Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Seit Anfang 2021 ist die Juristin Barbara Looser die neue Gefägnisdirektorin vom Saxerriet bei Salez. (Fotos: ZVG)
Crime
Region|24.09.2021 (Aktualisiert am 24.09.21 08:49)

Kolumne: Barbara Looser – Die Gefängnisdirektorin

Ende Mai 2021 trat Martin Vinzens, der Gefängnisdirektor der offenen Strafanstalt Saxerriet, seinen wohlverdienten Ruhestand an. Martin Vinzens prägte den Justizvollzug über zwei Jahrzehnte lang. Neue Gefängnisdirektorin ist die Juristin Barbara Looser.

Seit Anfang 2021 ist die Juristin Barbara Looser die neue Gefägnisdirektorin vom Saxerriet bei Salez. (Fotos: ZVG)

Ende Mai 2021 trat Martin Vinzens, der Gefängnisdirektor der offenen Strafanstalt Saxerriet, seinen wohlverdienten Ruhestand an. Martin Vinzens prägte den Justizvollzug über zwei Jahrzehnte lang. Neue Gefängnisdirektorin ist die Juristin Barbara Looser.

Unter anderem etablierte Vinzens das Magazin «Baustein», er realisierte einen grossen Umund Erweiterungsbau, setzte auf neue Methoden wie die Täter- Opfer-Arbeit, führte tiergestützte Therapien ein und setzte den Schwerpunkt seiner Anstalt auf die Resozialisierung. Vinzens erschuf einen Art Spiegel zur Gesellschaft, sodass sich die Straftäter nach Verbüssung der Haftstrafe wieder einfacher in die Gesellschaft integrieren konnten. Nun hat Martin Vinzens die Spielwiese verlassen.

Seine Nachfolgerin ist jedoch nicht irgendjemand, sondern eine ganz spezielle Persönlichkeit, die von Martin Vinzens bereits viel lernen durfte. Barbara Looser ist Juristin, war bereits als Vizedirektorin im Saxerriet tätig und zuletzt gar als Amtsleiterin des Amtes für Justizvollzug. Barbara Looser verfügt über ein enormes Fachwissen und hatte sich bereits im Vorfeld als die würdigste Nachfolgerin von Vinzens erwiesen, da waren sich alle so einig wie über den Umstand, dass Vinzens alles andere als leicht zu ersetzen sei. Mittlerweile sind die ersten Monate für Barbara Looser im neuen Amt vergangen und ich durfte mit ihr ein interessantes Interview über ihre ersten Erfahrungen als Gefängnisdirektorin führen.

Die Straf­an­stalt Saxer­riet.

Frau Looser, seit Mitte Mai sind Sie die neue Direktorin der offenen Vollzugsanstalt Saxerriet, konnten Sie sich bereits erfolgreich einarbeiten?

Da ich das Saxerriet bereits aus meinen früheren Tätigkeiten (einerseits als Stv. Direktorin sowie als Amtsleiterin) kannte, waren mir die meisten Aspekte der Strafanstalt Saxerriet und die Mitarbeitenden bereits bekannt. Mit diesem Hintergrund war es für mich sicherlich einfacher, mich einzuarbeiten. Dennoch ist es so, dass ich in meiner neuen Funktion auch viel Neues lernen muss und ich nun einige Aspekte aus der Sicht der Direktorin anders gewichte und beurteile als vorher. Ich würde jedoch sagen, dass ich mich bereits sehr gut eingearbeitet habe.

Sie waren bereits in der Vergangenheit als Vize-Direktorin im Saxerriet tätig, danach wurden Sie Amtsleiterin des Amtes für Justizvollzug. Was hat Sie dazu bewegt, die Stelle als Direktorin anzunehmen und den Posten als Amtsleiterin abzugeben?

Die Arbeit als Stv. Direktorin im Saxerriet hat mir immer sehr gut gefallen und ich habe deshalb bereits mit einem «weinenden Auge» die Stelle der Amtsleitung übernommen. Die Arbeit als Amtsleiterin war zwar sehr spannend und herausfordernd, jedoch hat mir der direkte Kontakt zu den Menschen sehr gefehlt. Ein Grossteil der Arbeit der Amtsleitung besteht im Verfassen von diversen Schriften und findet im Büro vor dem PC statt. In meiner neuen Funktion als Direktorin bin ich täglich mit verschiedensten Menschen (Mitarbeitenden, Insassen, Kunden) in Kontakt und muss oft schnelle und pragmatische Entscheidungen treffen. Diese Arbeitsweise macht mir grosse Freude und liegt mir. Zudem ist die Arbeit im Saxerriet sehr abwechslungsreich. Eine Strafanstalt zu führen, ist wohl vergleichbar mit dem Führen eines KMUs. Ich bin überzeugt, dass ich nun am richtigen Ort bin.

Martin Vinzens etablierte im Saxerriet das Magazin «Baustein», ein Medium, das sich mit Vollzugsthemen beschäftigt. Werden Sie das Magazin weiterführen und wenn ja, was wird sich ändern?

Wir werden das Magazin Baustein sicherlich weiterführen. Es ist geplant, dass die erste Ausgabe mit mir als Direktorin im Spätherbst erscheint. Weiter ist geplant, abnächstem Jahr wieder jährlich zwei Ausgaben herauszugeben. Inhaltlich ist vorgesehen, weiterhin sämtliche Themen, die einen Bezug zur Vollzugsarbeit und zum Saxerriet haben, zum Inhalt zu machen. Thematisch soll der Baustein weiterhin breit aufgestellt sein. Zurzeit überlegen wir uns, ob wir das Design des Bausteins überarbeiten, sodass dieser dann noch ansprechender und moderner daherkommt.

Sie sind Juristin und haben mittlerweile einen sehr beeindruckenden Lebenslauf vorzuweisen. Was fasziniert Sie persönlich an Ihrer Arbeit in der Justiz, respektive heute im Strafvollzug?

Bei der Arbeit im Strafvollzug stehen Menschen im Zentrum. Die Arbeit mit Menschen ist für mich sehr faszinierend, es gibt wohl nichts Spannenderes und Abwechslungsreicheres als mit Menschen zu arbeiten. Ich bin fest davon überzeugt, dass alle Menschen eine zweite und manchmal auch eine dritte oder vierte Chance verdienen und dass Menschen sich ändern können. Ich will, dass mit den Personen, die sich im Strafvollzug befinden, bestmöglich gearbeitet wird und diese möglichst gut auf die Zeit nach dem Strafvollzug vorbereitet werden. Als Direktorin des Saxerriets kann ich auf die Art und Weise, wie wir mit den Insassen umgehen und arbeiten, einwirken. Ich bin überzeugt davon, dass wir uns in diesem Bereich immer noch verbessern können. Und dies zu erreichen, reizt mich.

Martin Vinzens hat den Schwerpunkt stets auf die Wiedereingliederung gesetzt. Man versuchte, ein Spiegel der Gesellschaft zu sein. Harte Arbeit, dafür aber auch Belohnungen wie ein Weihnachtsfest, dafür war das Saxerriet bekannt. Wird sich daran etwas ändern?

Nein, im Grundsatz nicht. Wie bereits Martin Vinzens liegt mir sehr viel daran, unsere Insassen wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass Arbeit ein wichtiger Teil der Vollzugsarbeit ist, jedoch sicherlich nicht der Einzige. Auch die anderen Bereiche der Vollzugsarbeit (sozialarbeiterische Gespräche, therapeutische Interventionen, Freizeitangebote, etc.) sind von grosser Bedeutung. Wir möchten in Zukunft wieder vermehrt Anlässe für die Insassen anbieten, so fand im August bereits ein Rockkonzert statt, das bei den Insassen sehr gut ankam, und für den September ist bereits ein weiteres Konzert geplant.

Was ist Ihrer Meinung nach das Geheimnis einer erfolgreichen Resozialisierung?

Wenn ich das beantworten könnte… Ich glaube, es gibt keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage. Ich gehe davon aus, dass für eine erfolgreiche Resozialisierung verschiedene Faktoren entscheidend sind und die Gewichtung dieser Faktoren von Mensch zu Mensch verschieden ist. Entscheidend sind sicher, dass der Insasse möglichst gut auf die Rückkehr in die Gesellschaft vorbereitet wird und dass die Gesellschaft auch bereit ist, Personen aus dem Strafvollzug wieder eine Chance zu geben. Wir im Saxerriet setzen uns dafür ein, dass Insassen, die in die Freiheit entlassen werden, über eine Tagesstruktur, eine Wohnung und gesicherte Finanzierung des Lebensunterhalts verfügen. Zudem ist uns wichtig, dass während der Zeit im Vollzug Deliktarbeit geleistet wird. Dabei sollen einerseits die Risiken für erneute Straftaten beleuchtet, aber auch die vorhandenen Ressourcen des Insassen gefördert werden. Sind alle diese Faktoren vorhanden, kann eine erfolgreiche Resozialisierung stattfinden.

Was werden Sie neu im Saxerriet einführen?

Ich bin immer noch daran, alle Abteilungen intensiv kennenzulernen und dabei zusammen mit den jeweiligen Abteilungsleitern zu prüfen, ob und welche Verbesserungen angezeigt sind. Ich habe bereits einige Ideen, werde diese jedoch im Herbst den Mitarbeitenden präsentieren und möchte deshalb aktuell noch keine Details bekannt geben. Ich bin jedoch klar der Meinung, dass sich der Strafvollzug ständig weiterentwickeln muss und dass in einer Strafanstalt wie dem Saxerriet mit seinen vielfältigen Themen (seien diese aus dem Bereich der Arbeitsplätze oder aus Deliktarbeit) immer Entwicklungsmöglichkeiten bestehen.

Was könnte Ihrer Meinung nach im Schweizer Strafvollzug verbessert werden, respektive wo erkennen Sie selbst eine Schwäche im System?

Es gibt sicherlich einige Bereiche, in denen wir uns noch verbessern können. Als Stichworte seien hier (nur beispielsweise) genannt: Angehörigenarbeit, Digitalisierung, neue Formen der Aus- und Weiterbildung von Insassen. Zu beobachten ist zudem die Entwicklung, dass heute viele Insassen während langer Zeit im geschlossenen Vollzug verbleiben und erst zu einem relativ späten Zeitpunkt in den offenen Vollzug versetzt werden. Zudem werden Vollzugslockerungen restriktiver als früher gewährt. Auch wenn bei jedem Fall eine Risikoabwägung zu erfolgen hat, darf nicht vergessen gehen, dass eine gute Wiedereingliederung genügend Zeit im offenen Setting benötigt, sodass schrittweise vorgegangen werden kann und genügend Zeit bleibt, mit den Insassen die jeweiligen Schritte zu planen, zu besprechen und, sofern nötig, nachzubearbeiten.

(smc)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Vermischtes
Region|24.09.2021
Ihr Element: Wasser, ihre Stärke: Schnüren
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2017, Alle Rechte vorbehalten.