Die Sarganserin Karin Hartmann reiste bereits in den Kongo und Südsudan, um Menschen medizinisch zu versorgen. (Foto: Ursina Marti)
Vermischtes
Region|13.03.2020 (Aktualisiert am 17.03.20 11:28)

Unter anderen Umständen Menschenleben retten

In einem anderen Land, mit einer anderen Sprache und anderen Umständen den Menschen zu helfen. Eine grosse Herausforderung. Die Sarganser Kinderärztin Karin Hartmann hat sich aber genau dieser angenommen und reiste als Ärztin ohne Grenzen ins Ausland.

Die Sarganserin Karin Hartmann reiste bereits in den Kongo und Südsudan, um Menschen medizinisch zu versorgen. (Foto: Ursina Marti)

In einem anderen Land, mit einer anderen Sprache und anderen Umständen den Menschen zu helfen. Eine grosse Herausforderung. Die Sarganser Kinderärztin Karin Hartmann hat sich aber genau dieser angenommen und reiste als Ärztin ohne Grenzen ins Ausland.

Ein spannender Lebenslauf zeigt sich, wenn Karin Hartmann erzählt. Schon lange ist sie in der Medizin tätig und hilft täglich Menschen, die ins Spital kommen. Doch Hartmann hat dies nicht nur in der Schweiz, sondern auch im fernen Afrika gemacht. Sie reiste mit der medizinischen Nothilfeorganisation Ärzte ohne Grenzen in den Südsudan, um den Menschen vor Ort medizinisch zu helfen.

Meist kurieren sich in einem «Spitalzim­mer» bis zu vierzig Personen im gleichen Raum aus. Doch hier seien die Menschen froh, überhaupt Hilfe zubekom­men. (Foto: ZVG)

Zeltlager statt Spitalzimmer

Unterschiede zeigen sich schon bei der Ausstattung im fernen Afrika, denn alles, was hier fast schon selbstverständlich zur Verfügung steht, sucht man im Kongo vergebens. «Vor Ort hat man wenig Labormöglichkeiten. Ein CT oder MRI steht nicht zur Verfügung. Wenn es gut kommt, gibt es höchstens ein Ultraschallgerät. Das macht das Arbeiten schwieriger. Vor allem dann, wenn jemand eine komplexe Krankheit hat und ich nicht die Möglichkeiten habe, dies sicher herauszufinden», erzählt Hartmann. Denn auch die Krankheiten sind meist andere als hier in der Schweiz. In Afrika sind die Menschen vor allem mit Malaria und Durchfallerkrankungen infiziert. Zivilisationskrankheiten wie Altersdiabetes sind dagegen selten. In Afrika haben die Menschen auch mit Mangelernährung zu kämpfen, was bei uns nicht oft vorkomme. Es sei aber auch schwierig, Menschen zu behandeln, die nur anbehandelt wurden, aber nicht gut genug, erklärt Hartmann: «Hat zum Beispiel jemand eine Hirnhautentzündung und bekam schon verschiedene Medikamente in unregelmässigem Abständen, wird es schwierig, dass der Patient wieder ganz gesund wird, auch wenn die Qualität der Medikamente nicht gut genug oder sie falsch gelagert wurden.» Oftmals kommen die Menschen dann schon in einem schlechten Zustand ins Spital und sie werden nicht immer gesund. Blutarmut sei zudem auch ein grosses Thema. Meist sind Kinder davon betroffen und dann seien auch nicht immer genügend Blutreserven da. Eine Blutbank und Blutkonserven in Afrika zu halten, sei umso schwieriger: «Bei 40 bis 50 Grad Blut zu lagern, ist nicht einfach. Und dann auch noch für jeden die richtige Blutgruppe zu haben, ist schwierig, auch können viele kein Blut spenden, weil sie selbst nicht genügend haben. Zudem sind auch viele Menschen mit HIV oder bestimmten anderen Infektionskrankheiten infiziert. Dann ist eine Blutspende auch nicht möglich.» Laut Hartmann ist es in der Schweiz eine simple Sache, eine Bluttransfusion durchzuführen, doch in Afrika können Kinder an Blutarmut sterben, weil zu wenig Blut vorhanden ist: «Das habe ich am schlimmsten gefunden.»

Trotz einem Spitalaufenthalt scheint diesem Kind das Lachen nicht vergangen zu sein und strahlt in die Kamera. (Foto: ZVG)

Andere Länder, andere Voraussetzungen

Ob Bus, Zug, Auto, Fahrrad oder vielleicht kurz hinspazieren: wenn wir in der Schweiz zum Arzt müssen, ist das meist kein Problem. In Afrika überlegen es sich die Menschen zweimal: «Einerseits legen die Menschen zum Teil bis zu 40 Kilometer zurück, um sich in einem Spital behandeln zu lassen. Andererseits ist das ganze Leben dieser Menschen unsicher. Sie stellen sich Fragen wie: Habe ich für die nächsten Tage noch genügend Essen? Werde ich auf dem Weg ausgeraubt? Steht mein Haus noch oder erlebe ich den nächsten Tag noch? Doch dann fühlen sie sich umso sicherer, wenn sie bei uns im Spital sind», erzählt Hartmann. Im Spital bekommen sie Essen, werden medizinisch versorgt und müssen keine Angst haben oder zumindest weniger als sonst. «Eine Garantie auf komplette Sicherheit hat man nie, doch Angst um meine Sicherheit hatte ich nie. Obwohl Spitäler von Ärzte ohne Grenzen politisch neutral sind, kam es in der Vergangenheit durchaus vor, dass diese bombardiert wurden. Doch dies kommt eher in Kriegsgebieten vor», erzählt Hartmann.

(Foto: ZVG)

Lebensschulung

Im Kongo, aber auch im Südsudan, war Hartmann vor Ort und half den Menschen, wo sie nur konnte. Dies sei einschneidend und auch durchaus eine Lebensschulung für sie gewesen: «Bei diesen Einsätzen wird man mit Sachen konfrontiert, die man hier nicht erlebt. Hier regen wir uns auf, wenn der Zug fünf Minuten zu spät kommt. Gute Gründe, sich aufzuregen, haben aber die Menschen an diesen Orten. Solche Momente bringen mich zurück auf den Boden.» Durchaus Luxusprobleme, mit denen wir zu kämpfen haben. In den Spitälern, in denen Hartmann mit Ärzten ohne Grenzen gearbeitet habe, erlebe man einiges. Menschen sitzen den ganzen Tag ruhig im Wartezimmer, bis sie irgendwann an die Reihe kommen. Keine Spur von Aufregung und Ungeduld. «Ich bin froh, dass ich in der Schweiz geboren wurde und hier auch leben kann. Doch nach solchen Erlebnissen hinterfragt man vieles.»

1 / 4
(Fotos: ZVG)

Kinderärztin mit Leidenschaft

Karin Hartmann wollte schon immer in die Medizin. Die in der Region Basel aufgewachsene Solothurnerin hat in Basel Medizin studiert und dann zwei Jahre in der inneren Medizin gearbeitet. Sie wollte aber immer Kinderärztin werden und wechselte deshalb ans Kinderspital Zürich: «Ich habe dort in der Kinder-Onkologie gearbeitet und das hat mir auch immer sehr gut gefallen. Ich finde die Interaktion mit den Kindern und Eltern spannend. In diesem Aufgabenbereich hat man nicht nur ein Patient, sondern dazu kommt auch noch sein ganzes Umfeld.»

(um)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Auto
Region|20.11.2020
Volvo XC40 versus V60 oder zwei Schweden im Galadress
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2017, Alle Rechte vorbehalten.
Volksblatt Werbung