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Der Kanton St. Gallen bietet einen ambulanten Alkoholentzug an. (Symbolfotos: Shutterstock)
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Schweiz|19.11.2021

Ambulanter Alkoholentzug: St. Gallen lanciert neues Angebot

Um den Ausstieg aus der Alkoholsucht zu schaffen, lanciert der Kanton St. Gallen ein neues flächendeckendes Angebot: Trocken in nur fünf Tagen. Dies mithilfe eines ambulanten Alkoholentzugs. Das Angebot läuft ab dem 15. November.

Der Kanton St. Gallen bietet einen ambulanten Alkoholentzug an. (Symbolfotos: Shutterstock)

Um den Ausstieg aus der Alkoholsucht zu schaffen, lanciert der Kanton St. Gallen ein neues flächendeckendes Angebot: Trocken in nur fünf Tagen. Dies mithilfe eines ambulanten Alkoholentzugs. Das Angebot läuft ab dem 15. November.

Jede fünfte Person in St. Gallen ist alkoholkrank. Diese Zahl will der Kanton deutlich senken. Die St. Galler Regierung hat gemeinsam mit Suchtfachstellen ein Angebot ausgearbeitet, das Alkoholkranken helfen soll, ohne dass sie ihr gewohntes Umfeld verlassen müssen. «Für viele Menschen ist es ein Problem, für einen Entzug längere Zeit abwesend zu sein und dadurch den Arbeitsplatz zu verlieren. Das unterstützt die sowieso schon schwierige Situation nicht. Der ambulante Alkoholentzug soll das verhindern», erklärt der St. Galler Regierungsrat Bruno Damann. Mit einem verlorenen Arbeitsplatz sei es meist schwierig, die Menschen noch zu motivieren, den Alkoholentzug durchzuziehen. In der eigenen Umgebung zu bleiben habe aber Vor- und Nachteile: Einerseits könne die betroffene Person bei der Arbeit, Familie oder auch im Zuhause bleiben, andererseits bestehe auch stets die Gefahr, dass Betroffene dann weiterhin Alkohol konsumieren.

Rund 250 000 Menschen in der Schweiz leiden unter Alkoholsucht. Betroffen seien immer noch vermehrt Männer, doch die Frauen haben aufgeholt. Zudem gehe die Tendenz beim Rauschtrinken in allen Altersklassen nach oben. Vor allem an Anlässen wie Messen, Partys oder Silvester- und Weihnachtsfeiern habe der Alkohol Hochkonjunktur. Die Verführung ist gross. Es gibt bereits Adventskalender mit Alkohol. «Alkohol ist überall», sagt Regine Rust, Geschäftsleiterin der Stiftung Suchthilfe St. Gallen. Es gäbe zwar viele Menschen, die von sich aus entscheiden, eine Pause einzulegen und ein paar Tage auf Alkohol zu verzichten, doch gäbe es auch viele Menschen, die sich damit schwertun.

«Es gibt einen bekannten Scherz: ‹Mit dem Rauchen aufzuhören ist ganz einfach. Ich habe es schon hundert Mal versucht.› So ist das auch mit dem Alkohol», sagt Rust. Viele nehmen sich im Leben irgendeine Veränderung vor. Das am häufigsten vorkommende Bespiel sind Anmeldungen im Fitnessstudio zu Jahresbeginn. Wirklich hingehen tun das dann aber die wenigsten. Mit Unterstützung oder mit Begleitung ist es einfacher, so sei es auch beim Alkoholentzug.

(Symbolfoto: Shut­terstock)

In fünf Tagen trocken

Meldet sich eine Person für den ambulanten Alkoholentzug an, werde zeitnah ein erstes Gespräch abgemacht. Dieses Gespräch soll klären, ob ein solcher Entzug infrage kommt oder eine stationäre Behandlung mehr Sinn macht. Trifft der erste Fall zu, bespricht der Berater oder die Beraterin den genauen Verlauf der Behandlung. In einem nächsten Schritt muss sich die Person von ihrem Hausarzt untersuchen lassen, denn ohne die schriftliche Einwilligung des Hausarztes gibt es keine ambulante Behandlung. Eventuell verschreibt der Arzt dann zusätzliche Medikamente zur Linderung der Entzugssymptome. Danach reicht er einen entsprechenden Bericht bei der Suchtfachstelle ein. Sind all diese Punkte abgehakt, werden die Termine für die Entzugswoche vereinbart. Sind sämtliche Voraussetzungen erfüllt, startet am vereinbarten Sonntag spätestens um 18 Uhr der Trinkstopp. Am Tag darauf findet das erste Gespräch im Rahmen des ambulanten Alkoholentzugs statt. Von Montag bis Freitag erscheint die Person täglich für ein 30- bis 45-minütiges Gespräch bei der Suchtfachstelle. Dabei kontrolliert das Personal den Puls, den Atem, den Blutdruck, die Körpertemperatur sowie die psychische und körperliche Verfassung. Bei körperlichen oder psychischen Problemen während der Behandlung überweist es Betroffene an entsprechende Fachpersonen.

Am Freitag, dem letzten Behandlungstag, findet das Abschlussgespräch statt. Patient und Suchtfachperson besprechen individuell, welche Nachfolgebehandlung sinnvoll ist. Dies könnten zum Beispiel weitere Beratungen beim Suchtberater, eine psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung, eine hausärztliche Weiterbehandlung und Betreuung oder eine stationäre Behandlung zur weiteren Stabilisierung der Situation sein. Nach Abschluss des ambulanten Alkoholentzugs informiert die Suchtfachstelle den Hausarzt über den Verlauf der Behandlung.

Für Liechtensteiner kostet das Angebot

Der Kanton St. Gallen hat für dieses Angebot Geld gesprochen und übernimmt die Kosten für die Suchtberatung. Die ärztliche Behandlung beim Hausarzt wird von der Krankenkassengrundversorgung übernommen. Personen aus einem anderen Kanton oder Liechtenstein können das Angebot des ambulanten Alkoholentzugs ebenfalls in Anspruch nehmen, doch müssen sie die Kosten dafür selber tragen.

Infos unter: www.alkoholentzug-sg.ch

(um)

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