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Dennis Betschart ist leidenschaftlicher Oldtimer-Mechaniker. Sein Traum, eines Tages, seine eigene Werkstatt eröffnen und den alten Autos wieder auf die Strasse helfen. (Fotos: Michael Zanghellini)
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Region|16.04.2021

Betschart: «Der Schraubenschlüssel liegt mir besser als die digitale Elektronik»

Bereits mit 16 Jahren wusste Dennis Betschart ganz genau, was er werden wollte: Mechaniker. Der Gedanke, an Autos herumschrauben, hatte es ihm angetan. Nach vier Jahren Lehre und Arbeitserfahrung in verschiedenen Garagen sah Betschart allerdings ein, dass der Beruf inzwischen nicht mehr viel mit «Schrauben» zu tun hat. Heute schraubt er wieder richtig, denn seine Leidenschaft sind Oldtimer.

Dennis Betschart ist leidenschaftlicher Oldtimer-Mechaniker. Sein Traum, eines Tages, seine eigene Werkstatt eröffnen und den alten Autos wieder auf die Strasse helfen. (Fotos: Michael Zanghellini)

Bereits mit 16 Jahren wusste Dennis Betschart ganz genau, was er werden wollte: Mechaniker. Der Gedanke, an Autos herumschrauben, hatte es ihm angetan. Nach vier Jahren Lehre und Arbeitserfahrung in verschiedenen Garagen sah Betschart allerdings ein, dass der Beruf inzwischen nicht mehr viel mit «Schrauben» zu tun hat. Heute schraubt er wieder richtig, denn seine Leidenschaft sind Oldtimer.

Nach seinem Lehrabschluss durfte Betschart in verschiedenen Autogaragen arbeiten und auch verschiedene Automarken kennenlernen. Dabei fiel ihm eins aber schnell auf: «An meinem letzten Arbeitsplatz habe ich viel mit BMWs gearbeitet und einfach gemerkt, dass die ganze Technik immer schneller und noch moderner wird. Meistens kommt anstelle des Auges und der Schraubenschlüssel das Messgerät zum Einsatz.» Multimediaelektronik sei nicht das, was sich Betschart als 16-Jähriger wünschte, denn er wollte «Mechen»: «Ich habe dann in einen Drei-Mann-Betrieb gewechselt. Da kam ich zum ersten Mal mit einem Oldtimer in Kontakt. Ich habe dann entschieden, mich der Herausforderung dieser Oldtimer anzunehmen und diesen sachgemäss zu restaurieren.»

Bei der Arbeit am Oldtimer ging der 28-jährige Seveler dann endgültig auf: «Ich habe schnell gemerkt, dass mir diese Arbeit gefällt. Das Fachwissen über die alten Autos fehlte mir aber. Jedoch kommt es genau darauf an.» Betschart wusste meistens nicht, was zu tun war, denn in der Berufsschule lerne man den Umgang mit Oldtimern nicht. «Ich habe mich dann dazu entschieden, die Weiterbildung zum Fahrzeugrestaurator zu machen. Dieser Lehrgang wurde vor wenigen Jahren des Automobilgewerbeverbands Schweiz, des Schweizerischen Carrosserieverbands und der Interessensgemeinschaft Fahrzeugrestauratoren ins Leben gerufen », sagt Betschart. Viele Sammler in der Schweiz hätten gemerkt, dass das Fachpersonal immer kleiner werde, die Oldtimer hingegen nicht: «Die Leute, die sich mit Oldtimern auskennen, werden auch nicht jünger», meint Betschart. «Mechaniker für Oldtimer braucht es aber auch in der Zukunft.» Ein altehrwürdiges Auto zu besitzen, liege wieder im Trend. Betschart bekomme viele Anfragen, da gerade auch in vielen «normalen» Autogaragen dafür das Wissen fehle. Der Nachwuchs der Fahrzeugrestauratoren sei durch den noch jungen Lehrgang ein stück weit gesichert, es dürften aber noch mehr werden. Betschart ist sich sicher, dass noch nicht alle von diesem Lehrgang Wind bekommen haben. In seinem Jahrgang seien 14 Mechaniker aus dem deutschsprachigen Raum. Luft nach oben gebe es demnach allemal.

Der belächelte Legostein

Sein erstes richtiges Oldtimer-Projekt startete Betschart mit seinem eigenen Volvo 245 Turbo. Dabei sei im von Anfang an bewusst gewesen, dass einiges auf ihn zukommen wird: «An meinem Volvo habe ich mehr als ein Jahr gearbeitet. Das eignete sich sehr gut zum Lernen. Die Wahl der Marke war naheliegend, da ich in einer Volvogarage arbeite.» Zwei Jahre vergingen, bis sich Betschart genau diesen Volvo ergatterte. Diesen fährt er heute mit viel Freude. Als er die Bilder sah, musste er feststellen, dass sein Volvo hinüber sei und die Restauration den Wert des Autos übersteigen werde. «Ich habe es dennoch gemacht», sagt Betschart. «Mein Volvo ist ein seltenes Stück, und die Arbeit daran war ein Stück weit Ehrgeiz, Selbstverwirklichung und Lernenthusiasmus. Nach der langen Arbeit bekam ich im Dezember 2020 die Bestätigung durch den Veteraneneintrag, was das grosse und für mich besondere Projekt komplettierte », erzählt er.

Der Typ Volvo, den Betschart fährt, war früher als «The flying Brick», der fliegende Ziegelstein, bekannt. Trotz seines Aussehens habe sich das Auto schnell bewiesen: «Erst wurde es von allen belächelt, da es zwei aufeinandergesetzten Legosteinen gleicht. Doch dann schaffte es dieser Volvo in die deutschen Tourenwagen-Meisterschaften und hat gleich abgeräumt. Er fegte BMW und Mercedes vom Feld. Zwar war er nicht das schönste Auto, dafür das schnellste.» Für ihn ist der Volvo sein ganzer Stolz. «Ich habe eine Legende wieder geboren – auch wenn es sich finanziell nicht gelohnt hat», lacht Betschart.

Die Geschichten hinter dem Metall

Aber nicht nur allein die Geschichten zu jedem Autotypen faszinieren Betschart; jedes einzelne Auto habe auch seine ganz eigene Geschichte. Sein schwarzer Volvo bilde keine Ausnahme. «Ich kenne alle Vorbesitzer meines Autos und habe auch mit ihnen telefoniert. Ich finde es spannend, zu wissen, wie mein Auto ‹gelebt› hat.» Das Auto sei mittlerweile 38 Jahre alt und musste repariert werden, dennoch wollte er nicht das komplette Auto restaurieren. Der Lack sei aber neu, da zu viel Rost vorhanden war. «Den Ölfleck im Kofferraum habe ich sein lassen – er ist ein Teil meines Autos. Es stand damals nämlich als TCS-Fahrzeug im Einsatz. Der Fleck im Kofferraum stammt wohl vom Werkzeug, das dort aufbewahrt war», sagt Betschart. Moderne Autos hätten kaum mehr eigene Geschichten. In einem Oldtimer stecke einfach mehr als nur ein Motor und Lenkrad. «Heute wollen wir schnell von A nach B kommen», sagt Betschart. «Früher hatte der Besitz von einem Auto noch einen anderen Stellenwert. Aufgrund des Designs kann man ein Auto einer Zeitepoche zuordnen, und das finde ich so wichtig», erklärt dieser. Für ihn könne man ein altes Auto gut mit Mona Lisa vergleichen: «Bei einem Oldtimer geht es nicht nur darum, dass er läuft und keine komischen Geräusche macht, sondern auch darum, wie man die Farbe erhalten kann, ohne dass diese verbleicht. All diese Merkmale sind wichtig und auch interessant.»

Beispielsweise habe es auch einen spannenden Grund, warum gewisse englische Autos, die nach dem 2. Weltkrieg gebaut wurden, schnell rosten: «Nach dem Krieg gab es in England fast kein Metall mehr. Also haben sie auch Panzerfahrzeuge eingeschmolzen, um Autos herzustellen. Das Material war qualitativ nicht sehr hochwertig, aber schliesslich musste die Wirtschaft wieder angekurbelt werden.» Das nicht gerade gute Material zeigte sich auch dementsprechend an den Autos. Alle Geschichten über alte Modelle zu kennen, mache den Beruf als Fahrzeugrestaurator aus.

Geduld für die Alten

Oldtimer sei ein gängiger Name, der in der Mundart für ein altes Auto verwendet wird, jedoch kein Fachbegriff. Ein Auto, das zwischen 20 und 30 Jahre alt ist, wird Youngtimer genannt. Ist es 30 und älter, spricht man von einem Oldtimer. Ist ein Auto ab diesem Alter ein werterhaltenes Fahrzeug für die Epoche von damals, bekommt ein Auto den Veteranenschein. Wer aber ein Oldtimer besitzt oder repariert, muss auch viel Geduld mitbringen. Denn gerade, wenn es um Ersatzteile geht, könne man nicht alles einfach im Internet oder beim Hersteller besorgen. «Es kommt oft vor, dass man Monate oder Jahre wartet, bis man das passende Ersatzteil findet. Natürlich kann mit der heutigen Technik wie beispielsweise dem 3DDruck viel gemacht werden. Dabei ist die heutige Technik natürlich super, doch auch dann geht nicht alles. Teils ist es eine Herausforderung, teils aber wieder ganz einfach », erklärt Betschart. Auch bei alten Autos gäbe es so viele Modelle, dass sich Betschart für eine Sparte entscheiden musste. «Ich fokussiere mich auf schwedische und deutsche Klassiker. Volvo, Mercedes, BMW, Audi und ab und zu kommt mir ein Saab auf die Hebebühne», erzählt Betschart.

Klare Zukunftspläne

Bis heute ist Oldtimer zu reparieren und restaurieren für Betschart ein Hobby. Er arbeitet in einem Vollzeitpensum als Automechaniker. Der 28-jährige Seveler hat seine Weiterbildung als Fahrzeugrestaurator, bei der er alle fünf Module als bester schweizweit abschloss, bald abgeschlossen. Dann soll es langsam aber sicher in die Selbstständigkeit gehen, denn die Resonanz sei gross. Er werde viel angeschrieben und bekomme viele Aufträge. Dass er eines Tages einmal davon leben kann, glaube er nicht nur, sondern sei auch ein grosser Wunsch von ihm. «Mit der neuen Technik komme ich nicht zugange. Ich will an alten Autos mit ihren Geschichten herumschrauben und sie wieder bereit für die Strasse machen», sagt Betschart. Instagram: betsch_art_mechanics

(um)

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