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Crime
Region|12.03.2020 (Aktualisiert am 12.03.20 10:13)

Unbewusste Kriminalisierung

Seit Längerem ist es in der Schweiz gang und gäbe, dass Bussen zu einer Inhaftierung führen können, wenn diese nicht bezahlt werden. Der Gebüsste kann in diesem Fall seine Schuld durch Haft tilgen. 

Seit Längerem ist es in der Schweiz gang und gäbe, dass Bussen zu einer Inhaftierung führen können, wenn diese nicht bezahlt werden. Der Gebüsste kann in diesem Fall seine Schuld durch Haft tilgen. 

Oft handelt es sich dabei um Bussen, die zum Beispiel für Schwarzfahren mit der ÖV oder Betreibungsdelikte erhoben werden. Die Möglichkeit der Schuldbegleichung durch Haft ist – betrachtet man den Ursprung genauer – von Anfang an ein grosser Fehler gewesen, ein Fehler, der seit seiner Einführung mehr Schaden als alles andere angerichtet hat und noch immer anrichtet. Bei diesem Vorgehen zeigt sich einmal mehr, dass sich gewisse staatliche Organe selbst über das Gesetz respektive über die geltenden Regelungen stellen. Wenn eine Firma von einem Kunden sein Geld nicht erhält, kann sie diesen lediglich betreiben. Die Firma kann nicht fordern, dass der Kunde seine Schuld durch eine Haft oder Zwangsarbeit abbezahlt. Der Staat hingegen hat diesen Vorteil. Hat man bei Vater Staat bestimmte Schulden, so kann man schnell hinter Gittern landen, wo man nicht nur seine Freiheit für eine bestimmte Zeit verliert und man körperlich streng arbeiten muss, nein, wo man auch mit Verbrechern und Randgestalten zusammengesteckt wird, was noch so manche Folgen mit sich bringen kann. Nehmen wir als Beispiel einen Neunzehnjährigen, der ohne Führerschein gefahren ist und dem eine Busse von mehreren Tausend Schweizer Franken aufgebrummt wurde. Ist es dem jungen Mann nicht möglich, seine Schulden zu tilgen, so landet er schnell in Haft, zum Beispiel in einer offenen Vollzugsanstalt wie der Justizvollzugsanstalt Saxerriet im sankt-gallischen Salez. In einer solchen Anstalt befinden sich mehrheitlich düstere Gestalten: Eine Vielzahl an Drogensüchtigen und Straftätern, die eine lange Zeit hinter Gittern verbracht haben und nun ihren letzten Teil der Strafe im offenen Vollzug verbüssen. Darunter sind Mörder, Vergewaltiger, Drogendealer und Gewalttäter aller Härtegrade. Der junge Mann, der ohne Führerschein gefahren ist, der zuvor in seinem Leben noch nie ein Verbrechen begangen hat, der sich zudem in einem Alter befindet, in dem er sehr beeinflussbar ist, wird in einen Topf voller Krimineller gesteckt. Nun erwartet man, dass er dort arbeiten geht, seine Schulden durch Haft und Arbeit tilgt und er dann ohne «psychischen Schaden» die Anstalt wieder verlässt, sich draussen reintegriert, als wäre nichts geschehen. Leider ist genau dieser Irrglaube eines der grössten Traumgebilde. Denn genau solche jungen Menschen werden in Wahrheit gerade im Gefängnis erst kriminalisiert. Sie geraten in ein Umfeld, welches bewusst oder auch unbewusst auf sie abfärbt. Sie lernen, wie man das schnelle Geld verdienen kann. Es werden ihnen goldig verpackte Zukunftsillusionen eingeflösst. Ausserdem wird ihnen klar und deutlich erklärt, wie falsch und lächerlich die Menschen doch seien, die in Freiheit tagtäglich einer geregelten Arbeit und einem strukturierten Alltag nachgehen. Man klärt sie auf, wer die wahren Helden und wer die armseligen Verlierer auf Mutter Erde seien. Die jungen Menschen werden verblendet, manipuliert und geraten durch Papa Staat, der sie wegen einer offenen Busse in die «Verbrecher-Universität» geschickt hat, auf die falsche Bahn. Der Neunzehnjährige kostet die Schweiz im Vollzug rund 200 Franken pro Tag, zuzüglich seinem Pekulium, sprich seinem Lohn von rund 30 Franken. Von seiner Busse wird ihm durchschnittlich um die 100 Franken abgezogen. Nicht nur, dass die Rechnung nicht aufgeht, der junge Mann droht am Ende eine Richtung einzuschlagen, die dem Staat noch Jahrzehnte ganz andere, teils gewaltige Unsummen bescheren wird. Es gilt, dringend das System des «Bussen-Absitzens» zu überdenken und das System von Gemeindearbeit, sei es Papierfetzen aufsammeln, im Alters- oder Asylheim aushelfen, in Betracht zu ziehen. Denn dies wäre ein Plus für die Schweizer Staatskasse, aber auch ein Plus für die Gesellschaft.

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(smc)

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