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Rolf Vetsch ist bereits die 6. Generation, die im Familienbetrieb der Mosterei Vetsch in Grabs «Chörbliwasser» herstellt. (Fotos: Ursina Marti)
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Region|28.08.2020

Das über 100-jährige «Chörbliwasser»ist noch immer ein Verkaufshit

Es ist nicht ganz klar, wie und warum das «Chörbliwasser » zur Spezialität wurde. Was aber klar ist, dass es in Werdenberg schon vor über 100 Jahren als Heilmittel verwendet wurde. Neben Most, Bier oder Wein war bei der Mosterei Vetsch in Grabs auch die Herstellung von «Chörbliwasser» immer ein wichtiger Termin im Kalender.

Rolf Vetsch ist bereits die 6. Generation, die im Familienbetrieb der Mosterei Vetsch in Grabs «Chörbliwasser» herstellt. (Fotos: Ursina Marti)

Es ist nicht ganz klar, wie und warum das «Chörbliwasser » zur Spezialität wurde. Was aber klar ist, dass es in Werdenberg schon vor über 100 Jahren als Heilmittel verwendet wurde. Neben Most, Bier oder Wein war bei der Mosterei Vetsch in Grabs auch die Herstellung von «Chörbliwasser» immer ein wichtiger Termin im Kalender.

Bereits im Mai und Ende Juni konnte Rolf Vetsch Kerbelkraut fein hacken und zu «Chörbliwasser » verarbeiten. Früher bekamen sie das Kraut von Bauern, heute liefert ihnen auch das Kloster von Walzenhausen meistens dreimal jährlich Kerbelkraut. «Im Jahr gibt es drei Schnitte der Pflanze. Meist kann man wegen des Wetters aber nicht alle benutzen. Ist es zu heiss, verbrennen die Pflanzen. Regnet es zu viel, hängen sie und man muss sie zurückschneiden », erklärt Vetsch. Dieses Jahr sei aber ein gutes: Alle drei Schnitte konnten verarbeitet werden und somit hat Vetsch auch eine gute Menge an «Chörbliwasser » hergestellt. Aus einem Kilo Kerbelkraut gewinnt er gut 1,8 Liter dieses Heilmittels.

Woher stammt es?

Niemandem ist wirklich bekannt, woher das «Chörbliwasser» kommt. Doch jegliche Vermutungen führen in den Raum Werdenberg. Laut einem ehemaligen Buchser Lehrer namens Hansjakob Gabathuler, habe schon seine Grossmutter, die 1900 geboren wurde, das «Chörbliwasser» gekannt. Man könne also davon ausgehen, dass es mindestens 100 Jahre alt ist. «Wer das ‹Chörbliwasser› erfunden hat, weiss ich auch nicht genau. Bei uns gab es das einfach immer schon. Schon mein Grossvater hat es hergestellt und wir machen damit weiter, weil es einfach immer noch gebraucht wird und auch hilft», erzählt Vetsch. Das Heilmittel aus dem Werdenberg gehe meist weg wie warme Semmeln. Denn wenn Drogerien es kaufen, sei schnell alles weg: «Immer mehr Leute kaufen es wieder. Viele wollen wieder mehr natürliche und auch regionale Produkte kaufen.» «Chörbliwasser» hat den Geschmack von Anis – was nicht gerade Jeder gerne hat. Aber weil man es gerade für vieles verwenden kann, trinken es doch viele. Die meisten verwenden es als Kur zur Blutverdünnung, bei hohem Blutdruck, Kopfschmerzen, Schwindel und der Neigung zu Venenentzündungen. Dabei solle man dreimal täglich ein Schnapsglas voll «Chörbliwasser» vor dem Essen trinken. Zudem sei es auch bei Sportlern ein beliebtes Mittel und werde als Destillat kalt auf die Verletzung gelegt. Und auch Verstauchungen, Quetschungen oder Prellungen, bei eitrigen Wunden, Umläufen an den Fingern und Ekzemen helfe das «Chörbliwasser». Weiter nütze das Heilmittel auch Frauen mit Milchknoten in der Brust oder auch bei schmerzenden Gichtknoten. Somit lohne es sich, eine Flasche jeweils im Haushalt bereit zu haben, erklärt Vetsch: «Lagert man die Flasche im Kühlschrank, ist sie ein Jahr lang haltbar.»

Mit einer uralten Schneidemaschine wird das Kerbelkraut gehackt, bevor es im gros­sen Kochtopf der Häfelibren­nerei landet.

Vom Kerbelkraut zum «Chörbliwasser»

Ein grosser Haufen Kerbelkraut liegt vor den Füssen Vetschs und wird in einem recht einfachen Prozess verarbeitet. Dafür müsse er das Kraut zuerst fein hacken: «Wenn ich das Kraut zuerst feinhacke, kommt der Saft viel besser aus der Pflanze. Davon ist vor allem viel im Stiel vorhanden.» Danach kommt die gehackte Pflanze in den Brennbehälter, der sogenannten Häfelibrennerei, und wird mit Wasser aufgefüllt. Unter dem Behälter ist ein Ofen, damit der «Sud» oben kochen kann. Dann entstehe wie beim Schnaps-brennen Dampf. Dieser dringt durch ein Rohr in den Kühlbehälter und verwandelt sich wieder in Flüssigkeit. Danach läuft das fertige «Chörbliwasser» durch einen Schlauch in den Kanister und fertig ist das Heilmittel. «Viele denken, dass das ‹Chörbliwasser› Alkohol enthält. Das stimmt aber nicht. Die Schnapsbrennmaschine filtert das Destillat heraus. Mit Alkohol hat das nichts zu tun», erklärt Vetsch. Werde beispielsweise Zwetschgenschnaps hergestellt, müsse dieser zwei bis drei Monate gären. Erst dann entstehe der Alkohol. Dann werden die gegärten Zwetschgen auch gebrannt. Im selben Prozess wird aus den Früchten das Destillat herausgewonnen und so entstehe der Schnaps. Bei diesem gebe es allerdings zwei Durchgänge, denn dann müsse man den sogenannten Feinbrand machen – das sei beim «Chörbliwasser» nicht der Fall. Vetsch kann bei seinem Schnapsbrennofen jeweils zwei Sude gleichzeitig aufsetzen. Dabei gehe es pro Sud gut vier Stunden, bis er wieder neues Kerbelkraut mit Wasser aufsetzen könne. Vor Ort sein muss er trotzdem, denn er müsse stets Holz in den Ofen nachlegen. Die Schneidemaschine sowie der Brennofen gehören schon lange zum Inventar der Familie Vetsch in Grabs. 1876 gründeten Mathias und Andreas Vetsch die Mosterei mit Sägerei und Landwirtschaft. Heute ist der 31-jährige Grabser bereits in der sechsten Generation mit dabei und hält die Traditionen am Leben.

Rolf Vetsch geniesst es, im Familien­betrieb zu arbeiten und auch die Tradi­tionen wie das «Chörbliwas­ser» weiterzuführen.
(um)

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