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Marlon Brando als Mafia boss Vito Corleone aus «Der Pate». (Foto: SSI)
Crime
Region|20.11.2020

Kolumne: Mafia-Wohlfühloase

Unter dem Motto «Der Familie zu dienen, ist das höchste Gebot» leben auch heute noch Mitglieder der italienischen Mafia unter uns. Die gut strukturierten «Familien» operieren inmitten der Schweizer Gesellschaft, jedoch meist weniger auffällig, als man es aus amerikanischen Filmen wie zum Beispiel dem Klassiker «Der Pate» kennt, ein Film, mit dem der Hauptdarsteller Marlon Brando in seiner Rolle als «Vito Corleone» quasi den Massstab für einen richtigen Mafiapaten in unseren Köpfen verankerte.

Marlon Brando als Mafia boss Vito Corleone aus «Der Pate». (Foto: SSI)

Unter dem Motto «Der Familie zu dienen, ist das höchste Gebot» leben auch heute noch Mitglieder der italienischen Mafia unter uns. Die gut strukturierten «Familien» operieren inmitten der Schweizer Gesellschaft, jedoch meist weniger auffällig, als man es aus amerikanischen Filmen wie zum Beispiel dem Klassiker «Der Pate» kennt, ein Film, mit dem der Hauptdarsteller Marlon Brando in seiner Rolle als «Vito Corleone» quasi den Massstab für einen richtigen Mafiapaten in unseren Köpfen verankerte.

Anders, als man es vermuten würde, leben die in der Schweiz niedergelassenen italienischen Mafiamitglieder sehr unauffällig und äusserst gut integriert. Allein in der Schweiz geht man von über 400 Mitgliedern aus, welche vom Alpenland her im In- und Ausland seelenruhig operieren, ohne jemals in den Fokus der Strafverfolgungsbehörde zu gelangen. Eine der bekanntesten «Familien» ist die kalabrische Ndrangheta, die auch in der Schweiz immer mal wieder für Schlagzeilen sorgt. Seit über vierzig Jahren hat sie einen Teil ihres Netzwerkes in die Schweiz verlagert. Weltweit schätzt man den Jahresumsatz dieser Organisation auf 53 Milliarden Euro ein, und somit hat sich die Organisation in der Liste der «Top Mafia Familien» klar den ersten Platz gesichert. Die Ndrangheta dominiert seit Jahren den Waffen- und Drogenhandel und ist ebenso bekannt für ihre Falschgeld- Produktion. In der Schweiz geht man nach neusten Zahlen von 400 Personen, respektive von 20 Clans aus, welche bei der Organisation tatkräftig mitwirken. Wie unauffällig sie sich auch bewegen, trotz aller Vorsicht muss die Organisation immer mal wieder eine Niederlage einstecken. So sickert durch die Medien auch ab und zu ein Stück Information zur Bevölkerung durch. Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass es sich dabei nur um einen Bruchteil von Information handelt. 2016 wurden im Wallis drei Männer verhaftet, nachdem man kurz zuvor im Kanton Thurgau angeblich eine ganze Zelle zerschlagen hatte. Auch dieses Jahr sorgte die Ndrangheta für Schlagzeilen. Für einen Grosseinsatz wurden die Schweizer Bundesanwaltschaft, die Bundespolizei Fedpol, sowie Polizistinnen und Polizisten aus verschiedenen kantonalen Polizeikorps hinzugezogen. Es wurden Hausdurchsuchungen in den Kantonen Aargau, Solothurn, Zug und im Tessin durchgeführt. Dabei wurden zahlreiche Beweismittel sichergestellt, darunter Waffen, Munition und Bargeld. Insgesamt wurden Waren im Wert von 169 Millionen Euro konfisziert. Es kam sogar zu einer Festnahme. Dabei handelte es sich um ein Mitglied der Ndrangheta, das unter anderem für den grossen Boss «Rocco Anello» in den Waffen- und Drogenhandel verwickelt war. Was für die Schweiz als grosser Erfolg in Sachen Mafia-Bekämpfung gewertet werden durfte, wurde in Italien höchst wahrscheinlich lediglich mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen. Während in der Schweiz Razzien solcher Art und die Zerschlagung einer Mafiazelle schon als seltener und äussert erfolgreichen Gegenschlag betrachtet werden, sind solche Razzien in Italien der Alltag. Doch Familien wie die Ndrangheta verfügen über viele Jahrzehnte Erfahrung, über gute Vernetzungen und interne wie auch externe Berater, sodass davon ausgegangen werden kann, dass die Risiko- und Verlustkalkulation minuziös durchgeplant und einzelne Niederschläge durch die Mehrzahl der Erfolge wieder ausgeglichen werden. Während man in Italien noch einige Mafiosos vorfindet, die auch genau nach dem Leben eines Klischee-Mafiosos leben, haben sich die Schweizer Mitglieder ihrer neuen Heimat angepasst und leben unauffällig. Es sind sogar hohe Mitglieder bekannt, die jahrelang auf dem Bau gearbeitet und eine bescheidene Wohnung belebt haben. Mafia- Clans sind kein Mythos, sie sind ein Bestandteil unserer Gesellschaft, eine eigene kleine Parallelgesellschaft, die es auch in Zukunft unter sich stetig verändernder Struktur und Vorgehensweise immer geben wird.

(smc)

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