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Der Buchser Manuel Büchel ist seit 2018 Präsident des Pontoniervereins Buchs. (Fotos: Michael Zanghellini)
Vermischtes
Region|24.09.2021

Ihr Element: Wasser, ihre Stärke: Schnüren

In unserer Region sind Pontoniere eher eine Seltenheit, doch blicken sie nicht nur auf eine lange Tradition zurück, sondern werden im Ernstfall auch gebraucht. Ein Blick in ihr Tun und ihre Geschichte lohnt sich.

Der Buchser Manuel Büchel ist seit 2018 Präsident des Pontoniervereins Buchs. (Fotos: Michael Zanghellini)

In unserer Region sind Pontoniere eher eine Seltenheit, doch blicken sie nicht nur auf eine lange Tradition zurück, sondern werden im Ernstfall auch gebraucht. Ein Blick in ihr Tun und ihre Geschichte lohnt sich.

Ursprünglich kommt der Pontoniersport aus dem Militär, genauer vom Brückenbauen. Ein Ponton ist ein schwimmendes Element einer Brücke. Das Boot dient sozusagen als Pfeiler, erklärt Manuel Büchel, Präsident der Pontoniere Buchs. Früher habe man die Brücke dann aus Holz gebaut und mit Seilen festgebunden. Im Militär brauchte es die Brücken laut Büchel, damit Fahrzeuge oder auch Menschen Gewässer überqueren konnten. Aufgrund dessen hatten einige Pontoniere die Idee, einen Sport daraus zu machen. Es gibt zwei Disziplinen: Rudern (Fahren) und Schnüren. Fahren nennen die Pontoniere die Parkour- und Hindernisfahrt auf dem Wasser, erklärt der Präsident. Beim Schnüren gehe es hingegen um Knoten und Seilverbindungen. «Dies natürlich so schnell wie möglich», ergänzt Büchel. Gestartet werde dabei Einzel oder auch in Teams.

Ein Sportverein, der im Ernstfall zur Stelle ist

Bereits im 17. und 18. Jahrhundert gab es in vielen Armeen Pontontrains. Auch der Pontonierfahrverein Buchs hat eine lange Geschichte hinter sich. Dessen Gründung ist auf ein tragisches Ereignis zurückzuführen: «1927 ging in Liechtenstein bei Schaan der Rhein über die Ufer und überschwemmte das Unterland. Verschiedene Pontoniervereine aus der Schweiz kamen zu Hilfe und aufgrund dessen kam hier in der Bevölkerung der Wunsch auf, einen eigenen Pontonierverein zu gründen», sagt Büchel. 1930 war es dann so weit. Grundsätzlich sei es so, dass die Polizei oder Feuerwehr die Pontoniere Buchs zu Hilfe rufe, wenn Hilfe auf dem Rhein benötigt wird. «Vor ein paar Jahren hatten wir einen Einsatz, als eine Plattform den Rhein hinuntergespült wurde oder als 2014 ein Auto im Rhein landete », erzählt Büchel. Pontoniere kennen sich auf dem Rhein gut aus und besässen auch die nötige Ausrüstung für solche Einsätze. Dies erkläre wohl, warum sie im Ernstfall aufgeboten werden. Der Rhein sei ein gefährliches Gewässer. Die starke Strömung aber auch das kalte Wasser können schnell zum Verhängnis werden. Für die Pontoniere ist dieser Fluss Übungsort, um die Disziplin Rudern zu üben. Der Nachwuchs trainiert laut Büchel mit den sogenannten Weidlingen auf dem Kiessämmler in Buchs. Ab dem 20. Lebensjahr dürfen die Mitglieder in den sogenannten Übersetzbooten fahren. Diese seien breiter und stabiler und somit besser geeignet für den Rhein. Solche Übersetzboote können auch motorisiert werden. Das Training der Pontoniere findet aber mit Ruder und Stachel auf dem Rhein statt. Auch die jüngeren Pontoniere seien ab und an auf dem Rhein unterwegs. Dies vor allem im Herbst, weil dann der Wasserstand tief sei. «Im Frühling ist das Training auf dem Rhein durch den hohen Wasserstand oft erschwert. Wir trainieren jedoch, wenn immer möglich zwei Mal in der Woche in fixen Teams», sagt Büchel. Bei einem sogenannten Fahrerpaar sei man immer zu zweit. Der Vorderfahrer befinde sich, wie es der Name schon sagt, im vorderen Teil des Bootes. Der Steuermann hat seinen Platz hinten. Gemeinsam müssen sie so schnell und genau wie möglich den Parkour – zum Beispiel zwischen zwei hängenden Pfosten hindurch – abfahren, ohne diese zu berühren. «Diese ganzen Übungsteile beziehen sich eigentlich immer ein bisschen auf die Praxis. Die hängenden Pfosten simulieren zum Beispiel Brückenpfeiler, so entstehen einzelne Wettkampfelemente, die miteinander kombiniert werden», erklärt Büchel.

Im Schnüren sind die Buchser Pontoniere Experten, knüpften sie auch schon auf dem Margelkopf schnell und präzise. (Foto: ZVG)

Die Pontoniere müssen ihr Können an verschiedenen Wettkämpfen abrufen können. Ein wichtiger Termin sei das Eidgenössische Pontonierwettfahren, das alle drei (in der Regel) Jahre stattfindet. Die Buchser können auf erfolgreiche Wettkämpfe zurückblicken – vor allem im Schnüren. «Das wir stark im Schnüren sind, hängt damit zusammen, weil wir diese Disziplin das ganze Jahr trainieren. Der Rhein hat oft einen hohen Wasserstand und ist nicht immer für Trainings geeignet», erklärt Büchel.

Mit den Weidlingen trainieren die Pontoniere regelmäs­sig.

Es zieht viele Junge zu den Pontonieren

Seit 1978 treffen sich die Buchser Pontoniere bei ihrem Vereinshaus direkt am Rhein. Zuvor sei das Vereinshaus noch dort gewesen, wo heute die Autobrücke steht. Das neu errichtete Haus dient heute als Bootsgarage. Seit 91 Jahren sind die Pontoniere stetig im Einsatz und können mit einer konstanten Mitgliederzahl aufwarten. Heute sei dieser Sport vor allem bei den jungen Werdenbergern beliebt, sagt Büchel: «Wir haben eine konstante Gruppe von Junioren in unserem Verein. Schwieriger wird es dann im Teenageralter, wenn wir sie zu den Aktiven weiterziehen wollen. Viele wollen in der Lehrzeit anderes erleben, oder einige ziehen auch für ein Studium an einen anderen Ort.» Viele Mitglieder seien schon seit Jahren dabei. Der Verein freue sich aber auch über jeden Neuzugang: «Früher war ein Pontonierverein reine Männersache, heute sind wir natürlich offen. Frauen sowie Männer sind willkommen. Wir haben inzwischen viele Mädchen bei uns aufgenommen.» Auch die Anforderungen seien für alle gleich: Eine gesunde körperliche Verfassung sei das A und O bei den Pontonieren: «Man sollte nicht gerade aus Zucker sein, wenn man bei uns mitmachen will», meint Büchel. Es sei auch von Vorteil, schwimmen zu können. Am Eidgenössischen Pontonierwettfahren sei Schwimmen nämlich eine Disziplin. «Das trainieren wir auch. Vor allem über den Winter.»

Heute zählt die Schweiz 41 Vereine, die auf diversen Gewässern unterwegs sind. Die Pontoniere Buchs sind hier in der Region zwar eher Exoten, haben sich unter Gleichgesinnten mit ihrem Können aber schon lange einen Namen gemacht.

(um)

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