition der Flaggala?

Bereits seit vielen Jahren wird in der Region die Flaggala gezündet. Ursprünglich gab es aber nicht nur eine, sondern drei verschiedene in Buchs wie Büchel sagt: «Eine war bei der Halde in Räfis, eine in der Unterau beim Ackerweg und eine in der Burgerau, ausserhalb des Kanals beim ‹Gruschlocht›. Gesammelt hat man alles, was entbehrlich war. Im Vergleich zu heute war das damals weniger Holz, denn früher wurde praktisch nichts weggeworfen. Am wenigsten Holz, denn dies wurde zu Hause selbst als Brennmaterial genutzt. Damals waren die Kinder schon mit ‹Leiterwägeli› und Veloanhänger unterwegs und sammelten das Holz ein, allerdings kam nie so viel zusammen wie heute. Beim Sammeln durchs Quartier sagten die Kinder folgendes Sprüchlein: ‹Bürdali und Türggastroah, alti Wiiber nömmer ooh›.» Oftmals gab es noch eine Kartonschachtel, Obstharasse oder Ähnliches für den Falggalahaufen. «Bürdali» und «Türggaschöbli» waren die Ausnahme: «Diejenigen, die solches abgaben, waren bei den Flaggalabuben sehr geschätzt und wurden dann auch in der Regel von Streichen verschont.» Weiter erzählt Büchel: «Soweit wir zurückfragen konnten, haben die Burgerauer eine Flaggala aufgestellt. Ursprünglich waren es die älteren Schüler, die sich organisierten und aus ihren Reihen einen Hoppma wählten. So wurde in den 1970er-Jahren die Flaggala durch den Einwohnerverein Räfis-Burgerau durch Unterstützung der Holzer gefördert.»

Ein etwas anderes Hobby

Remo Büchel ist Präsident der Flaggala-Holzer und war schon als junger Bub beim Holzen dabei. Bereits sein Onkel und sein Vater waren Flaggala-Holzer und haben jedes Jahr beim Aufbau des Holzhaufens geholfen: «Die Kameradschaft auch über Generationen hinweg schätze ich sehr. Es motiviert mich auch, so etwas für die Einwohner von Räfis und der Burgerau zu tun.» Die Freude des Brauches sei nicht nur bei ihm, sondern auch bei den Leuten zu sehen, wenn der Haufen gezündet werde.

(um)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Anzeige
Region|07.04.2020 (Aktualisiert gestern 10:01)
Regional versorgt dank Liefer- und Abholservice
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2017, Alle Rechte vorbehalten.
Volksblatt Werbung