Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
(Foto: Sascha Michael Campi)
Crime
Schweiz|22.11.2019 (Aktualisiert am 12.03.20 10:32)

Behandelt wie ein Schwerverbrecher (Teil 1)

Max (16 J.) wurde früher in der Schule massiv gemobbt. Von Beschimpfungen über seine deutsche Herkunft bis hin zum Würgen musste der junge Mann vieles über sich ergehen lassen. Nach unzähligen Therapieversuchen kamen die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden ins Spiel. Max durchlebte fortan einen wahren KESB-Krimi.

(Foto: Sascha Michael Campi)

Max (16 J.) wurde früher in der Schule massiv gemobbt. Von Beschimpfungen über seine deutsche Herkunft bis hin zum Würgen musste der junge Mann vieles über sich ergehen lassen. Nach unzähligen Therapieversuchen kamen die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden ins Spiel. Max durchlebte fortan einen wahren KESB-Krimi.

Durch das massive Mobbing an der Schule Langenthal entwickelte Max eine «Sozialphobie». Er wurde von Ängsten geplagt, es fiel ihm schwer, unter Leuten zu sein, immer wieder kam es zu Panikattacken. Max begann sich Tag für Tag mehr vor der Schule zu fürchten, seine Eltern baten die Schulleitung um Hilfe, doch dort spielte man das Mobbing einfach herunter. Jeden Morgen, wenn der Tag anbrach und die Schule bevorstand, wehrte sich Max intensiv dagegen, überhaupt hingehen zu müssen. Er begann zu weinen, herumzuschreien und immer mal wieder landeten Kleiderständer oder andere Gegenstände am Boden. Die Eltern gaben am Anfang das eine oder andere Mal nach, irgendwann gaben sie ganz nach. Sie begannen, ihr Kind vermehrt zu Hause zu behalten. Die Eltern waren mit der Situation komplett überfordert und von der Schule fühlten sie sich im Stich gelassen. Professionelle Hilfe wurde eingeschaltet. Ein Therapieversuch nach dem anderen scheiterte. Erst im Laufe der Zeit stellte sich heraus, was Max wirklich alles in der Schule durchmachen musste. Nach rund eineinhalb Jahren wurde der Familie von einem Beistand geraten, eine Selbstmeldung bei den KESB zu machen. Diese Behörde würde über hilfreiche Möglichkeiten verfügen, den Schulen Druck zu machen und für Max einen optimalen Therapieplatz zu erkämpfen. Auf Hilfe hoffend, wandten sich die Eltern von Max an die KESB. Doch anstatt den Eltern Unterstützung anzubieten, warf man ihnen dort direkt vor, sie hätten ihren Sohn rund eineinhalb Jahre von der Schule ferngehalten und somit gegen das Wohl des Kindes gehandelt. Max war tatsächlich nicht in der öffentlichen Schule, doch befand er sich ja genau deswegen in Therapie. Die KESB begann damit, Max und seine Eltern ins Visier zu nehmen. Es ging nicht lange und die KESB entzog den Eltern das Sorgerecht für ihren Sohn. Zuerst wurde eine verdeckte Platzierung geplant, danach entschied man sich für eine Platzierung im Kinderheim. Max wurde von einem KESB-Mitarbeiter und der Polizei wie ein Schwerverbrecher von zu Hause abgeholt und ins Kinderheim gebracht. Bereits zuvor wurde Max bereits einmal ins Kriseninterventionszentrum gesteckt. «Ich wurde behandelt wie ein Schwerverbrecher. Meine Eltern durften mich eine Stunde lang besuchen, die restliche Zeit verbrachte ich unter haftähnlichen Umständen», so Max über seine damalige Situation. Doch auch als die KESB den jungen Mann unter ihre Fittiche genommen hatte, gelang es ihr lange nicht, den jungen Mann zum Unterricht mit anderen Schülern zu bringen. Zeitweise verlangte man von den Eltern, dass sie sich von 7 bis 19 Uhr um Max kümmern und sie ihn dann am Abend wieder ins Heim zurückbringen. Die Eltern waren verzweifelt, beide verloren ihre Jobs und bei der Familie staute sich ein Berg an unbezahlten Rechnungen an. «Höre ich heute den Ausdruck KESB, so werde ich wütend, denn ich weiss heute, dass ich nie von zu Hause hätte weggenommen werden dürfen. Meine Eltern haben mich nie geschlagen oder schlecht behandelt. Sie waren stets herzlich um mich besorgt, wenn sie auch zugleich mit meinen damaligen Ängsten und Panikattacken überfordert waren», so Max heute über die damalige Zeit. In der nächsten Ausgabe der «Crime Story» erfahren wir mehr über Max und seine Erlebnisse mit der KESB sowie über seinen Aufenthalt im Kinderheim, wo ihm eine Zelle namens Zimmer zur Verfügung gestellt wurde.

www.smc-books.ch smc@smc-books.ch

(smc)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Vermischtes
Schweiz|07.08.2020 (Aktualisiert am 07.08.20 11:29)
Positives Resultat trotz Turbulenzen
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2017, Alle Rechte vorbehalten.
Volksblatt Werbung