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Auf seinem Grundstück in Altstätten baut Urs Felber aus alten Schiffscontainern ein Haus. Die beiden Wohnungen haben bereits Interesse geweckt, und die beiden Mieter stehen schon fest. (Fotos: Ursina Marti)
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Region|18.06.2021

Sieben Schiffscontainer, zwei Wohnungen

Für gewöhnlich reihen sich entlang der Strassen in Altstätten Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser aneinander. Das gilt jedoch nicht für die Heidenstrasse: Dort führt eine Abzweigung zu einem besonderen Haus, gebaut vom Oberstufenlehrer und Künstler Urs Felber. Der Anblick des Neubaus erinnert einen dann aber mehr an den Hamburger Hafen als an die Altstätter Heidenstrasse.

Auf seinem Grundstück in Altstätten baut Urs Felber aus alten Schiffscontainern ein Haus. Die beiden Wohnungen haben bereits Interesse geweckt, und die beiden Mieter stehen schon fest. (Fotos: Ursina Marti)

Für gewöhnlich reihen sich entlang der Strassen in Altstätten Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser aneinander. Das gilt jedoch nicht für die Heidenstrasse: Dort führt eine Abzweigung zu einem besonderen Haus, gebaut vom Oberstufenlehrer und Künstler Urs Felber. Der Anblick des Neubaus erinnert einen dann aber mehr an den Hamburger Hafen als an die Altstätter Heidenstrasse.

Doch es ist nur der erste Eindruck. Wir befinden uns noch immer in Altstätten. Urs Felber ist daran, aus sieben ausgedienten Schiffscontainern ein Haus zu bauen. Ziel ist, dass im Herbst zwei Wohnungen bezogen werden können. Auslöser für diese Idee war seine Kunst: Vor gut fünf Jahren suchte Felber einen neuen Standort für seine Skulpturen und stiess auf einen ausgemusterten Schiffscontainer. Er montierte ein riesiges Fenster und eine Türe und konnte so seine Kunst präsentieren. Schnell merkte er, dass die Container robuste und nachhaltige Produkte sind. «So kam ich auf den Gedanken, dass man vielleicht auch in einem Schiffscontainer wohnen kann, wenn man schon Fenster und Türen einbauen kann. Ich begann zu ‹googeln› und stiess auf solche Häuser im Ausland», erzählt Felber.

Aus sieben mach eins

Aus einem Gedanken wurde eine Idee. Mit dieser wandte er sich an einen Freund, der Architekt ist. «Er ist offen für verrückte Sachen. Mit ihm zusammen habe ich dann das Haus konstruiert», sagt Felber. Von aussen ist klar zu erkennen, dass es sich um Schiffscontainer handelt. Innen soll aber eine gemütliche Wohnatmosphäre entstehen. «Wir müssen zuerst alles vorschriftsgemäss isolieren. Dann gibt es eine Beplankung mit Dreischichtplatten. Im Boden gibt es eine Heizung, darüber kommt ein Fliessboden», erklärt Felber. Die beiden Wohnungen werden die Grösse einer 2 ½- Zimmer Wohnung mit Loftcharakter haben. Es gibt ein Badezimmer mit Toilette, eine Küche, ein Schlafzimmer sowie einen Wohnbereich. Jede Wohnung bekommt zusätzlich seine individuelle Terrasse.

Felber weiss nicht nur, wie Materialien geschickt wiederzuverwenden, sondern legt grossen Wert auf ressourcenschonendes Bauen. Das beginnt bereits bei den Containern: Diese hätten viele Jahre auf dem Buckel und nun ausgedient, denn ihr Zertifikat für Hochseefahrten laufe mit der Zeit aus. Dennoch seien sie in einem guten Zustand, sodass sie als Haus einen guten Dienst erweisen können. Auch setze Felber Abfallmaterialien aus den Containern ein: «Ich musste die Bindehaken, die zur Ladungssicherung dienten, entfernen. Diese werden später als Garderobenhaken eingesetzt. Manche Containertüren mussten wir für die grossen Fenster entfernen, eine bleibt aber als Windschutz.» Die Teile seien nicht nur nützlich, sondern auch stylish und sorgten für das Industrieflair der Wohnung. Auch konnte Felber Restposten wie Geländer bei einer Firma kaufen, die er im Schiffscontainerhaus einsetzt. Die Sanitäranlagen bezog er aus einem Hotelabbruch. Auch das Glas bekomme als Duschwand nochmals eine Chance. «Ich möchte mit diesem Haus auch zeigen, dass wir ein bisschen von unserer Wegwerfgesellschaft wegkommen sollten. Es soll beweisen, dass Werkstoffe, die schon einmal gedient haben, wieder geschickt eingesetzt werden können», sagt Felber.

Der Alt­stät­ter Urs Felber erfüllt sich den Traum vom Haus aus alten Schif­fscontainern. So viel wie mög­lich arbeitet er selbst am Haus, das im Herbst 2021 bezugsbereit sein soll.

Leicht und «pföahresistent»

Das gesamte Gebäude werde zirka 50 Tonnen schwer sein. Das sei für ein Haus sehr leicht. «Normalerweise hat ein Haus in dieser Grösse gut 300 Tonnen Gewicht. Mein Haus ist sehr leicht. Dennoch wird es dem Föhn standhalten», erzählt Felber. Doch nicht nur das Gewicht, sondern auch die Bauweise unterscheide das Containerhaus von herkömmlichen Häusern. Der Hang konnte bleiben, wie er ist, denn das Haus wurde an den Hang gebaut, erklärt Felber: «Ich habe bei diesem Schiffscontainerhaus eine schwebende Bauweise gewählt. Der unterste Container steht auf dem Fundament und wurde an vier Punkten angeschweisst. Dafür mussten wir hinten ein Fundament errichten, vorne steht der Container auf einer alten Mauer, die aber breit und stark genug ist, um das Haus zu tragen.» Den Aufbau des Hauses könne man mit Legospielen vergleichen. Auf dem untersten Container wurden drei Container längs nebeneinander platziert. Darauf stehen nochmals drei Container. Nur sind diese etwas zurückversetzt. Die Zwischenwände der Container wurden entfernt, so sieht es im Innern wie in einem riesigen Schiffscontainer aus. Daraus ergebe sich eine Wohnfläche von rund 80 Quadratmetern. Auch beim Zusammensetzen habe Felber auf Nachhaltigkeit geachtet: «Die Containerblöcke schweben sozusagen aufeinander. Dazwischen stecken Autoreifenstücke. Diese sorgen dafür, dass der Schall zwischen den Wohnungen getrennt wird.»

Eine Idee, die fruchtet

Normalerweise denken sich Leute «Hey, jetzt ist es an der Zeit. Bauen wir uns ein Haus.» Bei Felber war das aber etwas anders. Er dachte sich, wenn er schon genügend Boden zur Verfügung hat, könne er seine Idee des Containerhauses gerade auch verwirklichen. So sei es für ihn finanziell auch möglich. Es brauche aber nicht nur Geld, sondern auch Nerven: «Das Haus an sich ist nicht kompliziert, doch bis man alle Bewilligungen hat und richtig starten kann, vergeht viel Zeit.» Zuerst musste Felber die Zufahrt als Strasse klassifizieren lassen, was über das kantonale Bauamt läuft. Zusätzlich brauche es pro Wohnpartei zwei Parkplätze sowie einen Besucherparkplatz. Felber musste also auch Platz dafür schaffen. Weiter müssen die Nachbarn einverstanden sein und die Abstände stimmen. Felber muss die gleichen Bauvorschriften einhalten wie bei einem herkömmlichen Hausbau. «Das alles kostet Nerven und Geduld. Ich bin ein Macher. Wenn ich eine Idee habe, dann will ich diese sofort umsetzten. Wenn das Ei gelegt ist, will man es auch ausbrüten», sagt Felber. Für den Hausbau benötigte Felber sieben Schiffscontainer. Zuerst wandte er sich an den Verkäufer, der ihm bereits seinen ersten Container verkauft hatte. Dieser unterbreitete Felber aber eine sehr hohe Offerte, worauf er weitersuchte und auf eine Logistikfirma in Basel stiess: «Die Firma handelt nicht mit Schiffscontainern, sondern verkauft schlichtweg ihre ausgedienten Container. So habe ich bei ihnen bestellt. Ein Container hat im Durchschnitt 4800 Franken gekostet.»

Eine unbe­zahlbare Aussicht über Alt­stät­ten kann man von beiden Schif­fscontainerwoh­nungen aus genies­sen.

Für den ganzen Bau gibt Felber ungefähr eine halbe Million Franken aus, kann wegen seiner Eigenleistung aber viel Geld sparen. «Einerseits spare ich durch die wiederverwerteten Materialien, andererseits durch meinen eigenen Einsatz. Ich habe eine grosse Freude daran, selber zu handwerkeln und investiere viel Zeit in das Haus», sagt Felber. Doch nicht nur das koste viel Zeit, sondern auch die Planung. Normalerweise wird der Bauplan an die Bauleitung übergeben, sobald dieser fertig ist. Bei Felber kommen aber immer wieder eine Ideen hinzu. Somit sei sein Bauplan nicht in Stein gemeisselt.

Ein weit gereistes Haus

Schiffscontainer sind auf der ganzen Welt unterwegs und tragen die verschiedensten Dinge in sich. Wo genau seine Container unterwegs waren, weiss Felber nicht. «Alle Container haben eine unverwechselbare Nummer. Würde man diese im Archiv der Vorbesitzer eingeben, wüsste man auf jeden Fall, wo sie schon überall waren und welche Strecken sie zurückgelegt haben », sagt Felber. Nach einer langen Reise und einem langen Dienst haben sie nun ihr letztes Zuhause in Altstätten gefunden.

(um)

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