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Crime
Region|18.12.2020

Kolumne: Der genetische Fingerabdruck

Die DNA-Analyse gilt mittlerweile als wichtiges Instrument der Strafverfolgungsbehörde. Sie hat in den letzten dreissig Jahren die Erfolgsquote in der Verbrechensbekämpfung international stark erhöht.

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Die DNA-Analyse gilt mittlerweile als wichtiges Instrument der Strafverfolgungsbehörde. Sie hat in den letzten dreissig Jahren die Erfolgsquote in der Verbrechensbekämpfung international stark erhöht.

Eine Methode, die eigentlich zufällig entdeckt wurde, entpuppte sich bereits nach Kurzem als optimales Werkzeug zur Ergreifung von Straftätern, zur Klärung weit zurückliegender Fälle, aber auch zur Klärung von so mancher Vaterschaft. Erst vor Kurzem konnte auch in der Schweiz ein Mordfall, der seit 20 Jahren in einer Sackgasse verharrte, wieder aufgerollt werden. Der DNA-Analyse sei Dank! Der genetische Fingerabdruck, auch unter dem Namen «DNA-Profil » bekannt, ist heutzutage jedem von uns ein Begriff, erst recht den Krimifans unter uns. Was viele jedoch nicht wissen, ist der Umstand, dass dieses Verfahren eigentlich nur durch Zufall entdeckt wurde. Alec Jeffreys bezeichnet seine Entdeckung aus dem Jahr 1984 als den grossen Heureka-Moment seiner Karriere. Eigentlich wollte Jeffreys lediglich Blutproben von Familienmitgliedern untersuchen, diese legte er dazu nebeneinander auf einen Minisatelliten, und dabei erkannte er rein zufällig, dass sich die einzelnen Bilder des Miniatursatelliten wie ein Strichcode den einzelnen Personen zuordnen liessen und man daraus erst noch die Familienverhältnisse ablesen konnte. Seine Entdeckung schlug grosse Wellen, und bis heute wird diese Entdeckung für den Vaterschaftstest, aber auch bei der Tätersuche, verwendet. Findet die Polizei an einem Tatort Blut, Sperma, Speichel, Hautpartikel oder Haare, kann sie daraus die DNA der Person bestimmen, welche die Spur hinterlassen hat. Dank am Tatort hinterlassener DNA-Spuren kann die Polizei bereits zu Beginn der Ermittlungen den Kreis der Verdächtigen verschmälern, da das Geschlecht mittels DNA-Analyse bereits eruiert werden darf. Seit der Entdeckung der DNA-Analyse konnte so manches Verbrechen auch nachträglich noch gelöst werden.

Bereits im Jahr 1984 wurde in Deutschland erstmals eine DNASpur als Beweis vom Gericht anerkannt. Mordfälle, die Jahrzehnte zurücklagen und die bereits irgendwo in einem Archiv verstaubten, konnten plötzlich aufgeklärt werden. Doch nicht nur das, so mancher zuvor unschuldig verurteilter Straftäter verdankte der neuen Beweismethode seine Rückkehr in die Gesellschaft. Ein Fall der besondere Aufmerksamkeit erlangt hatte, war der des Amerikaners Robert DuBoise. Ihm war in jungen Jahren ein Mord nachgewiesen worden, und zwar anhand eines angeblichen Zahnabdrucks, der im Gesicht des Opfers festgestellt worden war. Du- Boise selbst stritt die Tat stets ab, doch geglaubt hatte ihm niemand. Nach 37 Jahren stellte sich dank der DNA-Analyse heraus, dass Du- Boise nicht nur unschuldig war, sondern er beinahe vier Jahrzehnte unschuldig hinter Gittern verbringen musste. Trotz allem hatte DuBoise auch noch Glück, denn anfänglich war er zur Todesstrafe verurteilt worden, diese wurde jedoch nachträglich und in diesem Fall «glücklicherweise» in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. Wie viele Insassen weltweit vor der Entdeckung der DNA-Analyse unschuldig die Todesstrafe erhalten haben und wie viele unschuldig ein Leben hinter Gittern verbringen mussten, darüber kann nur spekuliert werden. Alec Jeffreys zufällige Entdeckung hat viel verändert. Auch aktuell kann in der Schweiz höchstwahrscheinlich wieder ein Mordfall gelöst werden, der bereits 23 Jahre zurückliegt. Im Jahr 1997 wurde die Goldküstenmillionärin Ella Christen (66) in ihrer Villa im Zürcher Küssnacht brutal ermordet aufgefunden. Eine Bekannte alarmierte damals die Polizei, weil sie Ella Christen telefonisch länger nicht mehr erreichen konnte. Die Beamten fanden die Rentnerin schlussendlich in ihrem eigenen Keller, wo sie in ihrem eigenen Blut und gefesselt am Boden lag. Sie war vom Täter brutal misshandelt worden und war schlussendlich auch den daraus entstandenen massiven Verletzungen erlegen. Die Ermittlungen im Fall Ella Christen endeten jedoch in einer Sackgasse, kein Verdächtiger und keine Aussicht auf Erfolg. 2001 wurde das Verfahren gegen unbekannt sistiert. 2017 konnte der Fall dank DNA-Spuren weitergeführt werden: Ein 73-jähriger Italiener wurde auf einer spanischen Ferieninsel verhaftet, und zwar wegen eines Überfalls in der Schweiz, wo er in Thun einen Juwelier ausgeraubt und dessen Tochter sexuell missbraucht haben soll. Die am Tatort gesicherten DNA-Spuren stimmten mit denen aus dem Jahr 1997 in Küssnacht überein. Beim Juwelierräuber soll es sich daher auch um den Mörder von Ella Christen handeln. Dieses Jahr erhob die Zürcher Staatsanwaltschaft Anklage. Der Beschuldigte sitzt seit 2017 in einem Schweizer Gefängnis. Ein weiterer Fall, der nur mithilfe von Andrew Jeffreys zufälliger Entdeckung gelöst werden konnte. Dem Zufall und Andrey Jeffrey sei Dank!

(smc)

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