Nina, Katja und Michelle Zünd aus Kriessern fahren seit Kindheitstagen Motocross und könnten sich nicht vorstellen, damit aufzuhören. Der Schlamm und Dreck ist ihr Zuhause. (Foto: Michael Zanghellini)
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Region|18.12.2020

Drei Schwestern, drei Motoren, eine Leidenschaft

Laute Motoren, Staub oder auch sind die Leidenschaft der Geschwister Zünd aus Kriessern. Katja, Nina und Michelle Zünd fahren nämlich seit sie kleine Mädchen sind Motocross und haben wohl nicht nur Benzin im Blut, sondern auch das Gen für dieses Hobby geerbt.

Nina, Katja und Michelle Zünd aus Kriessern fahren seit Kindheitstagen Motocross und könnten sich nicht vorstellen, damit aufzuhören. Der Schlamm und Dreck ist ihr Zuhause. (Foto: Michael Zanghellini)

Laute Motoren, Staub oder auch sind die Leidenschaft der Geschwister Zünd aus Kriessern. Katja, Nina und Michelle Zünd fahren nämlich seit sie kleine Mädchen sind Motocross und haben wohl nicht nur Benzin im Blut, sondern auch das Gen für dieses Hobby geerbt.

Unscheinbar, freundlich und fröhlich. So könnte man die drei Schwestern aus dem unteren Rheintal beschreiben. Doch sie haben es faustdick hinter den Ohren.

Ein Blick in die Garage beweist dies: Drei «Motocrosstöffs» stehen nebeneinander bereit, um bald wieder auf die Piste zu gehen. Das alles hat aber buchstäblich klein angefangen, erzählt Katja Zünd: «Unser Vater fuhr Motocrossrennen. Wir waren schon als kleine Kinder immer dabei. Wir hatten kleine «Töffs» und konnten damit im Rennpark umherfahren. Als unser Vater aufhörte, haben wir seine Leidenschaft erst richtig übernommen. »

Beruf und Leidenschaft brauchen gute Planung

Die drei sind sozusagen Vollzeitsportlerinnen neben ihren Berufen. Katja ist als Sport- und Informatiklehrerin an der Oberstufe tätig, Nina arbeitet seit ihrem Bachelorabschluss im Sommer am Kantonsspital St. Gallen, und Michelle besucht die Physioschule in Landquart. Trotz Job sei aber immer noch genügend Zeit, um aufs Motorrad zu steigen. Aber wie? «Wir schauen schon, dass wir am Montag nach der Arbeit nicht zu viel geplant haben. Den Rest der Woche ist aber eigentlich jeden Abend etwas los», erzählt Katja. Joggen, Biken, Wandern, Krafttraining, Rennvelofahren oder wenn Schnee liegt Langlaufen sind nur eine Handvoll Aktivitäten, denen die Zünd- Schwestern nachgehen. Früher waren die drei vor allem in der Leichtathletik aktiv. Doch inzwischen haben alle damit aufgehört. Im Turnverein im Dorf sind die drei aber noch immer dabei.

Nebst dem Training auf dem Acker oder der Renn­strecke, verbringen die drei Schwe­stern auch viel Zeit im Sportraum.

Mehr als nur auf dem «Töff» sitzen

«Im Ganzen sitzen wir vielleicht 30 Prozent auf dem Motorrad. Der Rest ist anderes Training», sagt Michelle. Ihr Training könne man mit dem eines Eishockeyspielers vergleichen, sagt Katja: «Viele denken, wir sitzen nur auf den ‹Töff› und fahren los. Das ist aber nicht so. Erst einmal müssen wir die Grundlagen trainieren. Krafttraining ist ebenso wichtig wie Ausdauer- und Gleichgewichtstraining. » Grundsätzlich müsse der ganze Körper gut trainiert sein, erklärt Nina: «Auch die Beinkraft ist wichtig, weil wir auf dem Motocross immer aufstehen und wieder absitzen müssen. Und zudem braucht es auch eine gute Rumpfkraft.»

Auf das Tun der drei Schwestern sind die Eltern stolz. Ihr Vater dachte einst, sie würden damit wieder aufhören, doch dass sie bis heute mit Leidenschaft beim Motocrosssport dabei sind, freue ihn sehr. «Auch Mama findet es heute cool, was wir tun. Dies, obwohl sie lange dachte, wir den damit aufhören und Leichtathletik machen», erzählt Nina. Aber es ist ja nicht so, dass es sich «nur» um ein Hobby handelt: Die Drei seien nämlich tatsächlich auch gut in dem, was sie tun. Katja und Nina fahren nämlich beide in den Top Ten der Schweiz. Michelle ist noch schneller und mischt vorne mit. Die vergangenen zwei Jahre durfte sie auf dem zweiten Platz stehen, in diesem Jahr wurde sie Sechste. An die Spitze zu kommen, sei aber schwierig, sagt Michelle: «In der Schweiz sind wir gut 30 Frauen. Der Kampf findet meistens zwischen dem ersten und zweiten Platz statt. Die, die auf dem obersten Treppchen sitzen, fahren auch bei Weltmeisterschaften mit. Das sind Profis.» Doch was nicht ist, könne ja noch werden. Michelle hat auf jeden Fall noch grosse Träume: «Ich will natürlich wieder vorne mitmischen. Ein grosser Wunsch von mir wäre es aber auch, einmal bei einer Weltmeisterschaft mitzufahren. Dafür muss ich aber noch viel trainieren. Am besten wäre es natürlich, wenn die Weltmeisterschaft in der Schweiz stattfinden würde.»

(Foto: Iwan Göldi)

Schwestern und Konkurrentinnen

Fürs Training hat die Jüngste im Bunde, Michelle, Mitstreiterinnen, die ihr auf der Rennstrecke hinterherjagen. Denn von den Schwestern des normalen Lebens bleibt auf der Rennstrecke nicht viel übrig. Das habe Vor- und Nachteile. «Wir fahren immer gegeneinander. Als Schwester ist man aber ein bisschen sanfter als bei der anderen Konkurrenz», sagt Nina. Und die Jüngste sei sowieso aus dem Schneider. Sie ist die Schnellste der Dreien. Was die Zünd-Schwestern tun, finden die einen toll, die anderen gefährlich, erzählt Nina: «Die meisten Menschen reagieren positiv auf unser Hobby. Viele fragen aber, wie es denn mit Verletzungen aussieht. Diese Frage kommt auch meistens bei Berufskollegen auf. Viele denken, dass wir uns viel verletzen. Das stimmt aber nicht.» Die drei haben keine Angst vor ihrem Hobby, vielmehr ist es Respekt.

(Foto: Iwan Göldi)

Trainiert wird bei den Nachbarn

Die Zünd-Schwestern trainieren in Triesen oder Möggers in Österreich. Im Winter geht es nach Italien. In der Ostschweiz gäbe es praktisch keine Rennstrecke für Motocrossfahrer. «Bei uns hat es nicht so viele Strecken. Wenn, dann eher in der Romandie und im Kanton Bern.» Doch dank den Bauern im Dorf können sie ab und zu praktisch vor der Haustüre trainieren. «Wenn sie nichts angepflanzt haben, dürfen wir auch dem Acker fahren, was uns sehr hilft», sagt Nina. Eine Rennstrecke in der Gegend zu bauen, sei aber schwierig. Es brauche viel Geld und einen geeigneten Platz. Die Anfahrt müsste gut sein und neben einem Wohnquartier gehe das auch nicht, wegen des Lärms. Doch die drei sind froh, trotz Anreise, nach Triesen oder Möggers gehen zu können.

(um)

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