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Seit 2016 arbeitet der Buchser Florian Kehl bei der NASA in Kalifornien. Hier war er für Testphasen in der Wüste in Chile. (Fotos: ZVG)
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Region|03.07.2020 (Aktualisiert am 03.07.20 08:06)

Wenn der «Bubentraum» in Erfüllung geht

Raketen, Planeten und die vielen Sterne bringen nicht nur Kinderaugen zum Leuchten: Bei Florian Kehl aus Buchs war dies zwar auch schon im Kindesalter der Fall, doch auch im Alter von 36 Jahren interessiert er sich immer noch für Luft- und Raumfahrt. Er konnte sich seinen Kindheitstraum erfüllen und arbeitet seit 2016 beim NASA Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Kalifornien.

Seit 2016 arbeitet der Buchser Florian Kehl bei der NASA in Kalifornien. Hier war er für Testphasen in der Wüste in Chile. (Fotos: ZVG)

Raketen, Planeten und die vielen Sterne bringen nicht nur Kinderaugen zum Leuchten: Bei Florian Kehl aus Buchs war dies zwar auch schon im Kindesalter der Fall, doch auch im Alter von 36 Jahren interessiert er sich immer noch für Luft- und Raumfahrt. Er konnte sich seinen Kindheitstraum erfüllen und arbeitet seit 2016 beim NASA Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Kalifornien.

«Als Primarschüler bastelte ich Raketen mit dem NASA- und sogar dem JPL-Logo drauf und hielt Vorträge über Mars-Rover. Es war also ein Kindheitstraum, den ich mir erfüllen durfte. Ich habe allerdings auch mein Leben lang darauf hingearbeitet», erzählt Kehl. Nach 28 Jahren Ausbildung habe er seinen ersten, nicht ausbildungsorientierten Job angetreten: «Ich habe nur eine Bewerbung geschrieben. Diese ging an die NASA. Zum Glück hat es geklappt. » Da Kehl kein Astronaut ist, fragt sich der eine oder andere, was er denn bei der NASA tut. Doch was viele nicht wissen: Die NASA tut weitaus mehr, als in den Weltraum zu fliegen. Sie betreibt rund 20 Forschungszentren und hat in den USA zirka 17 000 Festangestellte. «Das Ziel unserer Gruppe ist es, Sensorsysteme zu entwickeln, die auf einer Landeinheit oder einem Rover montiert werden. Diese suchen auf anderen Planeten oder Monden innerhalb unseres Sonnensystems nach Bausteinen des Lebens », erklärt Kehl. Die Instrumente von Kehls Team befinden sich noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium. Zudem sei die Gruppe relativ klein, was dem Buchser das Glück verschafft, in allen Bereichen der Arbeit mitwirken zu können. Somit sei für ihn kein Tag wie der andere: «An einem Tag bin ich Elektroniker und entwickle die Schaltungen, um unser Gerät zu steuern, am anderen Tag bin ich Informatiker, um die Elektronik zum Leben zu erwecken », sagt Kehl. Damit aber nicht genug: Er schlüpfe hin und wieder auch in die Rolle eines Chemikers und Astrobiologen, um Biochemie hinter den Vorhängen zu analysieren oder werde zum Maschineningenieur, um das Gerät zu entwerfen und zu bauen. Somit sei Kehl etwa zur Hälfte am Computer und zur Hälfte im Labor. Die Prototypen, die Kehl mit seinem Team herstellt, müssen auch getestet werden. Das geschehe meist in «missionsrelevanten Umgebungen »: «Ich war schon dreimal in der Atacama Wüste in Chile, wo wir mehrere Wochen lang eine Mars-Rover Mission simuliert haben. Die Wüste ist staubtrocken und gleicht optisch dem Mars. Wir lebten fernab von der Zivilisation in Zelten und unter sehr einfachen Verhältnissen», erzählt Kehl. Doch nicht nur in der heissen Sonne, sondern auch im puren Gegenteil musste Kehl die Prototypen testen: «Ich durfte meine Instrumente auch in der Arktis testen. Jeden Morgen sind wir mehrere Kilometer mit Schneemobilen über das Meereis gefahren, haben Löcher ins Eis geschlagen, um dann unsere Unterwasser- Roboter im arktischen Meer auszusetzen und zu testen. Dabei haben uns bewaffnete Inuits vor umherstreunenden Eisbären bewacht.»

Gibt es da draussen Leben?

Immer wieder fragt sich der eine oder andere, ob es in den unendlichen Weiten des Alls Leben gibt. Diese Frage lässt sich bislang nicht beantworten. Dennoch versucht es der Mensch immer wieder. «Unsere Instrumente haben ausgeklügelte Methoden, die es erlauben, die untersuchten Moleküle so zu klassifizieren, sodass eine statistische Aussage gemacht werden kann, ob der Ursprung dieser Moleküle durch ‹tote›, chemische Prozesse entstanden sind oder aber lebenden Ursprungs sind», erklärt Kehl. Um die genaue Chemie und die biochemischen Prozesse dahinter zu erklären, bedürfe es jedoch mehr als nur ein paar Zeilen. Unvoreingenommen nehmen sich die Forscher der Fragestellung an, ob es «da draussen» Leben gibt: «Wir wissen die Antwort nicht. Deshalb versuchen wir sie zu beantworten. Hier auf der Erde ist jede erdenkliche Nische voller Leben. Konservativ geht man heute davon aus, dass es da draussen etwa 100 Millionen Galaxien gibt. Dabei hat jede Galaxie zirka 100 Milliarden Sterne. Um jeden Stern kreist im Schnitt mindestens ein Planet», erklärt Kehl. Weiter meint er: «Rein nur schon statistisch gesehen, wäre es sehr unwahrscheinlich – und auch egozentrisch – davon auszugehen, dass sich Leben nur auf unserem Planeten entwickelt haben sollte. » Die Instrumente, die Kehl entwickelt, sollen auf zukünftigen Missionen dienen. Bis jetzt kam allerdings noch keines seiner Instrumente zum Einsatz, doch er hoffe sehr, dass sich das schon bald ändere. «Es soll heil am Ziel ankommen und dann die erwünschten wissenschaftlichen Resultate liefern – und vielleicht sogar Spuren von Leben finden. Mein Ziel ist es, einen sinnvollen Beitrag an die Menschheit zu leisten. Ich könnte daher nie einem Beruf nachgehen, in dem ich keinen tieferen Sinn sehe», sagt Kehl abschliessend.

Andere träumen davon – Kehl hat es

Florian Kehl kann sich sehr wohl einen Glückspilz nennen, denn er lebt nicht nur den «Bubentraum», bei der NASA zu arbeiten, sondern war ausserhalb seiner Arbeit auch schon in Hollywood tätig. Zwar stand er nicht vor der Kamera, dennoch war er an diesem Ort, von dem viele träumen. «Aufgrund meines Hintergrundes wurde ich angefragt, für die von Ridley Scott produzierte Fernsehserie ‹Strange Angel› als wissenschaftlicher Berater zu fungieren », sagt Kehl. Somit durfte Kehl in einem der hohen Stühle sitzen und durch das Drehbuch blättern: «Die mehrteilige Serie handelt von den Anfängen des US-Raketenprogramms in den 1930er-Jahren, des JPL und vom Leben des exzentrischen Raketenforschers Jack Parsons, der hier in Pasadena lebte.» Kehl war verantwortlich für die wissenschaftliche und technische Korrektheit der Dialoge, lieferte Formeln und Skizzen für die in der Serie erschienenen Notizbücher oder Wandtafeln und beschrieb, wie die damaligen Raketen aussahen. «Es war eine spannende Erfahrung, auf dem Set in Hollywood zu erscheinen und der Regie über die Schultern zu schauen. Für einmal eine ganz andere, für mich ungewohnte, Sternenwelt.» Jeden Tag Neues zu entdecken, herauszufinden und zu testen, sei der richtige Job für Kehl. Fragt sich, was der NASA-Forscher tut, wenn er gerade mal nicht im Labor ist: «Ich persönlich verbringe gerne Zeit mit meiner Frau und Freunden – am liebsten in der Natur. Ich reise und wandere sehr gerne und entdecke die Welt. Zudem stehe ich gerne auf den Skiern und fotografiere. Ich fliege auch, wenn ich Zeit dafür finde.»

Steckbrief

Name: Florian Kehl

Geburtstag: 13. April 1984

Wohnort: Pasadena, Kalifornien

Ausbildung:

  • Primarschule Buchs
  • Kantonsschule Sargans
  • Auslandaufenthalt in Australien
  • Rekrutenschule und fliegerische Vorschule für Fallschirmaufklärer
  • Masterstudium in Nanophysik an der Universität Basel
  • Masterarbeit University of California in Berkeley über die Miniaturisierung und Steuerung von Raketen
  • Arbeit beim Schweizerischen Zentrum für Elektronik und Mikrotechnologie
  • Doktorat im Bereich von integrierten, optischen Biosensoren an der ETH Zürich im Labor für Biosensorik und Bioelektronik
  • Projektleiter für optische Nanostrukturen bei der Optics Balzers AG in Liechtenstein
  • Besuch American Aviation Academy in San Diego: Ausbildung Privatpilot Seit 2016 bei der NASA in Pasadena, Kalifornien
  • Nebenbei unabhängiger Rocketry und Aeronautics Consultat in der Filmindustrie von Hollywood
(um)

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