Das Unternehmen «Baumfreunde» der Familie Jud aus Kaltbrunn ist beliebt. Sie vermieten alle Jahre zu Weihnachten viele Christbäume und sammeln sie danach wieder ein. (Foto: ZVG)
Vermischtes
Region|18.12.2020

Kaufen, schmücken, feiern, zurückbringen

In der Schweiz und Liechtenstein werden jährlich viele Christbäume gekauft. Nach den Festtagen entsorgt man die Bäume allerdings schon wieder. Wirklich nachhaltig ist das nicht. Aber man kann sie auch mieten.

Das Unternehmen «Baumfreunde» der Familie Jud aus Kaltbrunn ist beliebt. Sie vermieten alle Jahre zu Weihnachten viele Christbäume und sammeln sie danach wieder ein. (Foto: ZVG)

In der Schweiz und Liechtenstein werden jährlich viele Christbäume gekauft. Nach den Festtagen entsorgt man die Bäume allerdings schon wieder. Wirklich nachhaltig ist das nicht. Aber man kann sie auch mieten.

Ein Weihnachtsfest ohne einen Christbaum im Wohnzimmer, ist unvorstellbar. Die Tradition, Geschenke unter dem Baum zu platzieren, mit der Familie gemütlich zu speisen und dann gemeinsam um ihn herumzusitzen, kann sich wahrscheinlich fast niemand wegdenken. Auch den Baum zu schmücken, ist eine Tradition, auf die sich viele immer wieder freuen. Viele Bäume werden jährlich in Liechtenstein verkauft – die meisten davon werden aus dem Ausland importiert. Dabei stellt sich schnell die Frage: Wie sinnvoll und vor allem wie ökologisch das ist. Ist es notwendig, sich für ein paar Tage einen aus dem Ausland stammenden Christbaum zu kaufen, um ihn anschliessend wieder wegzuwerfen?

Sind Plastikbäume die Lösung?

Einige Schweizer und Liechtensteiner umgehen den feinen Duft des Weihnachtsbaumes im Wohnzimmer und kaufen sich einen künstlichen Baum. Nachhaltig ist ein Plastikchristbaum aber auch nur bedingt. Laut einer amerikanischen Studie müssten Plastikbäume mindestens fünf Jahre wiederverwendet werden, damit der Einfluss auf die Umwelt geringer als bei einem echten Baum ist. Bei den unechten Christbäumen fällt vor allem verarbeitetes Stahlmaterial und PVC der Umwelt zur Last. Auch der lange Transportweg – meist von China aus – ist nicht wirklich nachhaltig. Echte Weihnachtsbäume haben den Nachteil, viele Ressourcen (Anpflanzen, Bewässern, Düngen) zu rauchen. Immerhin wird beim Kompostieren und Verbrennen einer Tanne nicht mehr CO2 freigesetzt als der Baum zu Lebzeiten gebunden hat.

Christbaum geliefert und wieder abgeholt

Seit einigen Jahren gibt es in der Schweiz eine umweltfreundlichere Alternative, zu der die Nachfrage gewachsen ist: Der gemietete Christbaum. Ein Anbieter in der Region, der Bäume anpflanzt, ausliefert und nach Weihnachten wieder abholt, ist «Baumfreunde» aus Kaltbrunn. «Die Baumfreunde GmbH haben wir so, wie sie bestand, in diesem Jahr übernommen », erzählt Corina Jud. Sie und ihr Mann waren von der Idee überzeugt, denn hier spielt vor allem die Nachhaltigkeit eine grosse Rolle. «Die Bäume werden nach Weihnachten nicht einfach entsorgt, sondern können für weitere Weihnachtsfeste wiederverwendet werden und so mehr Freude bereiten », erklärt Jud. Das Konzept fruchtet, denn die Rückmeldungen seien positiv. Viele Menschen sehen die Nachhaltigkeit dahinter und wollen die Idee unterstützen. Die Bäume stehen immer in einem Topf. Diese werden dann in die Erde, in ein vorgebohrtes Loch gestellt, damit sie standfester seien, erklärt Jud: «Von dort aus kommen sie vor Weihnachten mit dem Topf ins Winterlager und warten, bis sie an ihre jeweiligen Kunden ausgeliefert werden.» Die Auslieferung überstehen die Bäume sehr gut. Und wenn die Kunden dem Baum immer Wasser geben, können die Baumfreunde die Bäume nach Weihnachten wieder heil nach Hause holen. «Wenn es doch einmal vorkommt, dass ein Baum bei einem Kunden beschädigt wird, wägen wir ab, wie hoch der Schaden ist. Müssen wir den Baum ersetzen, kann eine Entschädigung anfallen. Ansonsten bringen wir ihn in unserer Baumschule wieder auf Vordermann», erklärt Jud. Im Frühling finden die Weihnachtsbäume im Topf wieder ihren Platz im Loch und werden dort das ganze Jahr hindurch gehegt und gepflegt. Die Bäume seien nichts anderes gewohnt, als im Topf zu leben. Bis jetzt konnten die Baumfreunde circa 300 Weihnachtsbäume vermieten. Die Tendenz steige. Dies wohl auch, weil das Angebot gut sei. «Der Preis variiert je nach Grösse des Baumes. Gefällt jemandem der Baum besonders gut, kann er diesen im nächsten Jahr wieder mieten. Man darf aber nicht vergessen, dass der Baum im Jahr bis zu 15 Zentimeter wächst», erzählt Jud. Nebst den Bäumen können die Kunden zusätzlich auch Übertöpfe und Dekoartikel bestellten.

(um)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Vermischtes
Region|18.12.2020
Drei Schwestern, drei Motoren, eine Leidenschaft
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2017, Alle Rechte vorbehalten.