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Die 21-jährige Haagerin Lydia Andrade spielt seit vier Jahren beim FC Zürich und absolviert nebenbei eine KV-Lehre. (Foto: Ursina Marti)
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Region|28.08.2020

Ihre Leidenschaft: Fussball

Drei Brüder und eine Zwillingsschwester. Und alle fasziniert vom Fussball. Dass Lydia Andrade einmal damit Geld verdienen will, war ihr aber nicht immer klar. Heute spielt die 21-jährige Haagerin beim FC Zürich und träumt von einer Karriere im Ausland.

Die 21-jährige Haagerin Lydia Andrade spielt seit vier Jahren beim FC Zürich und absolviert nebenbei eine KV-Lehre. (Foto: Ursina Marti)

Drei Brüder und eine Zwillingsschwester. Und alle fasziniert vom Fussball. Dass Lydia Andrade einmal damit Geld verdienen will, war ihr aber nicht immer klar. Heute spielt die 21-jährige Haagerin beim FC Zürich und träumt von einer Karriere im Ausland.

Drei grosse Brüder und alle spielten Fussball. Dazu kamen dann auch Lydia Andrade und ihre Zwillingsschwester. Was aber einst als Hobby begann, ist heute weitaus mehr. «Zuerst spielte ich beim FC Haag. Immer wieder kamen Leute von der Ostschweizer Auswahl vorbei und sahen uns beim Training zu. Eines Tages wurde ich ausgewählt und durfte zum FC St. Gallen wechseln», erzählt Andrade. Nach nur eineinhalb Jahren wechselte sie zum FC Zürich und spielt dort in der ersten Mannschaft: «Ich hätte nie gedacht, dass das mal passiert. Aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass mir der Fussball einfach sehr gut gefällt.» Andrade begann also nicht nur beim FC Zürich Fussball zu spielen, sondern startete auch die Sportschule und absolviert eine vierjährige Lehre als Kauffrau. Diese wird sie im Sommer 2020 abschliessen. Trainings, Arbeit und Fussballspiele jede Woche kombiniert. Montags arbeitet Andrade den ganzen Tag, dienstags geht es zuerst mit dem Training los, dann, am Nachmittag, arbeitet sie und am Abend steht nochmals ein Training auf dem Programm. Mittwochs arbeitet Andrade den ganzen Tag hindurch und besucht am Abend das Training. Der Donnerstag startet wieder zuerst mit dem Training, dann geht sie arbeiten. Am Freitag steht jeweils das Abschlusstraining an und dann folgt samstags meist ein Spiel. Trainiert werde aber nicht nur auf dem Feld, sondern dazu gehöre auch Krafttraining und Regenerationstraining. Ausserdem müssten alle, die beim Spiel nicht viel Einsatz hatten, montags ein Extratraining absolvieren. Somit besteht die Woche der Sportlerinnen grösstenteils aus Arbeit und Training.

(Foto: Laura Kaufmann)

Ein grosser Traum

Bevor es von Zürich ins Ausland geht, hat Andrade einen anderen Wunsch wie viele Fussballerinnen: «Eines Tages möchte ich gerne in der Schweizer Nationalmannschaft spielen und auch grosse Turnieren miterleben.» Immer wieder gäbe es Besuch vom Nationaltrainer der Frauen bei den Zürchern und wer ihm auffalle habe bestimmt das Glück, in die Mannschaft aufgenommen zu werden. Dass sie Talent hat, zeigte sich schnell, denn Andrade durfte ziemlich schnell aufs Feld und spielen. Doch zur Stamm-Elf gehöre sie nicht. Dies sei aber ihr nächstes Ziel. Jeder wolle 90 Minuten auf dem Feld stehen und nicht von der Bank aus zusehen. Die Zukunftspläne der Haagerin sind klar: Zuerst in die Zürcher Stamm-Elf, dann in die Schweizer Nationalmannschaft und eines Tages im Ausland durchstarten. Die junge Rheintalerin pendelt jeden Tag nach Zürich, denn sie wohnt noch in Haag bei den Eltern. Sie steht morgens auf und reist nach Zürich. Abends geht es wieder zurück nach Hause. Das klinge zwar nach anstrengenden Tagen, aber man gewöhne sich daran: «Klar, manchmal würde ich auch gerne im Bett liegen bleiben, doch das ist mein Alltag und wenn ich drin bin, geht es.» Die Saison startet im Februar und dauert bis Ende Mai. Bereits im Juni geht es bis August weiter mit der Vorbereitung und dann startet die neue Saison. Viel Freizeit bleibe also nicht: «Freizeit bleibt mir kaum, ich habe aber mittlerweile viele Freunde in Zürich. Manchmal gehen wir vor oder nach dem Match, oder auch nach dem Freitagstraining gemeinsam etwas trinken oder essen.»

(Foto: Laura Kaufmann)

Eine Zukunft im Ausland

Praktisch jeder und jede Fussballer/- in träumt vom Sprung in eine angesagte und erfolgreiche Mannschaft, so auch Andrade: «Nach meiner Ausbildung möchte ich zuerst einmal Berufserfahrung sammeln, dann aber mit dem Fussball durchstarten und Geld verdienen. Mein Traum wäre es, in Frankreich oder England Fuss zu fassen.» Frauen hätten heute zwar bessere Chancen als früher, dennoch niemals die dieselben, wie Männer. Zwar sei der FC Zürich ein Topverein, doch um wirklich erfolgreich zu sein, müs-se man es im Ausland versuchen. Fussballnationen wie England, Frankreich oder Italien seien da eine gute Wahl. «Wenn man täglich daran arbeitet und an sich glaubt, kann man es schaffen», so Andrade. Ein Lachen entgleitet ihr darauf bei der Frage, ob ihre Familie denn stolz auf sie sei: «Ich glaube, meine Familie ist schon stolz auf mich.»

Lionel Messi ist nicht der Einzige

Bei den meisten Jungtalenten und begeisterten Fussballern folgt meist dieselbe Antwort auf die Frage, wer den ihr grosses Vorbild sei: Lionel Messi. Doch das argentinische Talent ist nicht die Nummer eins für Andrade. Sie bewundert vor allem die Spieler an ihrer Sportschule und beobachtet und analysiert auch gerne deren Spielweise, um dazuzulernen. Dennoch, ein grosses Vorbild hat auch die Rheintalerin: Für sie ist der 28-jährige Brasilianer Neymar einer der besten Spieler. Wer mal gross werden möchte, müsse halt klein anfangen: «Der FC Zürich ist ein gutes Sprungbrett für viele, doch es gibt in der Schweiz auch noch andere Vereine. Für mich ist aber Zürich die erfolgreichste Mannschaft.» Der FC St. Gallen stieg neu in die erste Liga auf, dann sei auch der FC Basel, der FC Luzern, der FC Genf aber auch die Young Boys oder die Grasshopper mit ihnen in der Gruppe. Doch eines Tages würde Andrade auch mal gerne gegen Barcelona spielen. Gegen Juventus und AC Milan stand sie bereits auf dem Feld. Dass die Männerdomäne im Fussball massiv ist, das weiss jeder und es sei auch Wahnsinn, was die Männer verdienen: «Es ist eindeutig nicht ausgeglichen, was Männer bekommen und was die Frauen. ‹Gespunnen› ist das. Die einen Frauen bekommen bei uns in der Schweiz gar nichts. Wir aber haben aber das Glück, dass wir Siegesprämien bekommen.» Ausserdem hätten Einzelspielerinnen und auch die Mannschaft Sponsoren. «Natürlich verdient eine Fabienne Humm mehr als ich. Sie spielte immerhin auch schon an grossen Anlässen wie einer Weltmeisterschaft mit. Und zudem macht es auch einen Unterschied, ob man auf der Bank sitzt oder auf dem Feld steht.» Dennoch, an einen Lohn eines Fussballers komme eine Frau nicht heran – nicht mal die Hälfte davon verdiene eine Frau.

(um)

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