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Dass Telefonbetrüger ihr Unwesen treiben, ist nicht neu, trotzdem ist die Anzahl Fälle erschreckend. (Fotos: SSI)
Crime
Region|23.10.2020

Kolumne: Telefonbetrüger

Nebst der aktuell hohen Anzahl von Werbeanrufen und ominösen telefonischen Umfragen werden die Schweizerinnen und Schweizer immer wieder Opfer von Telefonbetrügern sowie von Betrügern, die sich ihre Opfer per E-Mail angeln. Leicht- oder gutgläubig werden von den Opfern die Anrufe entgegengenommen oder die E- Mails beantwortet und meist nach Kurzem werden Kontaktdaten, persönliche Informationen und später nicht selten sogar Wertsachen oder Bargeld herausgegeben.

Dass Telefonbetrüger ihr Unwesen treiben, ist nicht neu, trotzdem ist die Anzahl Fälle erschreckend. (Fotos: SSI)

Nebst der aktuell hohen Anzahl von Werbeanrufen und ominösen telefonischen Umfragen werden die Schweizerinnen und Schweizer immer wieder Opfer von Telefonbetrügern sowie von Betrügern, die sich ihre Opfer per E-Mail angeln. Leicht- oder gutgläubig werden von den Opfern die Anrufe entgegengenommen oder die E- Mails beantwortet und meist nach Kurzem werden Kontaktdaten, persönliche Informationen und später nicht selten sogar Wertsachen oder Bargeld herausgegeben.

Vor Kurzem habe ich mich mit dem bekanntesten Schweizer Anwalt, Dr. iur. Valentin Landmann, über das Thema Betrug unterhalten. Dabei verblüfften mich dessen Äusserungen zu diesem Thema, denn die Zahl der Strafanzeigen und der hängigen Fälle in Sachen Betrugsdelikte, gerade solche, die übers Telefon und Internet begangen werden, ist grösser als vermutet. «So was kann mir nie passieren. » oder «Wie naiv muss man denn sein, dass man auf so etwas reinfällt!» sind oft ausgesprochene und weit verbreitete Meinungen im Volk und doch passiert es immer wieder. Ein Fall nach dem anderen kommt zutage, ein Bankkonto nach dem anderen wird geplündert. Wie kommt es dazu und welche sind die gängigen Maschen, mit denen die Betrüger am häufigsten durchkommen? Eine besonders dreiste Masche habe ich vor Kurzem im eigenen Umfeld vernommen. Eine ältere Frau, die mit ihrer erwachsenen Tochter zusammen auf dem Land lebt, wurde von einem Betrüger telefonisch kontaktiert. «Mein Name ist Müller von der Polizei», begrüsste dieser die Dame. Danach erklärte ihr der Fake-Polizist am anderen Ende der Leitung, dass man vergangene Nacht nur eine Strasse weiter einen Einbrecher geschnappt hätte. Der Einbrecher gehörte mit grösster Wahrscheinlichkeit zu einer Bande, die anderen wären jedoch entwischt. Man hätte bei dem Verhafteten in der Hosentasche eine Liste mit verschiedenen Namen und den dazugehörigen Adressen gefunden, darunter auch die Daten der älteren Dame. «Oh jemine, das ist ja schrecklich, zum Glück haben Sie den Typen erwischt», äusserte sich die Dame, mittlerweile im festen Glauben, dass es sich bei dem Anrufer um einen Polizisten handelte. Der Fake- Polizist hatte erreicht, was er wollte. Anschliessend fuhr er mit Phase zwei seines Plans fort: «Leider haben wir nur einen erwischt. Nun gehen wir davon aus, dass seine Kollegen weitermachen. Falls diese dieselbe Liste befolgen, so sind auch Sie in Gefahr.» Der Betrüger bot der älteren Dame an, sämtliche Wertsachen aus dem Haus in eine grosse Tasche zu packen. Ein Polizeibeamter würde die Tasche am Folgetag abholen, um die Wertsachen im Polizeirevier in einem Tresor zu verstauen. Die ältere Frau sollte anschliessend für einige Tage ein Hotelzimmer beziehen, bis man den Rest der Bande geschnappt hätte oder bis man davon ausgehen könnte, dass das Haus der älteren Dame kein potenzielles Ziel mehr wäre. Zum Pech des Betrügers war die ältere Dame nicht nur körperlich, sondern auch geistig sehr fit. Bei Phase zwei durchschaute sie den Versuch des Betrügers: «Mein Sohn ist auch Polizist, er wohnt bei mir und er kann die Wertsachen direkt mitnehmen. Zudem habe ich ja zwei grosse Rotweiler, die mich beschützen, sollte jemand Unbefugter das Haus betreten.» Den zweiten Satz konnte die ältere Dame nicht zu Ende sprechen, schon war der Anruf abgebrochen. Doch kaum war bei der rüstigen Rentnerin der Anruf beendet, klingelte bereits bei der nächsten das Telefon. 

Traurigerweise sind solche Betrügereien öfters erfolgreich als man denkt. Zu dem vorherigen Beispiel gilt es im Übrigen anzumerken, dass die Polizei niemals zu Hause anruft, sondern sie entweder direkt vorbeikommt oder einem ein schriftliches Aufgebot zukommen lässt, im Revier vorbeizukommen. Hätte die ältere Frau dies gewusst, so hätte sie den Betrüger bereits in Phase eins entlarven können. Es sind aber nicht nur ältere Menschen, die den Betrügern zum Opfer fallen. Mittlerweile trifft es immer mehr Frauen und Männer im mittleren Alter, in manchen Fällen geraten ganze Familien in enorme Schwierigkeiten. Vielen von ihnen droht der totale Existenz-Verlust. Valentin Landmann vertritt aktuell eine Familie, die gutgläubig Geld in ein ausländisches Finanzinstitut gesteckt hat. Eine sechsstellige Summe wurde von der Familie investiert, doch die Investition stellte sich rasch als bodenloses Fass heraus – auch dies eine nicht seltene Masche. Sobald der Zahlungseingang bei den Betrügern erfolgt ist, verschwinden die Scheinfirmen aus dem Internet und aus ihrem Büro. Erst wenn das Geld der Betrüger wieder rar wird, werden neue Büroräume bezogen, neue Webseiten aufgeschaltet und neue Prospekte gedruckt. Viele warten nicht einmal ab und fahren direkt nach dem Zahlungseingang unter neuem Namen fort. Auch Liechtenstein und Deutschland kennen dieses Problem. Gerade die «Enkeltrickbetrüger » waren in den letzten Monaten wieder vermehrt ein problematisches Thema in den Medien. Ganze Ersparnisse, der Notgroschen oder die Monatsrente wurden von Rentnern an einen angeblichen Enkel bezahlt, der sich nach vielen Jahren endlich wieder einmal gemeldet hat, der sie seit einigen Wochen regelmässig anruft, dem es so peinlich ist, sich erst jetzt zu melden, gerade noch in einer finanziell schwierigen Lage. Meist bitten sie nicht einmal um Geld, sondern kriegen es noch angeboten. Die Betrüger schrecken vor nichts zurück. Oft stecken ganze Banden dahinter. Das Büro oder der Enkel, welche man nicht unweit von sich entfernt vermutet, befinden sich irgendwo im tiefen Ausland in einer Einzimmerwohnung. Für die Polizei sind solche Fälle besonders schwierig zu behandeln. Die Betrugsfälle sind oft mit enormen Recherchearbeiten verbunden und nicht selten verstricken sie sich ins Ausland, wo dann in manchen Fällen gar kein Kooperationswille vorhanden ist, die Ermittlungen zu unterstützen. Die Adventszeit naht bereits wieder, eine besinnliche Zeit und zugleich eine Zeit, in der diese Besinnlichkeit der Leute gerade von Betrügern, wie in den oben genannten Beispielen beschrieben, schamlos ausgenutzt wird. Und genau deshalb ist es wichtig, das Thema immer wieder zu behandeln, die Leute zu informieren, sie zu warnen und den einen oder anderen so vor seinem finanziellen Ruin zu bewahren.

(smc)

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