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(Foto: Sascha Michael Campi)
Vermischtes
Schweiz|20.12.2019

Behandelt wie ein Schwerverbrecher (Teil 2)

Max (heute 16 J.) wurde im August 2017 von der Kesb in ein Kinderheim ­gesteckt. Dort musste er bis Weihnachten 2018 ­verweilen. Bis heute bereitet diese Zeit Max Kummer, so auch die Frage des ­Warums, denn wurde er zu Hause weder geschlagen, noch fehlte es ihm an ­Liebe.

(Foto: Sascha Michael Campi)

Max (heute 16 J.) wurde im August 2017 von der Kesb in ein Kinderheim ­gesteckt. Dort musste er bis Weihnachten 2018 ­verweilen. Bis heute bereitet diese Zeit Max Kummer, so auch die Frage des ­Warums, denn wurde er zu Hause weder geschlagen, noch fehlte es ihm an ­Liebe.

«Nie werde ich vergessen, wie damals der Kesb-Mitarbeiter in Begleitung der Polizei vor unserer Haustür stand», so die Mutter von Max über die damalige Zeit. Sie müssten zu einem Gespräch mitkommen, unter diesem Vorwand wurden Max und seine Mutter zu der Behörde geführt. Dort angelangt, wurde schnell klar: Max kommt nicht mehr nach Hause zurück. «Ich habe nur noch geweint …», so Max, «… man behandelte meine Eltern und mich wie Schwerverbrecher.» Max war zu dieser Zeit bereits länger in psychologischer Therapie. Er litt an einer Form von «Sozialer Phobie», hervorgerufen durch massives Mobbing an seiner vorherigen Schule im Oberaargau. Aufgrund dessen gelang es Max zwischenzeitlich nicht mehr, sich unter Leute zu begeben oder sich länger in der Öffentlichkeit zu bewegen. Ein Umstand, der für die Eltern wie auch Max selbst sehr schwer zu ertragen war. Mit der Platzierung im Heim wurde der Alltag für den jungen Mann fortan noch schwerer. Sein einziger bisheriger Halt waren seine Eltern, zu denen er stets eine innige uns sehr liebevolle Beziehung pflegte. Max durfte sich von zu Hause Kleider und ein Fahrrad bringen lassen. Das Zimmer im Kinderheim wirkte auf Max anfänglich wie eine Zelle. Während den ersten drei Wochen wurde ihm der persönliche Kontakt zu seinen Eltern untersagt. Lediglich um 7.30 Uhr morgens durfte er mit ihnen 5 Minuten telefonieren. Mit Hilfe eines versteckten Handys konnte er dies umgehen, sonst wäre er komplett durchgedreht, hätte er nur 5 Minuten telefonieren dürfen, resümiert Max heute. In den ersten Wochen wurden durch die Beiständin die Besuchszeiten festgelegt - vergleichbar mit einem Gefängnis wo die Angehörigen für einzelne Stunden die Möglichkeit erhalten, den Häftling zu besuchen. «Bereits nach kurzem fertigte man die ersten Berichte über meinen Aufenthalt an, in denen man davon sprach, ich hätte mich gut integriert und würde am Abend Gesellschaftsspiele mit anderen Heimkindern spielen», erzählt Max nachdenklich, wobei er betont, zwar das eine oder andere Mal ein Spiel mitgespielt zu haben, doch dass er sich weder integriert noch wohlgefühlt hätte. Das Kinderheim war für Max besonders schwer, gerade da es ihm aufgrund seiner Angst- und Panikattacken im Kontakt mit anderen Personen alles andere als leichtfiel, sich dort aufzuhalten. Mit der Schule funktionierte es anfänglich nicht, so wurde Max zur körperlichen Arbeit eingeteilt. «Hätten wir unseren Sohn so arbeiten lassen, hätte man von Kinderarbeit gesprochen und uns als Eltern die Hölle heiss gemacht, da wir gegen das Wohl des Kindes gehandelt hätten», so der Vater von Max. Weihnachten 2018 durfte Max nach Hause zu seinen ­Eltern zurückkehren. Mittlerweile steht Max wieder im Leben. «Ich bin froh, wenn ich bald volljährig bin und aus den Klauen der Kesb entlassen werde», so Max nachdenklich. Auch seine Eltern freuen sich auf den Tag, wo sie nicht stets in Sorge über die Willkür einer Behörde leben müssen, die ihnen in den letzten Jahren eine wahre Tortur beschert hat. Der Fall von Max ist kein Einzelfall. Immer mehr Kesb-Fälle werden bekannt, bei denen von Seiten dieser Behörde fraglich gehandelt wurde und in jedem Fall folgt dieselbe Reaktion: Ein Verstecken hinter dem Datenschutz und keine Auskunft über die Geschehnisse. Einzelne Politiker, wie namentlich Pirmin Schwander von der SVP, befinden sich seit Längerem im Kampf gegen die Praktiken der Kesb. Geändert hat sich bislang nur wenig. Max hingegen hat seinen eigenen Weg gefunden. Er arbeitet an seiner Biografie. Sein Ziel ist ein Buch über all sein Erlebtes, das er im nächsten Jahr veröffentlichen und mit dem er gleichzeitig die Vergangenheit abschliessen möchte.

(smc)

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