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Familie Burch: (v. l. n. r.) Christoph, Michael, Hans-Peter, Maria, Rebecca und Dominic. (Fotos: ZVG)
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Region|18.12.2020

Weihnachten in kurzen Hosen

Je näher bei uns die Weihnachtszeit kommt, desto mehr «plangen» wir auf den Schnee. Denn zur Adventszeit gehört nicht nur Geschenke auszupacken, sondern auch Ski zu fahren oder zu schlitteln. In Neuseeland herrscht in der Weihnachtszeit aber ein ganz anderes Klima. Zudem hat der Strand Priorität.

Familie Burch: (v. l. n. r.) Christoph, Michael, Hans-Peter, Maria, Rebecca und Dominic. (Fotos: ZVG)

Je näher bei uns die Weihnachtszeit kommt, desto mehr «plangen» wir auf den Schnee. Denn zur Adventszeit gehört nicht nur Geschenke auszupacken, sondern auch Ski zu fahren oder zu schlitteln. In Neuseeland herrscht in der Weihnachtszeit aber ein ganz anderes Klima. Zudem hat der Strand Priorität.

Auch wenn in Neuseeland «Oh du fröhliche» und das Geschenkeauspacken zur Tradition gehört, muss man sich dafür nicht warm anziehen und den Kamin einheizen. Maria Burch ist mit ihrem Mann Hans-Peter vor vielen Jahren ans andere Ende der Welt nach Waiuku ausgewandert. Die Schweizerin mit Wurzeln und Verwandten in Gams wuchs in Neuseeland auf und konnte auch ihren Mann von Neuseeland überzeugen. Neben Jassen und nie verlorenem Schweizerdeutsch darf bei ihnen auch an Weihnachten die Schweiz nicht fehlen. Doch an die Hitze zu Weihnachten mussten auch sie sich gewöhnen. Heute sei das für sie aber alles normal: «In Neuseeland beginnt im Dezember der Sommer. Am 21. Dezember haben wir den längsten Tag im Jahr, und ab dann geht auch die Sonne später unter. Wenn es erst um 21.30 Uhr richtig finster ist, kommt die Weihnachtsbeleuchtung nicht wirklich lange zur Geltung.» Dennoch stellen sie bereits am 1. Dezember den Weihnachtsbaum auf, dekorieren ihn und lassen ihn bis Neujahr stehen. Bei vielen wird der Baum an Silvester abgeräumt, da es danach ab in die Strandferien geht.

Auch in Neuseeland sind dann lange Ferien angesagt. «Bis Mitte Januar wird eigentlich kaum gearbeitet, und auch die Schulen sind zu. Die Universitäten haben drei Monate Ferien. Und da in dieser Zeit die Temperatur bei etwa 30 Grad liegt, geniessen wir den Sommer, was für die Weihnachtsbäume allerdings nicht so schön ist», erzählt Burch. In Europa können die Bäume eine Weile im Wohnzimmer stehen bleiben. In Neuseeland ist dies wegen der Hitze aber nicht möglich.

«Wir haben einen Weihnachtsbaum mit roten Blumen, die man hier ‹Pohutukawa› nennt. Das ist der Weihnachtsbaum der Maoris. Diese Blumen blühen im Dezember und sehen sehr schön aus», sagt Burch. «Da viele Familien am Strand sind, gibt es nicht wie in der Schweiz Fondue oder Raclette, sondern ein feines BBQ. Auch ist alles mit ‹Pohutukawa›-Pflanzen dekoriert. Das sind typische neuseeländische Weihnachtsszenen», sagt Burch. Zudem seien in dieser Zeit auch viele Touristen zu sehen. Zu jener Zeit beginnen nämlich die meisten Sprachschulen, oder es bekommen auch Familien Besuch aus dem Ausland.

Der Weihnachtsbaum von Familie Burch in Waiuku, Neuse­eland.

Einkaufen und dekorieren

Dennoch beginnt auch in Neuseeland die Weihnachtsstimmung früh: Bereits ab Oktober können die Leute in den Geschäften Weihnachtsdekorationen kaufen, und es spielen Weihnachtssongs. «In den Shoppingmalls kann man auch immer den Santaclaus treffen und mit ihm Fotos machen. Den Nikolaus, der zu Hause die Kinder besucht, kennen wir hier nicht. Aber auch hier schreiben die Kinder ihre Wunschlisten an Santaclaus », erklärt Burch. Die Kinder in Neuseeland glauben daran, dass nicht das Christkind, sondern der Santaclaus die Weihnachtsgeschenke bringt, erzählt Burch: «Die Kinder gehen früh ins Bett und hinterlassen auf dem Tisch einen Keks und ein Glas Milch. Das ist für ihn gedacht, nachdem er die Geschenke beim Cheminée platziert hat.»

Morgens statt abends

In Europa zieht man sich schick an – wenn möglich mit Glitzer – doch in Neuseeland gibt es keinen Dresscode. Morgens aus dem Bett steigen, die Eltern wecken und dann ab im Pyjama ins Wohnzimmer zur Bescherung. «Wir machen das eher schweizerisch: Wir besuchen am frühen Abend die Weihnachtsmesse in der Kirche, und dann gehen wir nach Hause. Bei uns kommt ein feiner heisser Schinken mit typischem Schweizer Kartoffelsalat auf den Tisch. Dann packen wir die Geschenke aus», erzählt Burch. Meistens rundet ein feines Dessert den Abend ab. Dann, gegen Mitternacht, geht die Familie Bruch in die Federn. «Ich arbeite im Krankenhaus und habe an Weihnachten eine Morgenschicht. Da die Kinder sowieso ausschlafen und Hans-Peter zur Messe geht, sind alle zufrieden», erzählt Burch.

In Neuse­eland haben die roten Blumen namens "Pohutukawa" auch Tradition. (Foto: ZVG)

Feiern wie die Briten und Amerikaner

Wenn Maria Burch von der neuseeländischen Weihnachtszeit erzählt, fällt schnell auf, dass sie sich sehr an die Traditionen der Briten und Amerikaner anlehnt. «Auch bei uns in Neuseeland ist es Tradition, dass ein heisser Schinken oder Truthahn mit gebackenem Gemüse auf den Tisch kommt», sagt Burch. Und auch bei den süssen Speisen lassen sich die Neuseeländer nicht lumpen: «Bei uns gibt es Früchtekuchen und gekochten Pudding. Auch wenn es draussen 30 Grad hat und wir in kurzen Hosen und Sandalen herumspazieren.» Von 1983 bis 1993 lebte Maria Burch mit ihrem Mann und dem ältesten Sohn Christoph in der Schweiz und vermisst gewisse Weihnachtstraditionen: «Mir fehlt es, zu Weihnachten ein Feuer anzuzünden, weil es draussen kalt ist. Auch Glühwein zu trinken und ‹Guetzli› zu backen liebe ich. Ich backe zwar immer noch, weil es hier keine solchen ‹Guetzli› gibt», erzählt Burch. Die selbst gemachten «Guetzli» verschenkt sie gemeinsam mit Lindor-Schokolade an ihre Freunde. Zudem werden in Neuseeland in dieser Zeit auch viele Beeren und Spargel gegessen. Eine traditionelle Spezialität ist die Pavlova. Ein Gebäck, das einer Meringue ähnelt. Pavlova isst man mit Glace. Natürlich dürfen bei den heissen Temperaturen auch ein guter Wein oder ein kaltes Bier nicht fehlen. Schwergewicht 6000 Trillionen Tonnen: Der blaue Planet wiegt so viel. Ausgeschrieben ist diese Zahl so gross: 6 000 000 000 000 000 000 000

(um)

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