Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Nach dem Unglück führte der Verkehr über die Notbrücke (links). Währenddessen entstand die heutige Autobrücke. (Foto: Landesarchiv / LI LA SgAV 01 N 008 306)
Vermischtes
Region|28.08.2020

Plötzlich sackte die Fahrbahn ab

Vor 50 Jahren, am 14. August 1970, stürzte die Rheinbrücke zwischen Schaan und Buchs ein. Wie durch ein Wunder gab es keine Todesopfer zu beklagen. Schuld am Unglück war der langjährige Kiesabbau aus dem Flussbett.

Nach dem Unglück führte der Verkehr über die Notbrücke (links). Währenddessen entstand die heutige Autobrücke. (Foto: Landesarchiv / LI LA SgAV 01 N 008 306)

Vor 50 Jahren, am 14. August 1970, stürzte die Rheinbrücke zwischen Schaan und Buchs ein. Wie durch ein Wunder gab es keine Todesopfer zu beklagen. Schuld am Unglück war der langjährige Kiesabbau aus dem Flussbett.

Ein gewöhnlicher Freitagabend: Um 17.15 Uhr herrscht auf Liechtensteins Strassen Feierabendverkehr. Drei Autofahrer überqueren die Rheinbrücke zwischen Schaan und Buchs – mit den Gedanken wahrscheinlich schon im Wochenende versunken – als ein Ruck sie schlagartig in die Realität zurückholt. Auf der Schweizer Seite knickt einer der Brückenpfeiler ein und reisst die Fahrbahn mit sich. Einer der Lenker schafft es noch rechtzeitig zum Ufer, die anderen beiden Fahrer haben weniger Glück. Ihre Autos stürzen in die Tiefe. Im selben Moment sieht eine weitere Person das Unglück aus einer anderen Perspektive: Ein Baggerfahrer unter der Brücke muss mit Entsetzen feststellen, dass einer der Pfeiler nachgibt und die Fahrbahn über ihm einbricht. Er schafft es jedoch noch rechtzeitig aus seinem Fahrzeug, ehe dieses von den Trümmern begraben wird. Wie durch ein Wunder kommen alle Beteiligten mit dem Schrecken davon – auch alle Autofahrer. Zwei davon verletzten sich leicht, wobei einer ins Krankenhaus gebracht werden muss. Die andere Person kann die medizinische Behandlung bereits vor Ort wieder verlassen. Die 41-jährige Brücke stürzte nicht etwa wegen Baufälligkeit ein. Vielmehr hatten andere Faktoren ihre Finger im Spiel: Seit Anfang der 1950er-Jahre entnahmen mehrere Baufirmen Kies aus dem Rhein. Dadurch senkte sich im Lauf der Jahre die Flusssohle ab. Dennoch galt die Brücke weiterhin als sicher. Die Behörden reagierten erst, als der Rhein wenige Tage vor dem Unglück Hochwasser führte. Die Wassermassen hatten die Fundamente der Pfeiler geschwächt. Von nun an durfte der Schwerverkehr – alles, was schwerer als 3,5 Tonnen war – die Brücke nicht mehr überqueren. Ein hartes Pflaster für den Werksverkehr zwischen Liechtenstein und der Schweiz. Immerhin war die Brückenverbindung zu jener Zeit die einzige im Fürstentum, die für den Schwerverkehr zugelassen war. Neben dieser Sperrung ordnen die Behörden aber auch bauliche Massnahmen an. Das erklärt auch, warum sich zum Zeitpunkt des Einsturzes ein Bagger unter der Brücke befand: Dieser sollte verhindern, dass die Strömung die Pfeiler unterspült – was bekanntlich nicht gelang.

Die ein­gestürzte Brücke vom Schweizer Ufer aus ­gesehen. (Foto: Landesarchiv / LI LA B 12S2 002 013)

Die Lehre aus dem Unglück

Wie so oft lernte der Mensch aus der Katastrophe. Schnell war klar, dass die abgesunkene Rheinsohle Grund für den Einsturz der Brücke war. Um dem in Zukunft entgegenzuwirken, durften Bauunternehmen bereits drei Jahre nach dem Zwischenfall keinen Kies mehr aus dem Rhein entnehmen. Das hatte nebenbei sowieso auch ökologische Folgen. Durch den Abbau senkte sich nämlich der Grundwasserspiegel. Das wirkte sich teils verheerend auf die Gewässer aus, da diese schneller austrocknen konnten. Und was geschah mit dem Verkehr? Dieser rollte bereits am 28. November desselben Jahres wieder an – zumindest für Autos – Lastwagen durften ab dem 7. Dezember wieder über die Brücke. Die Bauarbeiten an der entsprechenden Notbrücke dauerten nur zwei Monate. Sie stand zudem auf den noch intakten Pfeilern der alten Brücke. Sieben Jahre lang diente sie als Verkehrsübergang, ehe am 24. September 1977 die heutige Strassenbrücke eröffnete. Die Notbrücke wurde daraufhin gesprengt. Damit war die Unglücksbrücke ein für allemal beseitigt.

(mw)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Vermischtes
Region|heute 08:36 (Aktualisiert heute 09:07)
«Pätch», ein bisschen OLMA
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2017, Alle Rechte vorbehalten.
Volksblatt Werbung